Boris Blank and Malia – Convergence

Schon die Ankündigung eines neuen Albums von – oder meinetwegen auch nur mit – Boris Blank versetzt mich in helle Aufregung. Boris Blank! Yello! Synthesizer! Oh Mein Gott! Um das zu verstehen, sollte ich vielleicht erwähnen, dass Yello, also Boris Blank und Dieter Meyer, das musikalische Fundament gegossen haben, auf dem meine Liebe zu Synthesizern und Avantgarde ruht. Aber nicht nur das. Es ist der besondere Stilmix, den ich durch Boris Blank zu bewundern und lieben gelernt habe. Aber ausgerechnet Jazz und Synthesizer? Ein wenig sträubt sich mir ja schon das Nackenfell. Unsere gemeinsame Geschichte – die von Jazz und mir – ist nicht immer uneingeschränkt reibungslos verlaufen.

Convergence steht auf seine Art in der kreativen Tradition der Musik von Boris Blank. Seine Synthesizer sind unverkennbar. Der Jazz kommt von Sängerin Malia, von der ich bis zu diesem Album exakt gar nichts wusste. Ich musste nachlesen, dass sie aus Malawi stammt, vier Alben veröffentlicht hat und mit zwei Alben (Yellow Daffodils, Sony und Black Orchid) bereits deutlich in den Top100 der Charts vertreten war. Ich lernte, dass ihr Gesangsstil sich an den Cool Jazz anlehnt und mit Elementen der 60er und 70er Jahre spielt. Meine Neugierde auf theoretisches Hintergrundwissen ist befriedigt, obwohl ich ehrlich gesagt noch immer total ahnungslos bin.

Das Album brennt Löcher in den Tisch und ich bin neugierig ohne Ende. Also Anlage anwerfen und die Nachbarschaft begeistern. Das Einsetzen der Musik, die ersten satten Sounds, das erste Aufflammen jener Verspieltheit elektronischer Musik, die ich so liebe, erzeugt bei mir ein Hochgefühl, das exakt zu meiner Spannung, meiner Begeisterung für die Musik von Boris Blank passt.

Und dann fängt Malia an zu singen.

Sprachlos vor Faszination und unumwundener Begeisterung erlebe die wahrscheinlich schönste (musikalische) Dreiviertelstunde seit langer Zeit. Das englische „jawdropping“ beschreibt die Wirkung der Musik auf mich am besten. Die Harmonie, der Style, mit einem Wort die Klasse von Convergence ist phänomenal. Malia und Boris Blank liefern ein Album ab, an dem mich stört, dass es „nur“ 45 Minuten lang ist. Davon abgesehen ist es die geilste Scheibe seit geschnitten Brot.

Der bezaubernde Gesang von Malia macht aus der avantgardistischen und gleichzeitig mysteriösen Synthesizerlandschaft von Boris ein zauberhaft geheimnisvolles Werk. Ihre Stimme ist Samt und Seide, ist Verführung, ist Sinnlichkeit. Ihre Stimme klingt wie aus einem verqualmten, plüschüberladenem Jazzclub des Amerikas der 60er Jahre. Die Synthesizer-Arrangements von Boris Blank und seine Kompositionen sind sehr Yello, modern, frisch. Beide Künstler verheimlichen ihre musikalische Herkunft nicht, im Gegenteil. Boris unterstreicht seine Wurzeln mit dem Yello-Song Tears Run Dry, während Mailia mit Turner’s Ship ihrer Herkunft Ausdruck verleiht. Beides passt so großartig zusammen, dass es mir schier die Sprache verschlägt.

Wer mir vor diesem Album gesagt hätte, dass Synthesizer und Jazz auf so hohem Niveau und so großartig zusammenpassen und sich gegenseitig ergänzen, ohne eins von beidem zu verwursten oder zu unterdrücken, den hätte ich ausgelacht. Wer mir gesagt hätte, dass ich über Jazz mal sagen würde, dass ich ihn unumwunden toll finde, den auch. So gesehen ist Convergence nicht nur das Zusammentreffen von zwei, sondern von drei Welten und ich bin dankbar dafür, das erleben zu dürfen. Gerne mehr davon.

Boris Blank and Malia – Convergence erscheint am 24.01.2014 bei Universal

Webseite von Malia: http://www.jazzecho.de/malia/home

Webseite von Boris Blank (Yello): http://www.yello.com/

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