Gazpacho – Molok: Konzepte, die Gedanken bewegen

Molok – Schwer zu fassen, toll und bedrohlich

Ein Bekannter schob mir Gazpacho – Molok unter. An sich nichts ungewöhnlich, wenn man zusammen hockt und über Musik schwafelt. Ob ich die Norweger denn kenne. Nein, kenne ich nicht. Himmel, ich gebe mir ja Mühe, aber ich kann doch nicht alles kennen. Er half mir auf die Sprünge. Gazpacho sind gut zwanzig Jahre im Geschäft, haben etliche Alben gemacht und lohnen sich. „Aha“, dachte ich mir, während er an meiner Anlage herumfummelte.

So saß ich dann die nächsten Stunden auf dem Sofa, tauchte ein in eine Welt, die Gedanken unweigerlich wandern lässt. Ich tauchte ein in die Welt von Gazpacho, ließ mich treiben. Hin und wieder drangen durch den Schleier Satzfetzen, wie aus weiter Ferne. Sätze wie „Ohme hat eine der besten Gesangsstimmen der Progressive-Szene“ und „Alle Alben von Gazpacho sind Konzeptalben“ blieben hängen.

Eine reiche, komplexe und faszinierende musikalische Welt offenbarte sich mir mit Gazpacho – Molok. Stilistisch nicht unbedingt das Neueste vom Neuen. Progressive Rock eben, aber aus der Oberliga. „Molok“ setzt zwar vielleicht keine Maßstäbe, aber für etliche Bands kann es durchaus ein Maßstab sein. Die Band greift immer wieder auf Folk und Folklore zurück und macht daraus ein Gesamtkunstwerk, das für sich steht, das keinen Vergleich scheuen muss.

Vergleiche und Blicke über den Zaun

Gazpacho – Molok braucht keinen Vergleich. Die Musik ist sich selbst genug. Sie versucht nicht „zu sein wie…“ oder „baut auf dem Werk von XY auf…“ Das Album ist speziell, schon wegen der verarbeiteten Themen. „Molok“ versucht Religion zu zeigen, die Vielfalt der Konzepte darin. Aber Gazpacho will nicht bekehren oder überzeugen. Darum geht es nicht. „Molok“ ist ein Blick über den Zaun.

Auf der anderen Seite des Zauns sind Konzepte zu sehen. Brüderlichkeit, Standhaftigkeit, Vertrauen. Ideale und Ideen, die sich nicht beweisen müssen, um wert zu haben, gültig zu sein. Gleichzeitig – und das finde ich wahnsinnig spannend – stellt Gazpacho die schlichte Tatsache in den Raum, dass in fast jeder Religion „Gott“ in einem steinernen Gefängnis angebetet wird: Ob Kathedrale, Synagoge, Moschee, sie alle sind steinerne Monumente, die abgrenzen, einsperren, gefangen halten. Warum? Aus Angst, er könnte zurückkehren? Wer soll vor was geschützt werden?

Mehr als genug Stoff zum Nachdenken. Getragen durch Musik, die diesen Gedanken Nahrung liefert, sie befördert, aber keine unmittelbare Richtung vorgibt. „Molok“ ist norwegisch für „Moloch“, das wiederum Symbolwort für ein alles verschlingendes Ungetüm ist, eine universelle Bedrohung. Diesen Aspekt transportiert Gazpacho auf „Molok“ durch immer wiederkehrende nachdenkliche Passagen, dunkle musikalische Elemente.

Das für mich Bemerkenswerte an Gazpachos Kompositionen auf „Molok“ ist das Fehlen des Gefühls von Depression oder Niedergeschlagenheit. Die Musik transportiert das dumpfe, schwammige, schwer zu definierende Gefühl einer unbestimmten dunklen Bedrohung in sich, die mich in dieser Form magisch anzieht, meine Neugierde anfacht, dafür sorgt, dass ich mir Fragen stelle.

Gazpacho – Molok ist erschienen am 23.01.2015 bei Kscope

Webseite von Gazpacho: www.gazpachoworld.com

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