16.12.17, 00:18 Uhr
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Über: Grunge

Grunge

Grunge ist ein vor allem in den 1990er-Jahren populärer Musikstil, dessen Ursprünge und Anfänge in der US-amerikanischen Undergroundbewegung lagen. Grunge wurde auch als Seattle-Sound bezeichnet und wird oft als eine Vermischung von speziell amerikanischem Punkrock und Heavy Metal angesehen.

Der “Grunge-Sound” beruht hauptsächlich auf dem Gitarrensound des Hard Rock der 1970er-Jahre (zum Beispiel Pearl Jam) und der Ästhetik und den Lyrics des Punkrock. Während sich einige der Bands mehr in Richtung Metal (Soundgarden, Alice in Chains) bewegten und andere sich mehr dem Punkrock-Einfluss (Nirvana, Mudhoney, 7 Year Bitch) verschrieben hatten, so war tatsächlich bei allen Grunge-Bands aus Seattle der charakteristische “Seattle-Sound” aufzufinden.

Der Begriff Grunge kam als Umschreibung für einen Musiktyp erstmals in den 1960er- und 1970er-Jahren auf, um den Stil der Musik einiger Bands zu beschreiben. Damals wurde Grunge weniger als Subgenre gesehen, sondern als besonders markantes, aber passendes Eigenschaftswort für einen rau und “dreckig” wirkenden Klang. Neil Young (& Crazy Horse), The Stooges und The Velvet Underground beispielsweise fielen zu dieser Zeit im Vergleich zu anderen Bands des Rock-Genres besonders auf, da sie ziemlich experimentierfreudig waren, was Feedback-Effekte anging – akustische Rückkopplungen, besonders der E-Gitarre.

Zudem wirkte ihr Gitarrenspiel oft weniger “sauber” bzw. “glatt” als das der musikalischen Referenzen dieser Jahrzehnte. Vielmehr sollte der Klang roh und ungeschliffen wirken, was durch Einsatz von Verzerreffekten hervorgehoben wurde. Auch wurden die Aufnahmen in der Regel wenig bis gar nicht im Studio bearbeitet. Dadurch wirkte die Musik generell “unkonventionell” und “unabhängig”. Erst seit Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre und durch kontinuierlich steigende Popularität von Bands wie Nirvana, Pearl Jam, Alice in Chains oder Soundgarden wurde “Grunge” auch als Begriff für ein Subgenre der Rockmusik verwendet.

Der Grunge-Hype war bei den Kritikern ein beliebtes Angriffsziel. Die Entwicklung zeigt, wie die Musikindustrie mit einer Handvoll Bands und deren Auftreten in Bezug auf Aussehen und Attitüde einen Hype produzierte, von dem sie noch heute zehrt. Doch neben dem erwünschten Aspekt, dem Eintreten in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung, kamen auch negative Aspekte hinzu. So kam es, dass sich nach dem Tode Cobains die meisten Grunge-Bands auflösten oder aus dem Blickfeld der breiteren Masse verschwanden.

Sämtliche Metal-Genres hatten mit dem Aufstieg des Grunge an Popularität verloren. Auf Nachfrage äußerte sich 1994 Joey DeMaio von Manowar über die Grunge-Szene: “Gibt es ein Wort für etwas, das rangmäßig noch unter Scheiße steht?” Ob daraus der Frust über eigenen Popularitätsverlust spricht oder ob es sich dabei um eine für die Band typische derbe Wahrung ihrer True-Metal-Attitüde handelt, sei dahingestellt.

Dass Grunge so einen Rundumschlag bewirkte und den Massengeschmack so sehr veränderte, kam also auch für viele Musiker überraschend. Neben Frust und negativer Kritik gab es jedoch auch positive Stimmen, etwa von John Such, dem ehemaligen Bassisten von Bon Jovi, der Grunge als “erfrischend” lobte, oder auch von Sebastian Bach, der den neuen, anderen Klang begrüßte. Dass der Grunge etwa 1997 aus ähnlichen Gründen zu Grunde ging wie zuvor der Glam Rock, ist wohl Ironie. Der Metal Hammer-Redakteur und Autor Frank Thiessies fügt dazu süffisant an, dass heute Grunge, wenn auch als Alternative Rock betitelt, und Sleaze Rock einträchtig nebeneinander existieren, wenn auch nicht wie zu den jeweiligen Glanzzeiten und wirft in den Raum, wieso denn niemand die Frage stellt, ob der Nu Metal dem Rock und Metal nicht noch viel schwerer zu schaffen gemacht hätte.

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