Soulsavers with Dave Gahan – The Light The Dead See

Als ich las, dass Dave Gahan zusammen mit den Soulsavers ein Gemeinschaftsprojekt veröffentlichen wird, wurde ich sehr neugierig. Meine Neugierde wurde reich belohnt. Beim ersten Hören des Albums dachte ich mir: „Wow. Das muss ich mir in Ruhe anhören.

„The Light The Dead See“ ist eins jener „anderen“ Alben, die ich mir nicht zum Abtanzen oder für wilde Feten kaufe. Es ist speziell und es hat Charakter. Die Grundstimmung des Albums ist auf den ersten Blick melancholisch, aber das täuscht. Es ist eben keines jener Jammeralben, das sich depressive Gestalten ins Haus holen, um das Elend der Welt und die Schlechtigkeit der eigenen Existenz in Gedichten zu beklagen. Als Untermalung für das Zerfließen in Selbstmitleid eignet sich dieses Album nicht. Es eignet sich auch nicht als Soundtrack zur Untermalung der eigenen Bösartigkeit. Wer so etwas sucht, ist mit „The Light The Dead See“ falsch beraten.

Dieses Album animiert und motiviert. Es animiert zum Nachdenken, zum Weitermachen. Es stellt Fragen nach Sinn und Sein, aber es formuliert auch klare Forderungen. „Just Try“ verstehe ich zum Beispiel als sehr sanft intonierte Bitte doch endlich mal den eigenen Arsch hochzubekommen und nicht immer anderen die Ohren voll zu heulen. Trotzdem ist das Album kein Ratgeber. Dave schwingt sich nicht zum Guru auf. Er fordert nicht dazu auf, ihm zu folgen. „The Light The Dead See“ spricht vielmehr aus, was oft erst zurückblickend Sinn ergibt: Warum war diese Entscheidung richtig für mich, warum war jene Entscheidung falsch und habe ich aus meinen Fehlern gelernt?

Das Album setzt eine gewisse Lebenserfahrung voraus, um seine Wirkung voll entfalten zu können. Anfang zwanzig hätte ich mit diesem Album wahrscheinlich gar nichts anfangen können. Ja, ich hätte auch damals schon anerkannt, dass das Album schön instrumentiert ist. Ich hätte auch zugestimmt, dass die Komposition und das Arrangement des Albums herausragend gut sind. Auch hätte mich Daves Stimme angesprochen, die dem Album eine ganz besondere Stimmung und Wirkung verleiht. Aber ich hätte keinen weiteren Zugang zu dem Album finden können, weil ich noch gar nicht verstehen konnte, um was es in dem Album eigentlich geht. Dieses Begreifen kommt erst mit dem Älterwerden, durch die Entscheidungen und Fehler, die das eigene Leben mit sich bringt. Genau das meint der Titel des Albums: „Erst wenn Du das hinter Dir hast, verstehst Du, um was es geht“.

Dave Gahan sagt über seine Texte:
About five songs in, I realised I was writing outside myself. I was having a go at myself, to be honest: my questions around faith, and God, or the lack thereof at any given moment. Sometimes I’m full of faith, but there are always questions.“ (…) „This music gave me the perfect palate to play with the BIG questions that we all ask when life becomes less about what can we GET, than: what can we DO?

„The Light The Dead See“ ist ein sehr vielseitiges Album. Es ist einerseits wunderschön, atmosphärisch und hat eine Magie, der ich mich schwer entziehen kann. Aber andererseits ist es eben auch starker Tobak. Wie bei gutem Wein oder gutem Essen, so gibt es auch bei diesem Album den richtigen Moment, die richtige Situation und eben auch ein „zu viel“. Unbedingt genießen, aber bitte mit Bedacht.

Dave Gahan with The Soulsavers – The Light the Dead See ist erschienen am 18. Mai 2012 bei Pias / V2 / rough trade

Webseite: http://www.thesoulsavers.com/

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