Laibach – First we take Manhattan, then we take Pyongyang!

Nordkorea, offiziell „Demokratische Volksrepublik Nordkorea“ (DVNK), ist auf meiner musikalischen Landkarte eher als das Land vermerkt, in dem Menschen unter Umständen zum Akkordeon-Spielen gezwungen werden. Alleine das kann ich schon schwer verwinden, aber die DVNK ist auch für allerlei andere befremdlich anmutende Zustände berühmt. Das Staatsoberhaupt steht im Verdacht, Kritiker exekutieren zu lassen. Immer wieder wird nahezu überall von den euphemisch-beschönigend sehr problematischen Zuständen in diesem Land berichtet und niemand kann ernsthaft behaupten nicht davon zu wissen, was da so im Großen und Ganzen abgeht.

Laibach kündigte per Twitter an:

First we take Manhattan and then we take Pyongyang! pic.twitter.com/b5IYJGPNSR
— Laibach Informbiro (@Laibach) 11. Juni 2015

Zuerst Manhattan, dann Pjöngjang? Okay, die Anleihe bei Leonard Cohen durfte schon häufiger herhalten, das ist jetzt nicht so der Knüller. Aber Laibach in Nordkorea? Alleine die Vorstellung ist schon etwas seltsam: Eine Band, die ihren Stil als „militant classicism“ beschreiben lässt, will in einer Militärdiktatur auftreten, deren erklärtes Ziel die „Befreiung“ Südkoreas und die Vereinigung beider Landesteile unter der Führung des Nordens ist. Im Zuge der „Liberation Day Tour“. Bin das jetzt nur ich oder hat das einen seltsamen Beigeschmack?

Das Motiv des Tourposters dürfte gut zu den Vorstellungen der dortigen Machthaber passen und auch der Titel der Tournee passt wohl ganz gut zu den Ideen dort. Laibach schreibt dazu auf der Webseite der Band:

Laibach is going to North Korea! In August 2015, Laibach will perform in the secretive Democratic People’s Republic of Korea. The concerts are currently scheduled for the 19th and 20th of August in Pyongyang. Laibach’s Liberation Day Tour will coincide with the 70th anniversary of the Korean peninsula’s liberation from Japanese colonization and subsequent division into two enemy states. The concerts will also be subject of a documentary film scheduled for premiere in 2016.

Die Konzerte fallen „zufällig“ mit der Befreiung von der Japanischen Besatzung und der darauffolgenden Teilung des Landes zusammen. „In the absence of war we are questioning peace“ heißt es in Laibachs Song „Eurovision“ vom aktuellen Album Spectre und auch Songs wie „Geburt einer Nation“ dürften vom Regime dort mit Leichtigkeit für die eigenen Ziele umgedeutet werden. Die Machthaber in Pjöngjang haben schon mehrfach angedeutet, dass sie generell den Frieden mit dem Rest der Welt eher für einen misslichen Zustand halten, zu dem sie gegen ihren Willen gezwungen werden.

Ich bezweifle, dass an den Konzerten jene teilnehmen werden, die überhaupt die Texte verstehen, von den tieferen Bedeutungen und Implikationen der Texte mal ganz zu schweigen. Die ohnehin umstrittene Positionierung der Band und immer wieder aufkommende Kritiken zu deren Haltung zum Nationalsozialismus lassen gerade jetzt einige Fragen unbeantwortet, weshalb ich nicht weiß, ob das alles eine so gute Idee ist.

http://www.laibach.org

Bild: Laibach / Twitter

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