Aus dem Redaktionsalltag: WTF Windows?

Oder: Ich will keine Werbung, ich will meine Ruhe!

Werbung und Internet gehören für viele Unternehmen zwingend zusammen. Das ich heute deshalb allerdings einen „WTF Windows?“-Moment haben sollte, hätte ich gestern auch noch nicht gedacht. Für manche ist das Internet einzig dazu da, Werbung zu transprotieren. Kennt man ja inzwischen. Ich verstehe gut, dass Dienstleistungen Geld kosten. Das gilt schließlich auch für Polyprisma. Ich verstehe auch, dass Werbung ein Weg sein kann, bestimmte Dinge „kostenlos“ anbieten zu können. Siehe Facebook, Google, Skype… Damit habe ich kein Problem. Grundsätzlich jedenfalls nicht.

Es gibt allerdings eine Grenze. Wer anfängt, mir meinen Arbeitsplatz ungefragt mit Werbung zuzumüllen, kann sich zwar meiner kurzfristig ungeteilten Aufmerksamkeit sicher sein, aber auch meiner lange anhaltenden und tief empfundenen Abneigung. Oder einfacher: Knallst Du mir unerwünschte Werbung ins Gesicht, werde ich sauer. Ich will keine Werbung, erstrecht nicht ungefragt.

WTF Windows

Als ich heute Morgen mein System hoch fuhr – ja, ich benutze Windows 10; ja, ich weiß, dass es Alternativen gibt; nein, ich werde nicht umsteigen – sah das irgendwie völlig anders aus. Ich solle doch Lara Croft auf ihrer ersten Tomb Raider Expedition begleiten. Dazu bildschirmfüllend ein Bild, das wohl aus dem aktuellen Spiel „Tomb Raider“ stammt. Verpennt wie ich war habe ich natürlich kein Foto davon gemacht, sondern schon das Schlimmste vermutet: „Hab ich mir was eingefangen?“

Nein, habe ich nicht, wie mir die sofort durchgeführte Systemüberprüfung mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln verriet. Virenscanner sind zwar nicht unbeding fehlerfrei, aber nachdem auch das dritte Tool meinte „alles okay“, war ich etwas zwar etwas beruhigter, aber nicht beruhigt. Rechner ein paar Mal hoch und runter gefahren, doch Lara Croft blieb verschwunden und mein „normaler“ Lockscreen war unverändert da. Seltsam.

Twitter sei Dank lernte ich, dass ich wohl nicht der einzige Glückliche auf diesem Planeten bin, der etwas… nunja… unerwarteten Besuch von Lara Croft hatte. Wenn die Dame wenigstens persönlich hier aufgetaucht wäre. Da hätte ich ja nichts gesagt, im Gegenteil. Vor eins der Mikrofone gezerrt hätte ich sie und interviewt. Ein User war sogar so clever, von seinem veränderten Sperrbildschirm (engl.: Lockscreen) ein Foto zu machen:

Tomb Raider Lockscreen Winows10
(Foto: David McGavern via Twitter)

Auch er klang extremst begeistert:

When you’re angry at Mac OS, be thankful that it isn’t shoving a Tomb Raider ad in your face. Thanks, Windows 10! pic.twitter.com/lDaXR8XaRy
— David McGavern (@daveymcgav) February 24, 2016

„Wenn Ihr Euch über das Mac OS aufregt, seid dankbar, dass es Euch nicht Tomb Raider ins Gesicht drückt. Danke, Windows 10“ – Aha. Windows selbst war das also… WTF Windows?! Google angeworfen und siehe da: Windows 10 hat eingebaute Funktionen, über die Nutzer mit Angeboten beliefert werden können. „Spotlight“ heißt diese sagenhafte Funktion, die sich spontan einen der oberen Plätze in den Top10 Charts meiner meistgehassten Dinge auf dieser Welt erobert hat. Microsoft hatte den Produktmanager von Windows, Joe Belfiore, vor ewiger Zeit darüber was sagen lassen. Auf dem „Lockscreen“ sollen „App-Anbieter“ die Möglichkeit haben, Hinweise auf ihre Apps für die Anwender zu platzieren. Na klasse.

Aber es gibt Hoffnung: Diese Funktion ist zumindest im Augenblick „optional“. Man kann sie ausschalten! Heureka! Um eine lange Geschichte abzukürzen: Wer noch nicht das zweifelhafte Vergnügen hatte und sich das auch gerne ersparen möchte, hier ganz kurz der Weg, wie man diese nervige Belästigung (und den nahenden Herzinfarkt) verhindern kann:

1. Öffne das Startmenü:
Windows 10 Startbildschirm Werbung ausschalten Schritt 1

2. Öffne die Einstellungen:
Windows 10 Startbildschirm Werbung ausschalten Schritt 2

3. Öffne „Personalisierung Hintergrund, Sperrbildschirm, Farben“
Windows 10 Startbildschirm Werbung ausschalten Schritt 3

4. Klicke links auf „Sperrbildschirm“ und schalte im rechten Teil des Fensters den Schalter „Unterhaltung, Tipps, Tricks und mehr auf dem Sperrbildschirm anzeigen“ auf „aus“.
Windows 10 Startbildschirm Werbung ausschalten Schritt 4

Wie dem auch sei. In Zukunft sollte ich zumindest auf dem Startbildschirm oder Lockscreen meine Ruhe haben. Ich bin mir sicher, dass Microsoft noch andere Ideen im Ärmel hat, um mir Werbung unterzuschieben, aber mit dem oben gezeigten Weg habe ich zumindest diesen Weg ersteinmal versperrt. Wenn mir allerdings plötzlich in Word & Co. plötzlich Werbung untergeschoben wird, dann ist für mich vielleicht doch der Augenblick gekommen, mich nach einer Alternative umzusehen – zumindest für meinen Rechner am Arbeitsplatz.

Das Positive an der Sache ist auf jeden Fall, dass ich wieder etwas Neues über Windows 10 gelernt habe und ungefähr anderthalb Stunden heute morgen mit mehreren Virenscans am Rande des Nervenzusammenbruchs verbracht habe.

Wenigstens war ich danach wach.

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