Operation: Mindcrime – The Key ist weit mehr als Queensryche 2.01

Als ich vor einiger Zeit die Ankündigung zu Geoff Tates neuem Projekt Operation: Mindcrime las, war ich etwas zurückhaltend begeistert. „Operation: Mindcrime“ von Queensryche ist ein für meine nicht gerade als „Metal Fan“ bekannten Begriffe ein wichtiges und herausragendes Album. Bei der Aussicht auf einen neuen Aufguss des Themas oder gar auf eine „neu eingespielte Interpretation“ hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. In sehr eng umrissenen Grenzen. Die erste Demo machte zwar deutlich, dass das kommende Album kein „lauer Aufguss“ sein wird, aber so richtig geil fand ich das auch wieder nicht.

Ich hatte das Operation: Mindcrime – The Key gar nicht mehr auf dem Schirm. Ich hatte es komplett vergessen. Als es gerade bei mir eintraf, hatte ich einen dieser „Oh…? Ach stimmt, da war ja was!“ Momente. Eine Mischung aus Freude (über ein neues Album), Skepsis (aufgrund meiner Erinnerungen, siehe oben) und purer Neugierde, die mir nun mal eigen ist. Neugierde gewinnt bei mir eh fast immer und darum gibt es direkt das erste Probehören der sozusagen noch „presswerkwarmen“ Scheibe.

Das Album lässt sich Zeit. Es geht nicht Knall auf Fall los, sondern schleicht sich an. Als Egozentriker würde ich sagen „Die trauen sich nicht, die haben Schiss vor mir“, aber ich glaube, das ist nur zur Hälfte richtig. Das The Key fängt einfach zurückhaltend an, baut eine Atmosphäre auf, die ich so überhaupt nicht erwartet habe, die alle meine Befürchtungen entkräftet. Operation: Mindcrime ist mehr als Quensryche 2.01. Viel mehr.

Die Musik rockt. Geoff Tate und seine Mannen arbeiten mit Techniken, die eher aus anderen Musikstilen bekannt sind. Breakbeat im Metal ist überraschend cool. Auch die sich unglaublich lässig anfühlende Atmosphäre, das Feeling von unverkrampftem Spiel kommt super ‚rüber. Die Musik vermittelt den Eindruck, dass die Musiker wirklich spielen wollten, dass sie tatsächlich aus Überzeugung mit ganzem Herzen bei der Sache waren.

Operation: Mindcrime – The Key ist eine überraschende und arschgeile musikalische Reise, die an etlichen Stellen auf ungewohnte Weise andere Größen zitiert, die ich mit Geoff Tate so nun eher nicht in Verbindung gebracht hätte. Das an Bowie erinnerde „Choices“ und das an Faith No More erinnernde „The Stranger“ zum Beispiel. Die angerissenen Stile decken mindestens „klassischen“ Metal, RapMetal, Death/Doom Metal und so weiter sowie diverse Spielarten von Rock ab.

Was sich auf dem Papier wie eine seltsam zusammengekloppte Mixtur liest, klingt auf der Anlage ziemlich abgefahren geil. Operation: Mindcrime spielt extrem gut. Die Professionalität und vor allem Qualität der Musiker im Zusammenspiel ist bestechend und gefällt mir als eigentlich „nicht-wirklich-so-der-Metal-Fan“ wirklich ehrlich richtig gut. Das liegt vor allem an zwei Faktoren: Erstens fehlt das in meinen Augen meist sinnfreie „Gedresche“ und zweitens versaut mir niemand mit seinem mir einfach nur auf den Pinsel gehende endlose Gitarrenwic… äh, ich wollte natürlich sagen überlange Gitarrensoli glänzen durch angenehme Abwesenheit.

Operation: Mindcrime – The Key ist um Längen besser als ich befürchtet habe. Mir gefällt das Album und die Musiker leisten Beeindruckendes. Von selber, aus eigenem Antrieb hätte ich dem Album wahrscheinlich keines zweiten Blickes gewürdigt und zurückblickend muss ich zugeben: Das wäre ein ziemlich großer Fehler gewesen.

Operation: Mindcrime – The Key erscheint am 18.09.2015 bei Frontiers Music srl

Webseite: http://operationmindcrime.com/

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