Leichtmatrose – gefällige Musik mit lyrischem Tiefgang

Schon der Name „Leichtmatrose“ lässt mich eine Augenbraue heben. Andere Künstler und Bands geben mit ihrem Namen irgendeinen Hinweis auf das, was von ihnen zu erwarten ist. Als mir „Jonny fand bei den Sternen sein Glück“ zugeschickt wurde, war ich ratlos. Was ist das? Rock? Pop? Schlager? Emo? Dennoch: Irgendetwas an der Musik verfing. Wer gefällige Musik mit so sperrigen Texten versieht – oder andersherum: Wer solch eingängige Melodien so kantig vertextet, will etwas aussagen.

Mit einiger Zurückhaltung stimmte ich zu, mir das Album von Leichtmatrose – du, ich und die andern anzuhören. Ich mag es, wenn Musik auch mal Anspruch hat. Ich erinnere nur an Joachim Witt – Dom, oder Christine Owen – Little Beast. Leichtmatrose gehört genau in dieses Lager: Musiker, denen um mehr geht, Musiker, die etwas zu sagen haben.

Die Texte auf du, ich und die andern sind auf den ersten Blick alltäglich, fast schon banal, ja, beinahe belanglos. Aber dann kommt der spezielle Touch, der die Songs anders macht, der den entscheidenden Unterschied zwischen Musik von Leichtmatrose und zum Beispiel Achim Reichelt oder Helene Fischer ausmacht. Dieser Unterschied ist schwer zu greifen. Es sind Kleinigkeiten, die aus der scheinbar kuscheligen, fast schon poppigen Musik harte Kost machen.

Die Songs zwingen nicht zum Nachdenken, sie verführen dazu. Es ist nicht das brutale Moralbrett, das Hörern von intelligentem Rap um die Ohren geballert wird (z. B. Wu-Tang Clan, N.W.A., Public Enemy), aber es ist auch nicht dieses selbstverliebte (oder sollte ich besser sagen selbstverzweifelte?) Anklagen einer Welt, die nicht so ist, wie man es gerne hätte (z. B. Weezer, Avril Lavigne), woran aber natürlich nur alle anderen schuld sind.

Leichtmatrose – du, ich und die andren ist vielseitig. Musikalisch ist die Scheibe schwer einzuordnen. Irgendwo zwischen Pop und Elektro-Chanson, vielleicht Singer-Songwriter. Es ist ein Album, das super hörbar ist, das peppig und locker präsentiert Eindrücke aus dem Leben vermittelt, ohne anzuklagen oder mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Es ist ein Album, das mehr zu bieten hat, als „bloß“ Easy Listening Tunes oder gefälligen Elektro-Pop. Es sind gerade die Texte, die im Zusammenhang Leichtmatrose – du, ich und die andren zu einem speziellen und auch besonderen Album machen, das ich jedem empfehle, der von aktueller Musik mehr erwartet, als belangloses Gedudel.

Leichtmatrose – du, ich und die andern erscheint am 07.08.2015 bei Believe Digital / Soulfood

Webseite des Musikers: http://www.leichtmatrose.eu/

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