Circus Granada in Oldenburg

Circus-Granada-10Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. So ging es mir gestern: Ich wollte mich eigentlich nur ganz friedlich und harmlos mit einer guten Freundin treffen, ein wenig Kaffee schlürfen, ein wenig reden, vielleicht irgendwas unternehmen… Unternehmen. Tolle Idee, nur was? Ich mein… Kino ist ein wenig abgegriffen und weckt so Assoziationen mit dem „großen Gähn-Trick“ oder so. Eher durch Zufall kam ich ein paar Tage vorher an einem gelb leuchtenden Werbeplakat vorbei: Circus Granada gibt in Oldenburg ein Weihnachtsprogramm.

Zirkus? Wie lange war ich nicht mehr im Zirkus? Mal echt jetzt – 20 Jahre oder so? Hm. Eine kurze SMS-Konferenz später stand das Programm fest: Erst Zirkus, dann Kaffee. Klasse. Ich also am Dienstag rein zum Privatvergnügen fertig gemacht – das heißt ohne Stativ, Taschen, Rucksack, kein Laptop, keine Beleuchtung und insbesondere – was ich noch sehr bedauern sollte – keine Kamera. Derart unbeschwert fuhr ich also zum Oldenburger ZOB, denn direkt daneben gastiert der Circus Granada, auf dem Europaplatz 12.

Ich gebe zu, ich hatte mich nicht klug gemacht, was so ein Zirkusbesuch denn so heutzutage kostet, vorher nicht, und danach auch nicht, ich habe also tatsächlich keine Ahnung, wie die Preise von 12, 14 oder 16 Euro einzuordnen sind (von hinten nach vorne, jeweils für einen Erwachsenen). Da relativ wenig Leute oder auch nur Autos vor dem Gelände zu sehen waren, hatte ich schon die Befürchtung, meine Begleitung und ich könnten die einzigen Gäste sein. Oder die Hoffnung. Wie auch immer. Aber auch wenn das beheizte Zelt wirklich nicht „voll“ war, waren doch noch andere Gäste da – größtenteils Familien mit Kindern. So kindlos fühlten wir beide uns dann doch ein wenig als Außenseiter – aber auch das konnte uns nicht verschrecken.

Was ich mir klarmachen musste, als ich den Familienbetrieb Circus Granada besuchte: Das ganze Unternehmen kommt mit wenigen Leuten aus. Ein Großteil des Programms wurde von vier oder fünf Artisten vorgeführt. Aus Fernseh-Zirkus-Shows kennt man irgendwie immer neue Artisten pro Darbietung – und nicht wenige Leute mit einem wirklich weiten Spektrum, wie im Circus Granada präsentiert.

Und diese Vielseitigkeit der Darbieter ist das, was mich am Circus Granada am meisten beeindruckte. Krafteinlagen, Geschick, Tiere in Groß und Klein, und dann wieder kleine Details wie die wechselnden Ansagen – wer grade nicht auftritt, sagt an. Rasante Kleiderwechsel. Und immer wieder Abwechslungen in den Darbietungen, die gut 90 Minuten Programm mit einer kurzen Pause füllten.

Kamel
Quelle: Circus Granada

Ich habe von diesem Nachmittag viele schöne Bilder mitgenommen, leider die meisten nur in meinem Kopf, weil mein etwas in die Tage gekommendes Smartphone doch an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit war – wie unten zu sehen. Und ich will auch nicht behaupten, dass bei der Vorstellung alles immer hundertprozentig geklappt hat – es gab ein paar „Fehler“, aber die wurden elegant überspielt und so mit Humor überlagert, dass wahrscheinlich viele im Zelt sie nicht einmal mitbekamen. Und kein Super-Duper-High-End-4-D Rundfernseher kann das Gefühl, den Geruch wiedergeben, wenn ein – für mich verblüffend riesiges – Kamel (das sind die mit den zwei Höckern, falls sich jemand fragt) etwa einen Meter vor mir entlangläuft, oder das Gesicht einfangen, wenn ebendieses Kamel einen Kniefall vor einem dreijährigen Mädchen macht – und dabei den Kopf weit, weit über die Manege hinausstreckt. Oder schmunzeln, weil die Kleine als erstes ihr Popcorn sichert…

Ein paar Worte vielleicht noch dazu, weswegen einige Menschen Zirkus-Betrieb meiden: Tierschutz. Ja, es ist richtig – die Tiere in einem Zirkus, insbesondere in einem Wanderzirkus sind nicht in ihrer „natürlichen Umgebung“. Das Kamel kann nicht als Herdentier durch die asiatischen Steppen wandern. Das Shetland-Pony ist nicht in Shetland, und die Hunde sind auch keine Wölfe mehr. Und das ist eins der Probleme: Wir, die Menschen, zerstören systematisch und großflächig Lebensräume. Daran ist nicht der Circus Granada schuld. Daran sind auch (die meisten) Zoos nicht Schuld. Aber Zoo und Zirkus führen Menschen, die sonst nur Fussel-Pelzbälle als Hunde oder Katzen kennenlernen, an Tiere heran – und schaffen auch Ehrfurcht vor diesen großartigen Kreaturen und ihrer Intelligenz.

Ich bin kein Experte für Tiere, gebe ich als erster zu, aber ich habe mehrere Leute gefragt, die sich mit Hunden und Pferden auskennen – Experten für Kamele habe ich leider nicht in meinem Bekanntenkreis – und nach deren Aussage war das Verhalten der Tiere spielerisch, gut belohnt und vor allem: Geprägt von Vertrauen. Wer sich daran stört, der wird sich auch an Hunden oder Katzen in einer Wohnung, als Haustier, stören müssen.

Alles in allem ein wirklich beeindruckender Nachmittag, für den ich Direktor Lauenburger und seiner Truppe nochmal ganz herzlich danken möchte. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt.

Circus Granada

In Oldenburg vom 24.12.2015 – 10.01.2016

Vorstellungen: 16:00 Uhr (10.01. um 11:00 Uhr)

Eintritt: Erwachsene 12,00/14,00/16,00 €
Tierschau: 1,00€

Facebookseite des Circus Granada

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