Spidergawd – IV

I, II, III, IV

Spidergawd sind Per Borten (Gesang und Gitarre), Rolf Martin Snustad (Saxofon), Kenneth Knapstadt (Schlagzeug) und Hallvard Gardlos (Bass) aus Norwegen. Das vierte Album der Band erscheint pünktlich wie die Maurer ein Jahr nach dem dritten, das – oh Wunder der Choreographie III hieß. Kreativität bei der Benennung der Alben geht schon anders. Wahrscheinlich war auch das der Grund, warum es erst einen freundlichen Schlag in den Nacken von Amelie brauchte, damit ich dem Album IV nicht nur einen flüchtigen Blick, sondern auch Zeit und Aufmerksamkeit schenkte. Manchmal kann ich echt blöd sein, wie ich inzwischen mal wieder festgestellt habe.

Irgendwas mit Gitarre

Ich habe „irgendwas mit Gitarre“ erwartet. So skandinavisches 08/15 Zeugs. Nach Skandinavien klingt Spidergawd IV stattdessen so gar nicht. Vielmehr dröhnt es sehr britisch und sehr überzeugend oldschool aus den Boxen. Gerade so abgerundet an den Kanten, dass es angenehm anzuhören ist und gleichzeitig trotzdem authentisch rough und echt. Zündet direkt hinter der Stirn und passt deshalb gut zur Party! „Gib mal n Pils“ steht in Großbuchstaben über der Mucke. Das bockt!

Heroen beerben

Die Band bedient nachdrücklich das Erbe von DIO, Motörhead, Thin Lizzy, Iron Maiden und Judas Priest. Eine überzeugende Homage an die 70er und den British Metal, Attitüde und Aroma von versifftem Kellerclub inklusive. Das Album macht derbe Spaß. Die Band spielt locker und ungezwungen auf, bis der Schweiß an der Wand runterläuft und dem Barkeeper der Nachschub ausgeht. Die Musik hebt ab und tritt gut Hintern, allerdings – nörgeln wir mal auf ganz hohem Niveau – bleibt es das Album über genau so.

Bei der Stange bleiben…

Die Linie steht und Spidergawd folgen ihr. Überraschungen sind nicht zu erwarten. Einerseits ist das für manche vielleicht etwas langweilig, andererseits ballert Spidergawd IV konsequent und durchgängig mit Schmackes auf die Ohren. ABER! Es ist schon etwas unverschämt, wie derbe authentisch die Kapelle Maiden & Co huldigt. Ich bin mehr als einmal versucht, der Band zu unterstellen, sie hätte sich bei den anderen bedient, aber das hat sie nicht. Das ist wirklich eigenes Zeugs, das Spidergawd da spielen und das macht das Album schon zu etwas Besonderem.

…und überzeugen!

Vom Soundkeller bis zum Dach passt alles zusammen. Es bollert und knallt, es scheppert und wimmert, wummert und dröhnt, dass es einfach nur ein Fest ist. Im Album steckt alles: Die rabenschwarze Nacht, der nebelige Tag, der grandiose Sonnenaufgang, Herzschmerz und große Liebe. Astrein! Klischee? Drauf geschissen! Deswegen ist das Album rund und stimmig! So sehr ich mir auch Mühe gebe, ich kann trotzdem echt nichts finden, was ich bekritteln könnte! Vielleicht das etwas zu perfekte Können? Oder wie sich die Musiker harmonisch ergänzen? Vielleicht wie sauber der Gesang zu all dem passt? Oder doch eher das klasse getroffene Tempo? Wie auch immer. Wer etwas zum Nörgeln finden will, der soll meinetwegen suchen, falls er oder sie gerade nichts Anderes zu tun hat. Viel Spaß dabei.

Ich finde jedenfalls was Spidergawd hier abgeliefert haben, das passt. Runde Sache und deshalb klare Empfehlung für jeden, der es gerne laut mag. Der Rest soll weggehen und meinetwegen weiter Blue System hören.

Spidergawd – IV ist erschienen am 24.02.2017 bei Crispin Glover Records / Stickman Records / Soulfood

Offizielle Webseite von Spidergawd (Facebook)

Spidergawd „is this love..?“

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