Hanna & Kerttu – Forest Pop ist so gar nicht „Pop“, im Gegenteil

Als gestern Forest Pop von Hanna & Kerttu in der Post war, wäre es völlig untertrieben zu sagen, ich hätte skeptisch reagiert. „Was zur…?“ trifft es eher. Nordic Pop soll auf dem Album sein – was auch immer das sein soll. Der Titel des Albums soll die Musik „perfekt“ beschreiben. So steht es im Begleittext. Okay, skeptisch bin ich noch immer, aber zumindest neugierig genug, um mich auf eine Abrissparty einzulassen.

Den frischen Kaffee in der Hand schubse ich den Player an, rechne mit dem Schlimmsten. Bei dem, was dann meine Ohren erreicht, klappt mir jedoch der Unterkiefer runter: Das ist nicht nur gar kein Pop, das ist außerdem auch noch richtig intelligent gemachte, gute Musik! Mit meiner Idee, einen grandiosen Pop-Verriss landen zu können lag ich ja mal sowas von kilometerweit daneben. Ja gut, man kann das „Pop“ nennen, aber dann sagt man zu Bjork auch „Pop“. Die Musik ist eher experimentell, minimalistisch. Akustische Gitarre und Gesang sind Kern der Musik. Hanna singt, Kerttu spielt Gitarre. Ihre Stimme erinnert mich stark an Bjork, ist aber doch irgendwie ganz anders. Zusammen mit der dezent gespielten Gitarre entstehen fragile Klangbilder, die speziell sind und eine unbestreitbare Faszination ausüben. Kurz gesagt: Das Album ist richtig gut, gar nicht „beliebig“, sondern im Gegenteil, musikalisch anspruchsvoll und mit sehr viel Liebe zum Detail gemacht.

Es ist der minimale Stil, der die Musik hervorhebt und zu etwas Besonderem macht. Die Musik ist beinahe entrückt, oft verträumt, aber auch „speziell“ und manchmal ziemlich schwierig – bei zwei Songs kann ich den Musikern nicht folgen: „MIAOW“ und „Russian Ghost“ passen entweder nicht auf meinen Empfänger und überfordern mich oder ich bin schlicht und ergreifend zu blöd dafür. Dem Rest des Albums gilt aber meine unumwundene Begeisterung. Der vorsichtige Einsatz von Synthesizern und Effekten bereichert das Album, gibt der Musik eine zusätzliche Dimension, die mich besonders bei „Drunken Dancers“ dicke Backen machen lässt: Das ist richtig geiles Zeug! Mehr davon!

Wow – das Wort fasst es zusammen. Forest Pop von Hanna & Kerttu ist eine Überraschung, mit der ich nicht gerechnet habe. Ja, „MIAOW“ und „Russian Ghost“ sind nicht so sehr meins, aber der Rest des Albums ist Klasse. Forest Pop ist ein eher zurückhaltendes Album, das vom Weglassen und vorsichtigen Andeutungen lebt. Es ist ein Album, das Raum braucht, um seine Wirkung und spröde Schönheit zu entfalten.

Hanna & Kerttu – Forest Pop erscheint am 31.07.2015 bei Duchess Box Records

Website von der Band: http://www.hanna-kerttu.com/

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