NAP – Villa

Das Gute wohnt manchmal nebenan

Fast jede Musikrichtung leidet im Moment unter einer spürbaren Inflation des Ähnlichen, um nicht zu sagen des Gleichen. Viel ist austauschbar, nichts sagend, sogar belanglos. Ein Blick in die Charts zeigt das Drama in seiner ganzen Pracht. Nicht etwa, dass die Bands oder Künstlerinnen und Künstler schlecht wären. Ganz im Gegenteil. Die meisten sind sogar außerordentlich gut, einige sogar herausragend. Dennoch leidet die Musik aktuell unter einer fatalen Schwemme von Weichspüler- und Fahrstuhlmusik auf der einen und „das klingt so wie…“ auf der anderen Seite. Bemerkenswerte Veröffentlichungen, die sich von dieser gleichklingenden Masse absetzen, sind rar. Im Gespräch höre ich immer wieder „es bräuchte mal wieder sowas wie Nirvana“.

Selbst mir fällt es schwer, im Wust der Neuveröffentlichungen die Perlen zu finden, die Bands, die sich quer stellen, die ihr eigenes Ding machen. Gerade deshalb verliere selbst ich leicht das Geschehen in meiner unmittelbaren Umgebung aus den Augen. Auf dem Stadtfest vergangenen Herbst erlebte ich zufällig eine Band, deren Musik mich damals sehr ansprach: NAP. Live gehört, für toll befunden – und wieder vergessen. Monate später wurde ich wieder an diese Band erinnert und nahm mir fest vor, dieses Mal am Ball zu bleiben. Das Leben passierte und ich habe es wieder verbaselt.

Arne wies mich freundlich darauf hin, dass wir vor einiger Zeit ausgiebig über diese Band aus Oldenburg gesprochen hatten und fragte mich etwas entrüstet, warum ich denn bitteschön nichts über deren Erstlingswerk zu sagen habe. Schuldbewusst verkroch ich mich in mein Allerheiligstes. Bewaffnet mit Kaffee und CD schloss ich mich ein, verbannte alle Ablenkung aus meiner unmittelbaren Umgebung und legte Villa, das Debütalbum der Band auf. Ursprünglich wurde das Album als auf 200 Stück limitierte Scheibe im Juli 2016 veröffentlicht. Doch Noisolution war der Meinung, dass 200 etwas wenig sei und so erschien Villa von NAP jetzt noch mal im großen Rahmen auf CD, MP3 und Vinyl.

Was ist NAP?

Die Musik von NAP (Bass, Gitarre, Schlagzeug hin und wieder sogar Gesang) entzieht sich charmant einer Festlegung auf ein Genre. Ganz weit gefasst ist das Rock. Aber. Im Detail findet sich in der Musik der Band Psychedelic, Prog, Country, Space, Stoner, Blues, Jam, Noise, Doom, Retro und hin und wieder sogar Gesang. Eine Festlegung auf ein einzelnes Genre wird der von NAP Musik nicht gerecht. Und selbst wenn: Die Wirkung der Musik lässt sich durch die Fixierung auf ein Genre ganz bestimmt nicht vermitteln. Die Musik ist auf ihre Art frisch und klingt unverbraucht und doch auch oldschool. Mal rockig, mal melancholisch und verträumt. Straffe Gitarrenjams bringen die Musik immer wieder auf Kurs, verhindern, dass die Songs ausfransen, sich die Musik verzettelt. Exkursionen in verschiedene Rock-Sub-Genres lockern den Stil erfrischend auf.

Ob NAP – Villa wirklich innovativ ist, ist schwer zu beurteilen, aber die auf Villa präsentierte Vielfalt ist in dieser Form der musikalischen Rundreise zumindest im Augenblick alles andere als alltäglich und es ist vor allem richtig geil gemacht! Villa ist ein Album, das angenehm druckvoll, unverkrampft und mit bemerkenswerter Chuzpe rüberkommt. Die Respektlosigkeit, mit der das Trio sich in verschiedensten Stilen austobt und je nach Bedarf die Richtung ganz nach eigenem Belieben schlagartig wechselt, gefällt sehr. Zwar ist dem Album hier und da doch anzumerken, dass die Band noch eher am Anfang ihrer Kariere steht, aber angesichts dessen, was mir zurzeit sonst so alles auf den Tisch gelegt wird, sind NAP pures Gold und eine Wohltat für die Ohren.

NAP – Villa ist nicht nur wegen seiner stilistischen Vielfalt bemerkenswert. Dazu kommt auch, dass jeder der Songs für sich nicht einfach nur funktioniert, sondern richtig gut ist. Ein einzelnes Highlight zu benennen fällt mir bei diesem Album schwer, denn jeder Song „hat was“, ist auf seine Art besonders, hörenswert und irgendwie saugeil. Wer Rock abseits vom Mainstream mag, sich auch für Bands interessiert, die mal ein wenig mit den Stilen experimentieren, sollte NAP auf jeden Fall auf seinen Zettel schreiben. Wenn die Jungs so weiter machen, dann wird das noch ’ne richtig große Nummer. Respekt, Anerkennung und ganz großes Lob sind von meiner Seite sind den Jungs auf jeden Fall gewiss.

NAP – Villa ist erschienen am 03.03.2017 bei Noisolution

Offizielle Homepage von NAP bei Bandcamp

NAP auf Facebook

Nap – Donnerwetter

NAP – Villa auf Spotify

Wieviele Sterne verdient dieser Artikel?

KEINE KOMMENTARE