Joey Ramone – „…Ya know?“

Joey Ramone, legendärer Sänger der Ramones, ist seit mehr als einem Jahrzehnt tot. Die Ramones sind für mich eine besondere Band und ich verbinde sehr viel mit ihnen. Als ich Joey Ramones „…Ya Know?“ auf den Tisch liegen hatte, war ich hin und her gerissen. Einerseits war ich begeistert: Ein neues Soloalbum dieses für mich besonderen Künstlers! Andererseits hatte ich Angst: Posthume Veröffentlichungen sind viel zu oft einer verzweifelten nostalgischen Sehnsucht der Fans und dem Bestreben daraus Profit zu machen geschuldet.

Als Joey Ramone 2001 starb, hinterließ er Songmaterial in unterschiedlichen Stadien der Vollendung. Einiges davon wurde bereits 2001 auf dem Album „Don’t Worry About Me“ herausgebracht. Das Material für „…Ya Know?“ wurde im Laufe der letzten Jahre von Mickey Leigh, Joeys Bruder und Produzent der Ramones, zusammengestellt. Mit einer Handvoll von Joeys engsten Freunden und ehemaligen Mitstreitern spielte er das Material neu ein, nahm die Songs neu auf und produzierte das Album.

Die Liste der an Joey Ramone – Ya Know? beteiligten Künstler liest sich wie ein Who is Who der Musik: Joan Jett, Steven Van Zandt (E Street Band), Richie Stotts (Plasmatics), Ed Stasium (Talking Heads, Living Colour), Andy Shernoff (Dictators, Masterplan), Holly Beth Vincent (Holly and the Italians), Lenny Kaye (Patti Smith Group), Richard „Dick“ Manitoba (Dictators, Mantiboa), Jean Beauvoir (Plasmatics, Kiss), Joe Blaney (Clash, Prince, B-52s uvm.), Bun E. Carlos (Cheap Trick), Dennis Diken (Smithereens), um nur einige zu nennen.

Meinen besonderen Respekt haben sich die beteiligten Musiker durch diese besondere Zusammenarbeit verdient. Sie haben sich dem Gesang von Joey Ramone untergeordnet, denn er konnte sich schließlich nicht mehr auf die ihn begleitenden Musiker einstellen. Es ist allen Beteiligten meisterhaft gelungen, an keiner Stelle den Eindruck aufkommen zu lassen, dass hier altes Material remixt oder dem Stil anderer Bands untergeordnet wird.

Das Album ist für mich wunderschön und gleichzeitig beinahe bedrückend emotional. Der Tiefgang und die Seele von Joeys Gesang berühren mich noch immer. Ein oder zwei Tracks sind vielleicht etwas zu glatt produziert. Beim Hören dieses Albums bin ich auf einem Konzert, das nur für mich gegeben wird. Die Nähe ist unglaublich und schließe ich die Augen, kann ich Joey vor mir sehen. Ich kann mich der Musik und seiner magischen Wirkung nicht entziehen. „…Ya Know?“ ist für mich ein Geschenk, das seine Wirkung eben nicht durch brachiale Kraft oder hämmernde Beats entfaltet. Es sind die leisen Töne und die Zurückhaltung der beteiligten Musiker, die dem Album seine besondere Wirkung verleihen. Ich finde, dieses Album sollte in keiner Sammlung fehlen.

„…Ya know?“ ist am 20.05.2012 bei BMG / Rough Trade erschienen.

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