David Guetta: Piraterie bringt die Fans zu meinen Konzerten

David Guetta wurde von BBC News interviewt. Dabei ging es auch um das Thema Raubkopien, die seit je her ein schwieriges Thema sind. Gerade die Musikindustrie ist davon massiv betroffen. Immer wieder wird zu umstrittenen Maßnahmen gegriffen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Die Ansichten zu diesem Thema sind vielfältig und kontrovers. Häufig ist zu hören und zu lesen, dass Fans immer wieder anführen, gerade Raubkopien hätten sie dazu gebracht, Musik zu kaufen und so Künstler zu unterstützen. Verschiedene Studien scheinen das zu bestätigen.

Seltener hört man, dass Künstler diese Haltung unterstützen. DJ und Produzent David Guetta, der in der Musikwelt nicht unumstritten ist, hat offenbar eine recht entspannte Sichtweise zu dem Thema. In einem TV-Interview mit der BBC sagte Guetta, dass ihm die Piraterie helfe. Ohne Raubkopien würden deutlich weniger Menschen auf seine Musik aufmerksam werden und dann würden auch weniger Fans zu seinen Konzerten kommen.

Gegenüber der BBC sagte der aus Frankreich stammende Guetta:

„Ich will nur, dass die Leute Zugang zu meiner Musik haben. Gäbe es keine (Musik-)Piraterie, würde ich nicht in Brasilien jeden Tag 20.000 Mal verkauft.“ „Liegt das daran, wie viele Platten ich im Laden verkaufe? Natürlich nicht.“

David Guetta hätte nichts dagegen, wenn er von jedem Hörer seiner Musik Geld bekäme. Er sagt selbst, dass er dann „sehr reich“ wäre, und das fände er natürlich toll. Er ist aber der Ansicht, dass das unmöglich ist. Guetta findet, dass Fortschritt nicht bekämpft werden sollte, sondern dass man ihn akzeptieren muss – mit allen Konsequenzen.

Es sollte allerdings klar sein, dass David Guetta als Großverdiener der Musikindustrie leicht reden hat. Für viele kleine Bands und Nachwuchskünstler sieht das ganz anders aus. Eine Studie des Verbandes der britischen Musikindustrie BPI stellte 2013 fest, dass Raubkopierer jährlich im Durchschnitt immerhin rund 37 Euro für Musik ausgeben. Diejenigen, die keine Raubkopien benutzen, geben dagegen im Schnitt rund 46 Euro jährlich aus. Offen blieb allerdings, wie die prozentuale Verteilung Raubkopierer zu „legalen“ Nutzern aussah, aber rund die hälfte der Raubkopierer gibt gar kein Geld für legale Musik aus.

Gerade für kleinere Künstler dürfte dieser Anteil Raubkopierer ein erhebliches Problem darstellen, aber auch namhafte Künstler teilen David Guettas Ansichten nicht. Gerade die Diskussion um die Ausschüttungen der Streaming-Dienste und überall im Netz, in Foren und auf Facebook immer wieder hochkochende Diskussionen um die Zahlungsmoral der Kunden und den Niedergang der Industrie belegen, dass dieses Thema ein ganz heißes Eisen ist. Spätestens wenn es darum geht, mit Musik seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, verhärten sich die Fronten.

David Guetta bringt allerdings ein Argument an, das letztens auch U2 Frontmann Bono im Zusammenhang mit der umstrittenen Verteilaktion des Albums „Songs Of Innosence“ über iTunes vorbrachte: Als Künstler will man, dass die eigene Musik von so vielen Menschen wie nur möglich gehört wird. Wenn das bedeutet, dass man die Musik teilweise verschenken muss, ist das immer noch besser, als wenn die Musik gar nicht gehört würde.

(Mit Material von BBC News, BPI, Bild: Parlophone CC3.0)

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