TotalBiscuit hört mit Social Media auf

John Bain TotalBiscuit

Eine emotionale Verabschiedung

John „TotalBiscuit“ Bain ist vielen Gamern ein Begriff. Seine Let’s Play Video Serie „WTF is…“ ist eine der international bekanntesten und erfolgreichsten. Er ist bestimmt nicht der erste, der mit den sozialen Medien seine Probleme hat, umso mehr, je berühmter er wurde. Was viele nicht wissen: John hat Krebs und die Diagnose ist nicht gut. Seine Nachricht, warum er aufhört, geht an die Nieren und ist absolut verständlich.

John machte seine Erkrankung 2014 bekannt. Obwohl er in Behandlung ist, machte er im Oktober 2015 bekannt, dass der Krebs inoperabel ist. Die durchschnittliche Lebenserwartung mit dieser Form Krebs liegt bei zwei bis fünf Jahren.

In den letzten Tagen sagte John öfter, wie sehr es ihn erschöpft, wie seine Arbeit auf Redit und anderen Plattformen diskutiert und kritisiert wird. Entgegen seiner Popularität macht John immer den Eindruck, dass es ihn sehr interessierte, was die Leute über ihn dachten. Allerdings sieht es so aus, als wenn er dazu den notwendigen Abstand nicht halten konnte. Am Ende hatte das unmittelbare Auswirkungen auf seine geistige Gesundheit.

Auf Soundcloud machte er seine Entscheidung und seine Gründe bekannt. Im Anschluss an unsere Übersetzung ist sein Statement im O-Ton eingebettet.

TotalBiscuits Worte

„Nun, Ihr habt das wahrscheinlich schon oft gehört, aber vielleicht ist es jetzt wirklich soweit, dass es passiert. Ich bin durch mit sozialen Medien. Ich hab genug. Es reicht.
 
Schau, lasst uns ehrlich sein über das, was wirklich in den nächsten Jahren passieren kann. In ein paar Jahren könnte ich wahrscheinlich tot sein – zwei bis drei Jahre (Lebenszeit) im Durchschnitt werden mir für diese spezielle Form der Krankheit gegeben. Ich habe vor, das um einiges zu überleben, aber wenn dies die letzten paar Jahre meines Lebens sind, dann will ich die nicht damit verbringen, mich scheiße zu fühlen. Und wenn das bedeutet, dass ich mich von allen trenne, dann ist das eben so.
 
Meine Familie wird zuerst kommen, meine verdammte geistige Gesundheit wird als erstes kommen. Die Erwartung, dass jeder, der es jemals im Internet geschafft hat, permanent mit allen seinen Fans in Verbindung stehen muss, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, ist reiner Wahnsinn. Das macht keinen Sinn. Niemand kann das schaffen. Niemand. (seufzt) Gott. Ihr habt keine Ahnung, wie viele meiner Freunde wegen dieses Jobs in Therapie sind.
 
Ich weiß sogar ganz genau, was Ihr sagen werdet. Ich weiß, was die verdammten Neinsager sagen werden. Ihr werdet Euch umdrehen und mir erzählen „ah, Du wirst schon zurückkommen.“ Klar, vielleicht. Ich könnte – weil ich einen an der Waffel habe, wie ich schon mehrfach erklärt habe. Das ist ein Problem. Es ist eine Besessenheit. Aber ich muss es zumindest ernsthaft versuchen, damit aufzuhören. Dies ist der einzige Weg, den ich kenne, denn ich habe alle anderen Wege ausprobiert. Ich versuche das seit Jahren. Es funktioniert nicht. Ich hab genug.
 
Ab sofort ist mein Twitter-Account in Händen von Chris und er hat die strikte Anweisung, mich nichts posten zu lassen. Wenn ich ihm sage, dass er etwas posten soll, wird er es nicht tun. Ihm wurde gesagt, Videos hochzuladen, Ankündigungen zu machen, die Leute auf anstehende Events hinzuweisen, aber das ist alles. Danach wird Soundcloud erledigt. Ich gebe ihm die Kontrolle über die Soundcloud – damit bin ich dann auch durch. Es wird keine weiteren privaten Soundcloud Audio Blogs von mir geben. Diese Soundcloud existiert ausschließlich, um die Podcasts und die Audio-Versionen meiner Youtube-Inhalte zu präsentieren, nicht mehr.
 
