Cosmonautica – Space Sim oder so

Ein kleines Spielchen zwischendurch ist immer gern gesehen und es bietet auch Gelegenheit, die ganze Musik zu hören, die den lieben langen Tag bei uns eintrudelt. Manche stehen auf die ewig langen, niemals enden wollenden Games, andere mehr auf die kurzweiligen „mal eben zwischendurch ne Runde“. Chasing Carrots aus Stuttgart bietet mit Cosmonautica eine Mischung aus beidem: Mal eben zwischendurch ’ne Runde, aber die dann über lange Zeit.

Cosmonautica HandelCosmonautica ist grundsätzlich eine Wirtschaftssimulation. Mache so viel Geld wie möglich. Nebenher gibt es noch eine Story-Line, der man folgen kann, aber nicht muss. Bis zu acht Crewmitglieder gilt es zu finden und auszubilden und ein zu den eigenen Anforderungen möglichst gut passendes Schiff gilt es zu kaufen. Und instand zu halten. Das macht erfreulich viel Spaß, denn die Spielmechanik ist einfach gehalten, im Sinne von unkompliziert. Generell ist „unkomliziert“ das Credo des Spiels. Viele Mechaniken sind angenehm einfach gestaltet und auf point-and-click reduziert.

Cosmonautica Ingame SystemDer Spieler bewegt sein Raumschiff und seine Crew in Sonnensystemen mit unterschiedlich vielen Planeten herum. Ein Klick auf den Zielplaneten offenbart Angebot und Nachfrage, ein weiterer Klick setzt das Schiff in Bewegung. Durch geschicktes Handeln kann der Spieler schnell zu bescheidenem Wohlstand kommen. Das Erfüllen von Aufträgen hilft dabei zusätzlich: Auf jedem Planeten werden Aufträge angeboten: Entweder gilt es Irgendetwas oder irgendjemanden von A nach B zu transportieren, einen Gegner zu besiegen oder etwas zu schmuggeln. Übersichtlich und dadurch kurzweilig, weil: unkompliziert.

Cosmonautica RaumkampfCosmonauticas Raumkampf ist beinahe zu einfach. Je nach Ausbildungsstand und Zusammensetzung der Besatzung ergeben sich mehr oder minder starke Kombinationen auf Offensive und Defensive. Während des Gefechts bleibt wenig zu tun, als die richtigen Knöpfe im richtigen Moment zu drücken. Joystick-Interaktion ist nicht gefragt und Pixelakrobatik auch nicht. Eigentlich sehr entspannt mit mäßigem Stress- und umso höherem Spaßfaktor.

Der Spielfluss ist kurzweilig, die Anforderungen und der Schwierigkeitsgrad halten sich in Grenzen. Insgesamt klickt man mal hier, mal da, nimmt ’nen Schluck, trifft hin und wieder Entscheidungen über die Crew und ihre Zusammensetzung und Ausbildung, bessert das Schiff aus, rüstet auf und fliegt gemütlich durch die Gegend. Eigentlich total toll und genau das Richtige für mich: Entspannter langzeitspielspaß ohne Stress und Hektik.

Cosmonautica AufträgeAber auch Cosmonautica ist nicht frei von Problemen. Ein sehr nerviges Problem, von dem etliche Spieler betroffen sind, ist das Festkleben in der Story-Line. Ein nerviger Bug verhindert bei manchen, dass ein wichtiger Encounter ausgelöst wird, wodurch die Kampagne nicht abgeschlossen werden kann. Sehr nervig, aber die Entwickler haben Abhilfe versprochen. Auch ist die Navigation im Universum zwischen den Systemen frustrierend. Ein bestimmtes System zu finden ist – selbst wenn man weiß wie es heißt und wo es in etwa sein müsste – irrsinnig aufwändig und frustrierend schwer, denn es gibt keine „Suche nach Namen“ oder Ähnliches.

Ein weiteres Handicap ist die bei Cosmonautica etwas beschränkte Auswahl an Schiffen (insgesamt 9) und Equipment, Räumen und Waffen. Sobald man ausreichend Geld zusammengescheffelt hat, um sich das größte Schiff und die effizienteste Ausrüstung zu kaufen, stellt sich die Frage „Und nu?“ Zwar gibt es irre viele Systeme zu erforschen und zu besuchen, aber irgendwie gibt es keinen weiteren Aufstieg in Sachen Schiffe, Ausrüstung, Handelsgüter, Aufträge. Es scheint irgendwann einfach das Ziel abhanden zu gehen.

Cosmonautica Ship InteriorDas UI ist liebevoll und robust gebaut. Auch hier steht „unkompliziert“ weit oben auf der Liste. Dennoch ist die Designentscheidung bei jeder Navigationsanweisung immer auf die Innenansicht des Schiffes zu wechseln, meganervig und nicht nachvollziehbar. Spaß macht es zwar schon, dem Treiben im Schiff zuzusehen, denn Design und Animationen sind liebevoll und professionell gemacht. Aber irgendwie passiert da halt nichts Neues und eigentlich will man wissen, was um einen herum passiert.

Davon Ab. Die Entwickler sind am Ball was die Probleme des Spiels angeht und vielleicht tut sich ja auch noch was in Sachen Spieltiefe und Langzeitmotivation. Wünschenswert wäre es, denn das Spiel ist eigentlich total toll und perfekt für „mal eben kurz ne Runde…“

Cosmonautica ist erschienen am 31.07.2015 bei Steam.

Webseite des Spiels: http://cosmonautica.com/
Webseite der Entwickler: http://www.chasing-carrots.com/

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