Israel Nash – Israel Nash’s Silver Season

Israel Nash brachte 2013 Rain Plains heraus, mit dem er für einige Aufruhr in der Americana-Szene sorgte. Das Album war für viele eine Art verlorener Sohn, oder vielleicht sogar der Zwillingsbruder von David Crosbys If Only I Could Remember My Name. Nicht zuletzt deshalb, weil Nash die „Creme de la Creme“ der Westküstenszene darauf versammelte. Namen wie Neil Young, Graham Nash, Jerry Garcia, Phil Lesh, Mickey Hart, David Freiberg, Paul Kantner, Jorma Kaukonen und Grace Slick. Der Erfolg war ein Album, das weder nach CSN&Y, The Dead noch Airplane klang, obwohl doch genau diese Bands aktiv dazu beigetragen hatten.

Aufgrund des Erfolgs von Rain Plains formulierte etliche die Hoffnung, Nash wäre der neue Young und das neue Album, Israel Nash’s Silver Seasons, wird bestimmt wieder einige dazu bringen, so etwas zu behaupten, was ich jedoch anders sehe. Versteht mich nicht falsch: Es geht nicht darum, ob Israel Nash die Qualitäten eines frühen Neil Young hat oder nicht – und er klingt an einigen Stellen dem Neil Young von Broken Arrow oder What Did You Do To My Life verdammt ähnlich. Aber die Musik von Israel Nash ist anders. Seine Band und er bauen eine andere Intensität auf, gestalten eine unglaublich entspannte und auch einfach schöne Klangwelt, die eben nicht rückwärtsgewandt ist, sondern etwas ganz Eigenes schafft.

Silver Seasons ist in gewisser Weise ein Begleitalbum zu Rain Plains, weil es in dieselbe Kerbe schlägt, allerdings mehr Vielfalt mit sich bringt. Mal klingt die Musik beinahe wie einem Western entnommen, mal klingt es, als wären die Beach Boys zu Besuch gekommen. Nash bearbeitet sein weites musikalisches Feld hervorragend. Man kann die Gitarren förmlich aufblühen sehen, getragen von einem antreibenden, aber nicht jagenden Rhythmus, während Pedal Steel Gitarre und Mellotron für die notwendige Exotik sorgen. Und egal wie man es dreht und wendet: Das Fehlen jeglicher Aggression in der Musik ist unglaublich entspannend.

Ja, Silver Season spricht eher spezielle Fans an. Man muss vielleicht schon Americana Musik so richtig mögen, um die ganze Tiefe des Albums aufnehmen und nachvollziehen zu können. Aber selbst die, die mit Israel Nashs Musik eigentlich gar keine Berührung haben, werden mit Leichtigkeit erkennen, dass hier ein Ausnahmekünstler am Werk ist, der vielleicht eine etwas andere, vielleicht sogar spezielle Musik macht, deren Magie man sich aber dennoch nur sehr schwer entziehen kann – eben weil sie so gut gemacht ist.

Israel Nash – Silver Season erscheint am 09.10.2015 bei Loose Music (Rough Trade)

Webseite: http://www.israelnash.com/

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