Fried Okra Band – Auch Männer träumen.

Okra, soviel habe ich inzwischen gelernt, ist irgendein exotisches Gemüse, das ein wenig nach Chilischote mit Kanten aussieht, aber nach Bohnen schmeckt. Gesehen habe ich sowas noch nicht, dazu treibe ich mich wohl in den falschen Läden herum. Welche Musik bringe ich mit einem solchen Gemüse in Verbindung? Keine Ahnung. Trommeln vielleicht. Ich was etwas skeptisch-neugierig, was mich bei Fried Okra Band – Back Into The River erwarten sollte.

Der Sound von Wüste füllt den Raum. Ein Hauch von Elvis, eine Ahnung Jack White, ein Hauch Black Keys umwehen den vibrierenden Tresen. Dies ist das musikalische Territorium, das ZZ top & Co beherrschen. Hier gelten andere Regeln. Staubtrocken ist die Musik, treibend, stampfend, schmeckt nach Whisky, Diesel und Öl. Warum steht an meinem Türrahmen plötzlich ein Typ mit Latzhose und Cowboystiefeln? Dankbar nehme ich einen Zug aus der Flasche, die mir ein Typ mit zerranztem Stetson auf den Tisch geknallt wird.

Die Fried Okra Band spielt genau so von Sehnsucht, Liebe und dem Leben, wie Kerle es brauchen. Unaufgeregt, intensiv. Große Sache ohne großes Gehabe. Ein musikalischer Motivationsschub. Der Typ am Türrahmen hat irgendwo eine Gitarre gefunden. Macht nix, solange er so weitermacht. Die Wände weichen zurück, der Geist wandert, beginnt eine Reise. Ganz schön kräftiges Zeug in der Pulle. Ich entspanne mich.

Der Typ am Türrahmen hat Gesellschaft bekommen. Keine Ahnung wo, aber er hat ein Schlagzeug gefunden. Es rockt. Es rockt sehr bluesig, sehr frontal, sehr relaxed. Die Fried Okra Band versteht ihr Handwerk mit schlafwandlerischer Sicherheit. Während ich mit den Gedanken durch eine ewig weite Landschaft in den nie endenden Sonnenuntergang fahre, singt direkt neben mir so’n Typ davon, worum es im Leben geht und ich nehme noch ’nen Zug.

Dann wird es hell. Ich komme zu mir, sitze in einem etwas randalierten Zimmer, eine zerstörte Kaffeetasse liegt an der Wand, der Fleck darüber erzählt eine eigene Geschichte. Der knistert leise, als sich Metall abkühlt. Eine Jalousie gibt endgültig den Kampf gegen die Schwerkraft auf und gesellt sich zum Schutt, der irgendwann mal eine Einrichtung war. Was zur Hölle ist hier passiert? Sinnierend drehe ich das Cover von Fried Okra Band – Back Into The River in meinen Händen, stehe in Mitten eines Chaos, dass vielleicht auch „Leben“ genannt werden kann und hänge verträumt einem Feeling nach, das Musik lange nicht mehr bei mir ausgelöst hat – schon gar nicht Musik aus Dänemark…

Fried Okra Band – Back into The River ist erscheint in Deutschland am 03.07.2015 bei Target Group

Webseite der Band: http://www.friedokraband.dk/

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