Timecop1983 – Erinnerungen im Rückspiegel sind näher dran als gedacht

In den 80ern, da war Synthpop eine ganz heiße Nummer. Thompson Twins, A Flock of Seagulls, Ultravox und wie sie alle hießen. Klar, nicht alles die hohe Kunst, die reine Lehre musikalischer Perfektion. Vieles davon hat bis auf den heutigen Tag einfach nur den Auftrag, den Hörer zu erfreuen. Das ist ja eben das Wesen und elementarster Auftrag des Pop: Die Musik soll gefallen. Gerade in den 80ern gab es eine Menge Musik, die mir auf Anhieb gefiel, aus der sich im Laufe der Zeit ganz eigenwillige Vorlieben Entwickelten.

Wer hätte gedacht, dass ich einem Englisch-Referendar meine Neigung zu bestimmten Spielweisen des Grunge und Desert-Rock verdanke? Meine damalige Klassenkameradin Birgitt hat bestimmt genauso wenig Ahnung von ihrem Anteil an meiner Faszination für sphärische Synthie-Musik. Solche wird heute meistens eher im Bereich Deep House, Ambient oder Filmmusik produziert. So richtiges Albenmaterial ist selten und häufig … nunja. Toll geht jedenfalls anders.

Als Sven mich auf Timecop1983 – Reflections ansprach, war ich skeptisch. Mit den paar kurzen, in der Hektik des Büroalltags aufgeschnappten Schnipseln konnte ich wenig anfangen. Aber dann hörte ich eine Passage aus „Don’t Let Go“ und das saß einfach auf den Punkt. Das Album Timecop1983 – Reflections entpuppte sich als kleines Juwel. Songs wie „Drifting Away“ mit ihren wundervollen, endlosen Retro-Drumcomputerläufen, herrlich verträumte, schwebende Synthpop-Balladen wie Wild Love und My First Crush, sie alle lösen ein großartiges Déjà-vu aus, das mich mal eben 20, 30 Jahre zurückversetzt.

Timecop1983 – Reflections ist ein Album für all die, die damals Limal, Real Life und andere angeschmachtet haben. Es ist ein Album, das einer Zeit huldigt, der heute vielleicht noch mit einem wehmütigen „hach ja, damals“ und einem langen Blick in eine unbestimmte Ferne gedacht wird. Es ist ein unaufgeregtes Album, das nicht die Welt verändern will, das nicht die eine große Message an die Gesellschaft richtet. Es ist ein Album, das wunderschöne Erinnerungen wach ruft, das unsere Kids wahrscheinlich niemals so verstehen werden wie wir, die diese Zeit damals miterlebt haben.

Reflections ist ein Album, das einem Blick in den Rückspiegel der eigenen Erinnerungen gleicht. Manche Dinge sind gar nicht so weit weg, wie gedacht und andere sehen durch den Abstand der Jahre ganz anders aus. Gerade deshalb ist es auch ein sehr melancholisches Album, denn spätestens in derzweiten Hälfte des Albums stellt man sich ganz unversehens die Frage, was eigentlich aus diesem oder jener Bekannten geworden ist und wo ist eigentlich dieses eine Album hin, das man damals… Oh mein Gott, das hab ich ja auch noch! Ach… guck an. So hieß die damals? Wie hieß noch der Typ mit dem die damals zusammen war? Hab ich eigentlich noch n Bier?

Timecop1983 – Reflections erscheint am 03.07.2015 bei NRW Records

Webseite (Facebook): https://www.facebook.com/timecop1983

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