A Life Divided – The Great Escape: Weglaufen ist feige.

Elektro-Goth-Rock hat sich in eine Richtung entwickelt, die ich nicht so prall finde, denn jede zweite Kapelle versucht krampfhaft die neuen The Rasmus oder noch schlimmer HIM zu sein. Seit ich kürzlich auf einer etablierten Gothic Szeneparty den Mob zu dem außerirdisch genialen Vadim Zhukov Remix von Benny Benassis Love Is Gonna Save Us abgehen sah, habe ich sowieso keine Fragen mehr (Wer jetzt fragend guckt: Das ist allerfeinste House-Musik, die in erster Linie von genau den Leuten gehört wird, von denen sich „die Goths“ selber scharf abgrenzen). Deshalb war ich ziemlich skeptisch, als mir The Great Escape der deutschen Elektro Gothic Rockband A Life Divided zur Rezension angeboten wurde.

A Life Divided und ich haben es nicht leicht miteinander gehabt in den letzten Tagen. Ich habe eine Menge über dieses Album geschrieben und wieder verworfen und viel über mich und meine Erwartungen an die Band nachgedacht. The Great Escape ist anders als Passenger von 2011. Teilweise so anders, dass es beinahe nach einer anderen Band klingt. Ein Riesenproblem habe ich mit The Lost, dem Opener des Albums. Dieser Track klingt so sehr nach Bravo Hits 2013, dass ich das Album fast schon wieder zurückgeben möchte. Es war harte Arbeit für mich, meine Vorurteile zu überwinden. Seit ich das aber geschafft habe und die Musik auf mich wirken lasse, ohne Etikett, ohne Genre- und Schubladendenken, seit dem funktioniert The Great Escape für mich richtig gut.

Dieses Album steckt voller Tracks, die ich kongenial finde. Clouds of Glass zum Beispiel. Oder Feel. Oder den Eisbrecher Remix von The Last Dance. Oder Perfect Day mit dem großartigen Chris Harms (Lord Of The Lost). Nicht zu vergessen On The Edge und vor allem Foreign Rain. Ja, The Great Escape ist auf seine Art anders als das Vorgängeralbum „Passenger“. Aber ich finde dieses Album insgesamt ehrlicher. A Life Divided verzichtet auf The Great Escape auf genau diejenigen überflüssigen Elektrospielereien, die dem Elektro-Goth-Rock sein für mich negatives Image angehängt haben. Das ist mutig, denn das wird einige Fans verstören.

The Great Escape ist daher nicht „für jeden“, denn A Life Divided versucht nicht alles für jeden zu sein. Die Band bietet auf The Great Escape jedem Stücke, um Zugang zur Band und ihrer Musik zu finden (Space, The Last Dance). Für Fans sind genug Stücke dabei, in denen sie „ihre“ Band wiederfinden (On The Edge, It Ain’t Good). Im Kern bleibt sich die Band treu und meiner Meinung nach ist sie auf The Great Escape mehr sie selbst als zuvor. Wer für seinen in Beton gegossenen Musikgeschmack eine Grenze diesseits von Linkin Park zieht, Rob Zombie eher als „untere seichte Grenze“ seines Musikgeschmacks definiert und alles mit weniger Elektro als Apoptygma Berzerk unhörbar findet, wird mit The Great Escape von A Life Divided eher nicht glücklich werden.

Von all diesen Überlegungen mal weg. A Life Divided macht richtig geilen Rock – It Ain’t Good sei stellvertretend hervorgehoben – und würzt ihn mit einer gut abgewogenen Dosis Elektro. Das mag ich. Die Band sucht musikalisch nach ihrer eigenen Identität und traut sich auch mal was (Game Over, Perfect Day). Das bewundere ich und darum empfehle ich The Great Escape von A Life Divided.

Webseite der Band: http://www.a-life-divided.de/

The Great Escape von A Life Divided erscheint am 18.01.2013 bei AFM Records.

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