Ich will auf gar keinen Fall – unter keinen Umständen – mit dem Internet im weiteren Sinne außerhalb meiner Arbeit in Kontakt kommen. Ich will das nicht mehr. So wird das in Zukunft laufen: Es wird Youtube Videos geben und Streams. Wenn ich könnte, würde ich wahrscheinlich den Chat in meinem Stream abschalten, aber ich glaube zumindest, dass das meistens im Rahmen bleibt und ich wahrscheinlich damit umgehen kann. Wir werden sehen. Das wird wahrscheinlich auf zum Teufel gehen, oder?
 
(seufz) So sieht es aus. Ich würde meinen Twitter-Account auf der Stelle löschen, wenn ich könnte. Ich kann nicht. Aus rechtlichen Gründen kann ich das nicht. (lachen) Ich muss diesen Twitter-Account für meinen Youtube-Channel betreiben und wegen meiner Sponsorenverträge. Wegen der vertraglichen Vereinbarungen muss er existieren. Ich kann ihn nicht loswerden. Das einzige, das ich tun kann, ist sicherzustellen, dass ich niemals etwas dort posten kann. Ich hoffe, wenn ich nie dort poste, dass ich auch kein Verlangen danach habe, die Antworten dort zu lesen und es wird sehr viel schwerer für mich das zu sehen.
 
Folgendes wird passieren. Ich werde Youtube-Videos machen und Ihr könnt eine von zwei Dingen tun: Ihr könnt sie Euch ansehen oder Ihr könnt es lassen. Das ist Eure Sache. Wenn ich dadurch eine Menge Geld verlieren werde, weil die Leute glauben, sie müssten im direkten Kontakt mit mir sein, weil sie sonst nicht wertschätzen können, was ich mache, dann ist das eben so. Ich werde glücklicher sein. Geld ist toll, aber es kann mich nicht aus dieser Lage freikaufen… was auch immer diese Lage ist. Das Geld hat nicht geholfen. Was Ihr bekommt ist Content und das war’s. Habt Spaß damit oder nicht – Eure Sache. Ich übergebe diese Soundcloud jetzt an Chris, also wird dies das letzte Mal sein, dass ich hier poste. Ich weiß, was jetzt passieren wird.
 
Die üblichen Leute werden aus ihren Löchern kommen und sagen „ach, Du kannst einfach nur nicht mit Kritik umgehen!“ Und den ganzen Mist. Ok! Prima. Kann ich akzeptieren. Ich kann mit Kritik nicht umgehen. Ich sterbe an unheilbarem Krebs. Ich denke nicht, dass ich Eure Kritik an mir im Internet lesen muss. Ich glaube, dass ich länger leben werde, wenn ich das nicht mache. Und wisst Ihr was? Darum sollte es in erster Linie gehen. Ich will meine Frau und meinen Sohn nicht hinter mir zurücklassen. Ich will das einfach nicht. Ich will meine Freunde nicht hinter mir zurücklassen. Ich will meinen Job nicht hinter mir zurücklassen. Ich will meine Haustiere nicht hinter mir zurücklassen. Ich will meine Familie nicht hinter mir zurücklassen. (pause) Nein. Wenn das der Preis ist – dass ich Euer Feedback nicht lese? Oder dass ich Eure Kritiken berücksichtige? Ich weder diesen Preis zahlen. Ich werde ihn mit Freuden zahlen.
 
Dies ist mein verdammtes Leben und was davon übrig ist und ich werde mir die Kontrolle darüber zurücknehmen. Tut mir leid, wenn das Leute enttäuscht. Ich weiß, dass die große Mehrheit von Euch ziemlich cool sind und dass Ihr das Level der Interaktion mögt, aber wenn dies die letzten Jahre meines Lebens sein werden, dann werde ich versuchen sie so zu leben, dass ich mich dabei nicht schlecht fühle. Ich habe schon jetzt zu viel Mist auf dem Tisch. Ich brauche nicht noch mehr.
 
Die große Mehrheit von Euch schätze ich jeden Tag sehr. An Euch richtet sich mein Dank am Ende des Begrüßungsvideos. Ihr lasst mich meinen Traum leben und ich bin Euch sehr dankbar dafür. Ich werde jetzt zurück an die Arbeit gehen. Bis bald.“
(John „TotalBiscuit“ Bain, Soundcloud)

Wir wünschen John viel Kraft und alles Gute für die Zukunft.

HIer sein Statement im O-Ton:

TotalBiscuits Youtube-Channel: https://www.youtube.com/user/TotalHalibut

KEINE KOMMENTARE