Bush – Black And White Rainbows

Erstes Album nach der Trennung

Gavin Rossdale und seine Band Bush haben sich dank Songs wie „All My Life“, „Gycerine“, „Be Still My Love“, „Machinehead“, „Loneliness Is A Killer“ und vielen anderen einen sicheren Platz in meiner Musiksammlung erobert. Das 2011 erschienene „The Sea Of Memories“ lief bei mir wochenlang rauf und runter. Doch dann griff Gavin daneben und hatte eine Afäre mit dem Kindermädchen. Seine Ehefrau seit 20 Jahren, Gwen Stefani, reichte 2015 die Scheidung ein. Es muss eine harte Zeit für ihn gewesen sein. Das neue Album „Black And White Rainbows“ macht das deutlich.

Viel Kritik musste Rossdale einstecken für das Album. Von „viel zu poppig“ bis hin zu „belangloser Mist“ reichten die Kritiken. Das hat mich abgeschreckt und deshalb ließ ich das Album liegen. Mancher ging gar so weit zu sagen, dass Creed im Gegensatz zu Bush wenigstens noch Bums in ihrer Musik hätten. Das fand ich dann doch etwas hart und ich setzte mir das Album auf die Liste. Mal in Ruhe reinhören und sich selber ein Bild machen.

Black And White Rainbow ist kein Hardrock-Power-Schub-Album. Es ist kein Party-Album. Es ist sentimental und sehr gefühlvoll. Wenn Männer ihre sentimentale Seite zeigen, wenn sie sich auf wie ein junger Hund den Rücken legen und ihr Bauchfell zeigen, dann geht es nicht um Party. Black And White Rainbows ist genau das: Es ist ein Musik gewordenes „Es tut mir leid. Ich hab Mist gebaut.“ Die Musik trägt genau die Emotion in sich, die ein Mann kennt, der selbst schon eine große Liebe verloren hat. Es ist Musik aus der Phase, wenn die erdrückende Niedergeschlagenheit jenem unwirklich schwebenden Gefühl weicht, das aus der Erkenntnis erwächst, dass entgegen aller Wahrscheinlichkeit das Leben doch irgendwie weitergeht.

Es sind vorsichtige erste Schritte, die Gavin und Bush gehen. Black And White Rainbows ist ein Herantasten, ob man schon wieder soweit ist, ob man im Kopf schon wieder Raum für andere Dinge hat, als Schmerz und Trauer. Das Album ist eher ein Lebenszeichen. Es ist melancholisch, keine Frage. Auch die zum Teil für Bush ungewohnt schwülstigen Züge sind unbestreitbar. Aber genau SO fühlt ein Mann (ja, zwei „n“) sich eben an einem gewissen Punkt. Das zu verstehen setzt wahrscheinlich ein „been there, done that“ voraus. Mir ging es jedenfalls so.

Been There…

Während ich das Album höre denke ich mir immer wieder: „Ja, DAS Gefühl kenne ich“, hebe mein Glas und proste ihm zu. Ich spüre und glaube zu verstehen, was in dem Mann vorgeht, was er durchmacht. Die innere Zerrissenheit, das Gefühl von Verlust und Haltlosigkeit, das Bedauern und der Wunsch, all das wäre irgendwie nicht geschehen, sind omnipräsent und werden verdammt glaubwürdig rübergebracht. Dieses Gefühl der unsicheren Schwebe am Rande eines endlosen Abgrunds gähnender Dunkelheit, das Dich in dieser äußerst verwundbaren Phase begleitet, in der Du versuchst, irgendwie die Beine wieder auf die Erde zu bekommen, spricht aus vielen Songs – und ich kenne dieses Gefühl nur zu gut.

Wenn harte Männer melancholisch und sentimental werden und in dieser Stimmung Musik machen, dann entsteht daraus oft ungewöhnliches Material. Aber Musiker sind eben auch nur Menschen und das gilt eben auch für Gavin Rossdale. Ich finde es bewundernswert, dass seine Band ihm zur Seite steht, ihn trägt, ihm dabei hilft, diese alles andere als einfache Phase seines Lebens zu bewältigen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist Black And White Rainbows ganz bestimmt kein schlechtes Album. Der Sound ist typisch Bush, das Album ist halt nur an den Ecken und Kanten mit etwas mehr Watte gepolstert. Songs wie zum Beispiel „Dystopia“ und „Peace-S“ zeigen aber, dass es doch vorwärts geht, in kleinen Schritten zwar, aber es geht vorwärts.

Bush – Black And White Rainbows ist erschienen am 10.03.2017 bei Zuma Records / Caroline Records

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