Hanne Kolsto – While We Still Have Light

Indie-Pop mit Extras

Hanne Kolsto hat es vier Alben lang geschafft, vollkommen an mir vorbei zu gehen. Tut mir echt leid, aber ich hatte die Dame nicht auf dem Schirm. Ich kenne zwar LO:FI, wo sie mal mitgemacht hat, aber das ist richtig lange her. Für die, denen das nichts sagt: Das war was mit Indie und Electro. Vor Deiner Zeit. Wie auch immer, jedenfalls liegt hier jetzt „While We Still Have Light“ im Player und ich bin … ja, was bin ich eigentlich?

Begeistert? Fasziniert? Verstört? Motiviert? Nachdenklich? Irgendwie alles gleichzeitig und doch auch wieder nichts davon. Die Musik von Hanne Kolsto fordert mich einerseits heraus, weil sie anders ist, aber gleichzeitig ist sie vertraut. Nicht etwa so, als wenn ich das alles schon mal gehört hätte, so nicht. Auf einer eher emotionalen, intuitiven Ebene kann ich die Musik nachfühlen und nachvollziehen. Was Hanne da produziert hat, löst in mir ein Echo aus, ein Gefühl des „Ja, genau. Recht haste.“

Die Musik ist mal melancholisch, manchmal ein wenig schwermütig, jedoch ohne dieses Gefühl von „die Welt ist insgesamt total doof“. Dann ist die Musik wieder leicht, tanzend, durchweg positiv. Das Album spricht insgesamt das Positive Denken an, die Hoffnung darauf, dass das alles schon irgendwie wird. Die Musik trägt dieses unbestreitbare Gefühl von Hoffnung in sich, das Dichter gerne mit einem Sonnenstrahl vergleichen, der durch die Wolken bricht. Dann ist die Musik wieder beinahe verstörend aufgewühlt, unruhig, fragend. Die Mischung löst bei mir eine faszinierende Kombination aus einander widersprechenden Eindrücken und Gefühlen aus.

While We Still Have Light

Hanne Kolsto – While We Still Have Light ist gleichzeitig schwierig und doch ganz einfach. Es ist wahnsinnig schwer, die komplexen Songs mit wenigen Worten zu beschreiben. Zu viele Elemente werden in den Songs miteinander verwoben, als das ich ihnen mit ein paar wenigen Zeilen gerecht werden könnte. Über jeden einzelnen Song könnte ich eine Geschichte für sich schreiben. Beim Hören dieses Albums ist das aber alles ganz einfach, selbsterklärend, stimmig und offensichtlich.

Hannes sanfte Stimme und die manchmal brachialen Kompositionen stehen in hartem Kontrast zueinander, ergeben aber ein in seiner Komplexität wunderschönes Ganzes. While We Still Have Light gräbt tief in den Möglichkeiten, wie elektronische Parts (erwähnte ich LO:FI?), wuchtig-breite Instrumentierungen, fast schon minimalistischer Rock und die beinahe gespenstische Wirkung von Hannes Stimme immer wieder neu kombiniert werden können.

Grenzen austesten

Hanne Kolsto – While We Still Have Light deckt ein weites musikalisches Feld zwischen beinahe eingängigem Pop-Rock (z. B. „I Hate You Don’t Leave Me“) und faszinierenden Rock-Breakbeat-Indie-Singer-Songwriter-Experimenten (z. B. „Bordermind“) ab und geht an Grenzen heran, die manchmal anstrengend – weil ungewohnt – sind. Auch wenn sich das jetzt vielleicht nicht so anhört, aber durch die Musik zieht sich ein roter Faden, der die Songs miteinander verknüpft, der das Album im Innern zusammenhält, Musik und Album aus sich selbst heraus erklärt. Es ist in sich stimmig und rund. Und es ist richtig gut.

Hanne Kolsto – While We Still Have Light ist erschienen am 22.01.2016 bei Jansen Plateproduksjon / Broken Silence

Webseite von Hanne Kolsto: http://hannekolstoe.com/

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