Holy Fuck – Congrats

Tanzbare elektronische Musik mal ganz anders

Holy Fuck – Der Bandname ist schon Provokation pur. Die Musik ist nicht weniger weit außerhalb der Norm und ich muss mir die Musik dieses Albums im wahrsten Sinne des Wortes erarbeiten, denn einfach ist das, was die vier Jungs aus Kanada hier abliefern nicht. Im Gegenteil. Es ist eine Herausforderung, ein hingeworfener Fehdehandschuh, ein Schlag ins Gesicht und es ist richtig gut – und verdammt schwer in Worte zu fassen.

Das vierte Album der kanadischen Band Holy Fuck – Congrats ist zwar eine Kombination aus Rock (und zwar aus ziemlich vielen Spielarten des Rock) und elektronischer Musik in seiner grundsätzlichsten und gleichzeitig auch populärsten Form, aber die Band gibt sich alle Mühe, außerhalb aller gewohnter Bahnen zu denken. Die Musiker benutzen zwar auch „normale“ Instrumente, aber sie verwenden keine Laptops oder vorprogrammierten Tracks für ihre elektronisch klingenden Effekte. Auch Loops und Splices, völlig normale Techniken in der elektronischen Musik, benutzt diese Band ausdrücklich nicht. Trotzdem klingt Congrats immer wieder so, als würde die Band genau das eben doch machen, wenn da nicht diese klitzekleine Unstimmigkeit wäre, die ständig das Hirn auf Trab hält und verhindert, die Musik in eine jener vorgefertigten Schubladen zu stecken.

Es fällt schwer durch reines Zuhören zu erkennen, was echtes Instrument und was irgendetwas Anderes ist, weil die Band intensiven Gebrauch von lo-fi Distortion und Saturisation macht. Von verstehen wie Holy Fuck das hinbekommt, was die Band da veranstaltet, will ich gar nicht erst reden. Egal wie die Jungs machen was sie da machen, es gibt der Musik einen gefälligen, abstrakten, rohen und harmonischen Klang, dessen Ursprung wahrscheinlich alles sein kann, Gitarre oder Kochtopf. Wirklich verwirrend ist aber, dass das gar keine Rolle spielt. Es ist völlig egal, was die Band da als „Instrument“ benutzt, denn die Musik ist richtig gut. Sie funktioniert auf so vielen Ebenen, dass die David Guetta Fangemeinde genau deshalb diese Musik nicht hören wollen wird, weil diese Band ohne Laptop und Plugin jeden Szene-DJ nicht einfach nur vorführt, sondern alleine dadurch deklassiert, das sie ohne großes Trara zeigt, worin der Unterschied zwischen „elektronische Musik selber machen“ und „elektronische Musik machen lassen“ genau besteht.

Das Problem ist allerdings, dass die Musik in sich ziemlich komplex und verworren und gleichzeitig doch ganz einfach ist. Das Gehirn hat jede Menge damit zu tun, diesen akustischen Dschungel zu lichten und sich darin zurecht zu finden. Auch mit diesem Konzept macht es die Band einem nicht gerade leicht, die Musik zu beschreiben. Congrats lässt sich mit „Electro Dance Punk“ oder vielleicht „Post Dance Rock“ gleichzeitig punktgenau und nichtssagend beschreiben. Die Musik ist speziell, innovativ und enorm kreativ und doch erinnert das Werk durch die vielen in sich vereinten Stilelemente an anderes, das man vielleicht schon irgendwie kennt, auch wenn vielleicht in dem Augenblick gerade nicht klar ist, woher. Letztendlich bleibt mir wenig Anderes übrig als zu sagen, dass „Congrats“ ein Album ist, das sehr kreativ und sehr gut, aber auch sehr stark Geschmackssache ist.

Genau deshalb mag ich das Album. Die Band tut Dinge, die viele andere auch tun, nur völlig anders. Sie lässt Sound ganz einfach und ganz eingängig erscheinen und der erste Verdacht „ah, Sampler…“ liegt nahe, aber genau das ist es eben nicht. Die Musik hat etwas Verstörendes an sich, etwas so gar nicht Gefälliges, das im starken Kontrast zu den eingängigen und gefälligen Melodien der Band steht. Fängt man aber an sich mit der Musik auseinander zu setzen, sie zu analysieren, erklärt sich der Name der Band von selbst: Holy Fuck!

Holy Fuck – Congrats erscheint al 27.05.2016 bei Innovative Leisure

Offizielle Webseite von Holy Fuck

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