Eine Zensur findet nicht statt.

„Eine Zensur findet nicht statt.“ Dieser Satz steht so im Grundgesetz. Darauf sind die meisten Deutschen zu Recht stolz, sogar wenn das unzensierte Schriftgut eine bekannte Tagesjournalie für 80 Cent ist. Verurteilt werden Zensoren in aller Welt – egal ob China, Nordafrika, Russland. Bei uns gibt es sowas ja zum Glück nicht.

Nein?

Am 13. Juni findet auf dem Schlossinnenhof Osnabrück das „Fairytale Festival“ statt – eine Veranstaltung, die nicht „auf Kommerz“ ausgerichtet ist und vom AStA (dem „Allgemeinen Studierendenausschuss“) der Uni Osnabrück. Klingt soweit toll.

Für dieses Jahr eingeladen war auch die Band „Feuerschwanz“. War.

Ich hab drei Wünsche frei
Doch zwei sind mir einerlei
Denn nur der dritte macht mich Geil
Und ich sag

Bück dich Fee
Bück dich Fee
Bück dich Fee
Bück dich Fee
Denn Wunsch ist Wunsch

Der Song „Wunsch ist Wunsch“ der Band erregte – nicht die Lachmuskeln, sondern den Unwillen von Teilen der Studierenden. Feuerschwanz habe Lyrics, „die absolut sexistisch sind und teils gar von nicht-konsensuellem Geschlechtsverkehr (also Vergewaltigung) handeln“, wie Feuerschwanz in einem Facebook-Beitrag zitiert. Echt jetzt? Im Pressetext des Festivals ist die Band Unzucht gelistet (ein aktuelles Programm war heute leider nicht abrufbar).  Ihr kennt aber den Song „Kleine geile Nonne“ von Unzucht, ja? Ich frag ja nur…

Ja, es gibt viele Bereiche des Lebens, in dem Frauen benachteiligt werden – ich möchte wetten, auch an der Uni Osnabrück sind die allermeisten Reinigungskräfte Frauen und über Subunternehmer angestellt. Frauen beziehen deutlich geringere Gehälter als Männer auf vergleichbaren Positionen. Aber dann „umfangreiche Protestmaßnahmen vor und auf dem Festival“ anzudrohen – laut Stellungnahme des AStA Osnabrück – setzt den Prostestwillen dann vielleicht an der falschen Stelle an, liebe „Kritiker_innen“.

Und jetzt?

Der AStA der Uni Osnabrück hat Feuerschwanz ausgeladen. Die ARGIDA („Autonome Referate gegen Inanspruchnahme der Ausdruckswünsche“) war erfolgreicher als ihre gedanklichen Geschwister in Dresden.

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ (B. Brecht)

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