Paramount: Fuck it, ab jetzt wir streamen selbst.

Wen nervt das nicht? Der Streifen ist aus dem Kino gerade raus und bis man ihn in einer Videothek leihen kann, vergehen gefühlt zwei Ewigkeiten. Wenn er dann endlich irgendwann da auszuleihen ist, dauert es nochmal gefühlt bis zur Erkaltung des Universums, bis sich der Einzelhandel endlich mal bequemt, den Streifen auf BR oder DVD zu verkaufen – nicht selten zeitgleich zur ersten Ausstrahlung in der Spielfilmresteverwertung, dem Fernsehen.

Schon lange ist es ein offenes Geheimnis, dass diese für Filmfans unverständlichen, künstlich aufrechterhaltenen Endlosfristen einer der Hauptgründe für die florierenden Tauschbörsen sind: „Wenn es kein legales Angebot gibt, greift man eben zu einem illegalen“ ist mehr als nur ein geflügeltes Wort. Das Argument der Studios ist, dass Verleihketten und andere „Drittverwerter“ auf diese Fristen angewiesen sind, um wirtschaftlich zu überleben. Seit Breitbandanschlüsse aber selbst in Deutschland zunehmend Realität werden, spüren die Studios zunehmend, wie die Raubkopien ihnen die Luft abdrücken. Gleichzeitig nutzt in Zeiten von YouTube, Netflix, Amazon Prime, Twitch.tv und so weiter kaum noch jemand Videotheken.

Selbst das Argument der Fernsehsender, dass sie ja die wichtigsten geldbringenden Drittverwerter sind, verliert immer mehr an Zugkraft. Eine Umfrage im Auftrag des IT-Branchenverbandes Bitcom hat kürzlich ergeben, dass über 60% der Internetnutzer in Deutschland auf Youtube zurückgreifen. Rund 54% benutzen die Mediatheken der Sender und bereits ein Drittel nutzt Streamingangebote, Tendenz stark steigend. Mehr als 40% der Befragten gaben an, dass sie – während der Fernseher läuft – nebenher im Netz surfen. Vor einem Jahr waren das noch knapp 21%. Aus der sogenannten „werberelevanten Zielgruppe“ der 14 bis 49jährigen nutzen inzwischen über 90% zumindest gelegentlich Streamingangebote.

Paramount hat daraus die Konsequenzen gezogen. Das Filmstudio hat mit zwei großen asiatischen Kinoketten eine Vereinbarung getroffen, die es dem Studio erlaubt, eigene Produktionen bereits vierzehn Tage nach Kinostart für Streaming und Download anzubieten. Die Kinoketten werden an den Umsätzen des Streamings beteiligt, wie das Wall Street Journal berichtet. Paramount Pictures Vize CEO Rob Moor sagte, dass ähnliche Vereinbarungen generell auch mit anderen Kinoketten möglich sind, aber bislang sieht es so aus, als wenn andere Kinoketten an diesem Modell kein Interesse haben.

Paramount geht davon aus, dass durch diese neue vertragliche Vereinbarung mit den Kinobetreibern die Umsätze des Studios deutlich steigen werden, während die der Kinoketten weitgehend unbeeinflusst bleiben. Sollten die Erwartungen zutreffen, werden die neuen Bedingungen auf alle Vertragspartner ausgeweitet. Ein Manager eines anderen großen Filmstudios kommentierte das Vorgehen von Paramount mit den Worten: „Einer musste den Anfang machen.“

(Mit Material von Wall Street Journal, Bitcom, Bild: Paramount Pictures)

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