Fraunhofer Institut baut Konzertsaal zum Mitnehmen

Eine Software des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen verspricht ein natürliches dreidimensionales Musikerlebnis im Auto und auf Handys. Mit der Software soll der Zuhörer unabhängig von Wiedergabegerät und Umgebung das Gefühl haben, mitten im Konzertsaal zu sitzen. Die vom IIS entwickelten Softwarelösungen „Cingo“ und „Symphoria“ sollen einen natürlichen dreidimensionalen Raumklang erzeugen. Dadurch sollen Zuhörer das Gefühl haben, direkt beim Konzert dabei zu sein, auch wenn sie gerade im Auto sitzen oder die Musik über ihr Handy hören. Für die Entwicklung und Markteinführung von „Cingo“ und „Symphoria“ erhalten Oliver Hellmuth, Jan Plogsties und Harald Popp den Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2015.

Besonders mobile Geräte haben oft denkbar schlechte Voraussetzungen für die akustisch hochwertige Wiedergabe von Musik. Meistens fehlt es den Geräten an Lautsprechern oder Kopfhörer mit den dazu erforderlichen Qualitätsmerkmalen. Auch die Umgebung ist meistens nicht ideal. Der Hörer erwartet trotzdem ein immer gleichbleibend gutes Hörerlebnis. „Cingo“ und „Symphoria“ sollen Schwächen der Hardware ausgleichen und gleichzeitig unabhängig vom verwendeten Lautsprecher oder Kopfhörer das bei der Aufnahme erzeugte Klangbild präzise wieder geben.

Oliver Hellmuth, Projektleiter Symphoria:

In einem Konzertsaal kommt die Musik nicht nur direkt von der Bühne. Wir hören auch die Reflexionen des Schalls von der Decke und den Wänden. Erst hierdurch erhalten wir einen dreidimensionalen Klangeindruck

„Cingo“ und „Symphoria“ des Fraunhofer IIS analysieren, welche Elemente einer Aufnahme Direktschall oder Reflexion sind, und fügen diese anschließend zu einem natürlichen dreidimensionalen Klang zusammen. Dazu reicht eine reine Signalanalyse der Musik nicht aus. Deshalb wurden in der Entwicklung neben der technischen Analyse frühzeitig Anpassungen der Tonwiedergabe durch die Tonmeister des IIS vorgenommen. Da es keine klangliche Referenz gibt, um die Qualität derartige Audioalgorithmen zu bewerten, war entscheidend, wie die Experten diese subjektiv beurteilten. Der Klang muss an die Lautsprecher jedes Endgeräts individuell angepasst werden. Eine „One-Size-Fits-All“-Lösung ist zurzeit nicht möglich.

Aktuell wird „Cingo“ seit 2013 von Google in allen Geräten der Nexus-Serie verwendet. Zudem brachte Samsung die Software in einer Virtual Reality-Brille auf den Markt. Audi erzeugt mit Hilfe von Symphoria in den Modellen TT, Q7 sowie R8 ein 3D- beziehungsweise Surround-Erlebnis.

(Bild: Dirk Mahler/Fraunhofer)
Quelle: http://www.fraunhofer.de/

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