Mindless Self Indulgence …und der Anfang war „Pink“

Direkt aus den frisch ausgegrabenen Archiven der Historischen Gesellschaft der Mindless Self Indulgence kommt „Pink“: Das unveröffentlichte, „verlorene“ Album von Mindless Self Indulgence. Vorher gab es „Rebel“. Davor gab es „Frankenstein Girls“. Davor gab es „Tight“ – und davor war „Pink“. Der Anfang von Allem, geschrieben von Jimmy Urine in seinen 20ern und produziert von Jimmy Urine in seinen 40ern.

So wird mir das „neue“ Album von Mindless Self Indulgence angekündigt. Ein Album voller Material, lange vor allen anderen Alben geschrieben, und erst jetzt, zwei Jahre nach „How I Learned“ produziert und veröffentlicht. Ich bin unglaublich gespannt, was mich erwarten wird. Manches Material der Mindless Self Indulgence ist selbst mir etwas zu anstrengend modern, aber ich mag die fordernde und herausfordernde Kreativität der Band.

Der Opener „Personal Jesus“ macht mich sprachlos. Mindless Self Indulgence covern? Gut, das Cover ist klasse, um nicht zu sagen, dass ich es für eins der besten „Personal Jesus“ Cover halte, die ich bisher gehört habe. Aber… Ich bin verwirrt. Zumindest bestätigt mir dieser Track, dass ich mir die Depeche Mode Spuren bei Mindless Self Indulgence nicht bloß eingebildet habe. Es scheint da tatsächlich eine „historische“ musikalische Verbindung zu geben.

Dieses Cover ist nicht die einzige Überraschung des Albums. Die Mindless Self Indulgence-Version des Duran Duran Klassikers „Girls on Film“ haut mich schlicht aus den Socken. Generell sind die Ausflüge zu anderen Künstlern bemerkenswert und eröffnen mir ein teils grundlegend neuen Zugang zur Musik der Band. Klar, zwischendurch sind immer wieder Passagen und Stücke dabei, die die Grenzen meiner musikalischen weiter hinaus schieben, die mich dazu zwingen, Musik neu, oder wenigstens anders zu denken. Aber das macht die Musik der Band so spannend.

Manchen Stücken merkt man an, dass sie nicht ganz taufrisch sind und sie bleiben etwas hinter den aktuelleren Alben zurück. Aber sich darüber zu beschweren hieße das Album nicht verstanden zu haben. Es ist gewissermaßen eine Rückschau, eine Zeitreise oder vielleicht auch das Spiel mit Geistern aus der Vergangenheit. Ganz egal wie, das Album ballert wie Hölle und ist ein prima Mittel, um die Nachbarschaft näher kennenzulernen.

Für ein Album, das aus über zwanzig Jahre altem Material bestehen soll, sind die Stücke super aktuell und schubsen ganz lässig einiges an alteingesessener Garde elektrischer und elektronischer Musik mit dem kleinen Zeh aus dem Wasser. Pink ist nicht für jeden geeignet, denn Mindless Self Indulgence setzen schon einen bestimmten Geschmack voraus oder einen bestimmten Umgang mit Musik. Wenn eine oder besser: beide Hürden genommen sind, ist das Album phänomenal.

Mindless Self Indulgence – Pink erscheint am 18.09.2015 bei Metropolis Records

Webseite der Band: http://mindlessselfindulgence.com/

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