Tiles – Pretending 2 Run

Detroit, Rock City

Tiles – da war doch was. Vor Jahren hatte ich ein Album der Band in Händen und war von der Musik gelinde gesagt beeindruckt. Progressive Rock, mit deutlicher Betonung von Rock, grob in der Nähe zu Rush und reichlich geil. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, welches Album es war und so richtig auf dem Radar hatte ich die Band dann auch nicht mehr. Das könnte auch daran liegen, dass die Band aus der Rock- und Motor-City Detroit (USA) seit acht Jahren kein Album veröffentlicht hat.

Die ehemalige Autostadt Detroit hat eine phänomenale Musikszene, die etliche Größen hervorgebracht hat, aber auch ungezählte weniger bekannte Musiker. Tiles gehören in beide Kategorien: Sie sind erschreckend unbekannt, obwohl sie eine echte Größe sind. Warum die Band bis es jetzt noch nicht so richtig geschafft hat, im großen Stile wahrgenommen zu werden? Vermutlich, weil Progressive-Rock etwas… nunja, weit weg vom Mainstream ist. An der musikalischen Qualität der Musik liegt es jedenfalls nicht.

Pretending 2 Run

Als ich mir vorhin „so nebenbei“ Tiles – Pretending 2 Run auflegte, war das Party pur. Wackelnde Wand und so. Ihr kennt das. Das zwei CDs umfassende Opus Magnum der Band tastet sich vorsichtig an die anderen Grenzen des Progressive Rock heran, nämlich an die zum Hard-Rock und auch die zur Klassik, ein Spektrum, das intellektuell einiges abverlangt und damit bei mir alle Register zog, die irgendwie zu ziehen sind. Das Album deckt eine großartige Spannweite ab, die nicht nur verschiedene Stile, sondern auch verschiedene Epochen durchstreift.

Acht Jahre war es still um die Band, die jetzt ein wahres Opus Magum veröffentlicht: Retending 2 Run ist eine Doppel-CD, auf der die Band mit einigen bekannten Gästen zeigt, was sie in der Zwischenzeit gemacht hat und wo sie musikalisch steht. Die Gästeliste ist beinahe ein „Who-is-Who“ des Progressive Rock. Mit dabei sind unter anderem: Ian Anderson (Jethro Tull), Mike Portnoy (Dream Theater, Winery Dogs), Adam Holzman (Steven Wilson), Mike Stern (Miles Davis), Kim Mitchell (Max Webster), Colin Edwin (Porcupine Tree), Kevin Chown (Tarja Turunen, Chad Smith), Max Portnoy (Next to None), Matthew Parmenter (Discipline), Mark Mikel (Pillbugs) und Joe Deninzon (Stratospheerius).

Film ab… Ton läuft

TilesDabei ist Pretending 2 Run nicht einfach eine Werkschau, sondern eher ein akustischer Film, der sich nach und nach im Kopf entfaltet. Sich der fast magischen Wirkung zu entziehen, ist beinahe unmöglich. Die Bilder sind einfach da und die nehmen Dich mit. Was für ein Film da in Deinem Kopf abläuft, entscheidet Deine Fantasie, aber Tiles schaffen dazu eine grandiose Leinwand und füllen sie mit immer wieder anderen Schattierungen von Licht und Farben.

Mal träumt die Musik, schwebt, schleicht beinahe durch einen nebeligen Halbschatten, mal galoppiert die Band entfesselt drauflos und rockt was das Zeug hält. Die Übergänge sind dabei genial gestaltet, durchbrechen nicht etwa die Linie, vielmehr ist es ein permanentes auf und ab des Spannungs- und Stimmungsbogens, der sowohl das Melancholische, wie auch das Begeisterte, Licht und Schatten eben, gebührend durchzieht und Dich dabei mitnimmt.

Ja, Tiles – Pretending 2 Run ist keine leichte Kost. Ja, die Musik ist manchmal richtiggehend schwierig und anstrengend. Aber sie wird auch immer wieder so wundervoll einfach präsentiert, dass die dahinterstehende Komplexität erst auffällt, wenn sie sich langsam auflöst und Dich eher dadurch verblüfft, dass Tiles hier etwas machen, was weit jenseits des alltäglichen passiert und schon rein technisch mindestens atemberaubend ist.

Tiles – Pretending 2 Run ist erschienen am 15.04.2016 bei Laser’s Edge / Alive

Offizielle Webseite von Tiles

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Tiles “Shelter in Place” (Official Video)

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