Shock Therapy – Theatre of Shock Therapy [Update]

A Theatre of Shock Therapy

Selten hat eine Gruppe, vielleicht sogar ein einziges, Lied das, was sich so gern „die schwarze Szene“ nennt, so durcheinander gewirbelt wie damals der Track „Hate is just a 4-letter word“ von Shock Therapy im Jahr 1985. Szenefremd kam der quasi aus dem Nichts, auf dem Debut-Album der Detroiter. Und schlug ein wie eine Granate, mit Einflüssen von Punk und Postpunk, von Wave und Darkwave, Electronic – zum Teil lange, bevor diese Genres überhaupt erst entstanden.

Im Jahr 1986 verschob Shock Therapy die Basis ihres Schaffens nach Deutschland, einem der Zentren für Industrial-Punk. Es entstanden hier drei Longplayer (My Unshakable Belief, Touch Me And Die und Cancer), bevor die Gruppe 1990 nach „Rock City“ Detroit zurückkehrte.

Verwirrend, irritierend bei Shock Therapy war von jeher, dass sie beständig ihren Stil, ihren Klang wechselten – bei neuen Alben war es unmöglich vorherzusagen, ob die mit der letzten Scheibe gewonnen neuen Fans mit der nächsten etwas anfangen konnten. Dazu wechselten bis auf Bandgründer Itchy McCormick die Bandmitglieder des öfteren. That’s Rock’n’Roll … in all seinem Drama.

Der Einschnitt

„Brandstiftung.“ So lautete der Vorwurf – und die Verurteilung – im Jahr 2000. „In einem Gebäude“, also ein besonders schwerer Fall. So sah es das Detroiter Gericht. Die Verteidigung sprach von einem „bonfire“, also ein Lagerfeuer. Mit der Haftstrafe von Itchy ruhte auch jede Arbeit am Projekt Shock Therapy. Und das für lange Zeit: Trotz der Bemühungen freiwilliger Organisationen wurden jahrelang alle Anträge auf Bewährung abgelehnt.

Erst Juni 2007 gelang es unter anderem der Hilfsorganisation „Humanity for Prisoners“, Gregory John McCormick, genannt Itchy Wiggle Christ, aus der Haft zu bekommen, und die Arbeit an Shock Therapy wurde wieder aufgenommen. Dazu wurden auch Musiker aus Deutschland gewonnen, wo die Band Kultstatus erlangt hat: Joseph Santori und Per-Anders Kurenbach. Das Album The Moon & The Sun wurde angekündigt: Shock Therapy startete wieder durch.

This is the end, my friend….

Zumindest erschien es so. Tatsächlich schien Itchy McCormick seine Zeit im Strafvollzug nicht gut verkraftet zu haben. Alkoholexzesse häuften sich, dennoch wurde The Moon & The Sun für den 18. Januar 2008 angekündigt und auch pünktlich veröffentlicht. Betreuer berichten aber, dass er seit seiner Entlassung aus der Inhaftierung professionelle Hilfe ablehnte und sein Leben nicht mehr in den Griff bekam.

Deswegen war das Ende von Shock Therapy auch schon in Sichtweite: Am 5. November ’08 verstarb Itchy McCormick an einer durch Alkohol verursachten Vergiftung. Er hat sich also tot getrunken, nachdem er zwei Wochen vorher wieder gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hatte. Ein stiller, unrühmlicher Tod mit 44 Jahren auf einem Feld in Detroit, Michigan. Und Shock Therapy starb mit ihm.

Auferstehung?

Millionen Menschen glauben an eine Wiederauferstehung nach drei Tagen. Nun, Shock Therapy haben es nicht in drei Tagen geschafft – aber im Februar 2017 verkündet die Band eine Wiederauferstehung um den früheren Band-Mitbegründer und Gitarristen Keith Jackson. Mit dabei sein sollen Cliff Hill, der langjährige Drummer von Shock Therapy, Per-Anders Kurenbach am Keyboard und der Franzose Pierre Xsey wird den Gesang beisteuern. Geplant ist scheinbar schon eine Tour durch Europa – das wäre mal eine spektakuläre Auferstehung!

[ Update 16.05. 9:20:

Wie uns zugetragen wurde, steht infolge einer Änderung im Zeitplan Pierre Xsey nicht mehr bei der „Tribute to Itchy“-Revival-Tour als Sänger zur Verfügung. Die Tour wird im August in – naheliegend – Detroit starten, im September kommt das Gedenken dann noch Europa. Am Microphon werden Scott Mick aus Detroit beziehungsweise Tommy P. aus Deutschland stehen. ]

Und was ist mit Theatre of Shock Therapy?

Wie? Was? Theatre of Shock Therapy? Oh. Ja. Genau. Da war ja was. Im März 2017 wurde das Album Shock Therapy – Theatre of Shock Therapy herausgebracht. Auf zwei CDs wird in fast zweieinhalb Stunden etwas aufgespannt, was man nur unzureichend mit „Best-Of“ beschreiben kann. Eine Zusammenfassung des Bandwirkens in den Jahren von 1985 bis 2008.

Wer Shock Therapy bislang nur über ihren Clubhit Hate Is Just A 4-Letter Word kennt, wird hier die eine oder andere Überraschung erleben. Denn ja, Shock Therapy haben tatsächlich vor allem diesen einen Hit gelandet. Aber sie haben bis 2000 durchaus Musikgeschichte mit geschrieben – und dabei mehr als einen tollen Song herausgebracht. 13 Alben werden hier kondensiert, konzentriert auf zwei CDs und heraus kommen 34 Tracks Zeitreise durch unterschiedliche Genres.

Was soll ich sagen? Wer Shock Therapy kennt, wird dieses Doppelalbum haben wollen. Wer nur diesen einen Song kennt (der natürlich auch enthalten ist) – sollte sich die Chance gönnen, einen Überblick über diese Ausnahmemusiker zu erlangen. Wenn ich ein Résumé ziehen sollte, müsste, dann läuft das auf ein Wort hinaus: Ja.

Shock Therapy – Theatre of Shock Therapy ist am 24.03.2017 bei Believe Digital Gmbh (Soulfood).

Webseite Shock Therapy (Facebook)

Shock Therapy- Hate is just a 4 letter word- best video

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