Marionetten: Krisentreffen in Mannheim [UPDATE]

Krisentreffen in Mannheim

Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz hat sich gestern Abend mit Mitgliedern der Band Die Söhne Mannheims und Sänger Xavier Naidoo zu einem Krisentreffen in Mannheim getroffen. Drei Stunden lang sprach man miteinander im Technischen Rathaus der Stadt Mannheim, so ein Sprecher der Stadt. Es sei ein “intensiver Austausch” gewesen. Am heutigen Dienstag wollen beide Seiten, Stadt und Band, die Öffentlichkeit über die Ergebnisse dieses Krisengesprächs in Kenntnis setzen.

Vor dem Gespräch teilte die Band mit, dass sie ein konstruktives Gespräch erwarte. Die Stadt Mannheim deutete an, dass sie trotz der Auseinandersetzung um das aktuelle Album MannHeim und speziell den Song Marionetten die Leistungen der Band Die Söhne Mannheims nicht vergessen will. Oberbürgermeister Peter Kurz hatte die Band scharf kritisiert und verlangt, dass sie zu den antistaatlichen Aussagen Stellung nehmen müsse.

Vorwurf des Rechtspopulismus

Sänger Xavier Naidoo nahm zusammen mit anderen Mitgliedern der Band an diesem Krisentreffen in Mannheim teil. Er ist Mitautor des umstrittenen und heftig kritisierten Songs Marionetten. In Text des Liedes heißt es unter anderem: “Teile eures Volks nennen euch schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter.” Der Song bezieht sich mit dieser Aussage deutlich auf Politiker. Zusammen mit einigen anderen Aussagen des Liedes erntete die Band weitreichende Kritik. Zentraler Vorwurf ist, dass sich die Band mit diesem Song mindestens ins rechtspopulistische Lager begeben habe. Die Band streitet das ab.

Die Söhne Mannheims und die Stadt Mannheim arbeiten schon viele Jahre eng zusammen, zuletzt bei kulturellen Projekten. Zum 200. Jubiläum der Erfindung des Fahrrads steuerte die Band den Titelsong bei. Zu den weiteren Initiativen gehören unter anderem die Popakademie Mannheim und Projekte rund um die zukünftige Nutzung der früheren Liegenschaften der US-Armee in und um Mannheim.

Es bleibt spannend abzuwarten, wie die Band sich aus der Schlinge ziehen wird, denn die Aussagen deuten schon sehr deutlich in eine ganz bestimmte Richtung. Ob man als Musiker wirklich in diesem deutlich braun gefärbten Licht gesehen werden will, ist mehr als fraglich.

[UPDATE]

Inzwischen hat sich Sänger Xavier Naidoo zu dem umstrittenen Song Marionetten geäußert. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er:

(…) Einer der neuen Songs der Söhne Mannheims, der Song mit dem Titel „Marionetten“, hat zu hitzigen Diskussionen geführt. Einzelne Fragmente oder Satzteile wurden hier – teilweise aus dem Kontext gerissen – bewertet, gedeutet und heftig kritisiert. Damit kann ich gut leben (…)
 
Bei dem Lied “Marionetten” handelt es sich um eine zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen, also um die Beobachtung bestimmter Stimmungen, Auffassungen und Entwicklungen, dies im Rahmen einer künstlerischen Auseinandersetzung bewusst überzeichnet.
 
Das mag missverständlich gewesen sein, daher ist mir folgendes wichtig: Die Söhne Mannheims und ich stehen für eine offene, freiheitliche, liberale und demokratische Gesellschaft, in der viele Kulturen gemeinsam zusammenleben und in der es allen Menschen möglichst gut geht. Das ist mir wichtig und dafür lohnt es sich einzustehen. (…)
 
Eine Demokratie und eine offene Gesellschaft leben davon, dass sie von der Mehrzahl der Menschen getragen wird, dass sie streitbar ist und auch, dass ihr Zustand kritisch hinterfragt werden darf. (…)
 
Die Söhne Mannheims und ich stehen (ohne das ernsthaft betonen zu müssen) seit vielen Jahren ganz klar gegen jede Art von Gewalt, gegen jede Art von Fremdenhass, gegen jede Art von Diskriminierung und gegen jede Form von Radikalismus oder Nationalismus. (…)
 
Ich gebe keinem meine Stimme, sondern erhebe meine eigene mit den Mitteln meiner Kunst. Und die ist oft hinterfragend, teils kindlich, im besten Fall zum eigenständigen Denken anregend, manchmal tiefsinnig, vielleicht auch für manche belanglos oder an ihrer Sache vorbei, gerne auch mal provozierend – aber im gleichen Atemzug stets voller Liebe und Überzeugung für die erwähnten Grundwerte. (…)
 
(Xavier Naidoo auf Facebook)

Wie Xavier Naidoo das sieht

Für Xavier Naidoo ist der Text nur eine “zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen, (…) bestimmter Stimmungen, Auffassungen und Entwicklungen” die “bewusst überzeichnet” wurde. Immerhin räumt der Sänger ein, dass der Text das wohl doch nicht so klar formuliert: “Das mag missverständlich gewesen sein”. Er bezieht sich damit wahrscheinlich auf die Passage, in der es über die Politiker insgesamt heißt: “Teile eures Volks nennen euch schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter.”

Eine weitere “Überzeichnung des aktuellen Zustands” soll auch sein, dass er Politiker in MArionetten insgesamt als “Volks-in-die-Fresse-Treter” bezeichnet. Auch die durchaus als Aufforderung verstehbare Passage, dass “kein Verstecken hinter Paragrafen und Gesetzen” hilft, wenn “der wütende Bauer mit der Forke” dafür sorgt, “dass ihr einsichtig seid”. Dies wurde als direkter Aufruf zur Gewalt gegen Politiker verstanden. Es fällt zumindest mir im Augenblick und vor dem Hintergrund der zurückliegenden Äußerungen und Auftritte des Sängers schwer, dies als “mißverständliche Überspitzung” im Rahmen der Kunst anzusehen.

Reaktion Jan Böhmermann

Die Reaktion von Jan Böhmermann ließ nicht lange auf sich warten. Auf Twitter schrieb er:

Boehmermann am 09.05.2017 auf Twitter über Xavier Naidoo
(Jan Böhmermann auf Twitter am 09.05. um 10:36h)

Jan Böhmermann am 09.05.2017 über die Söhne Mannheims: Missverständnisse Mannheims
(Jan Böhmermann auf Twitter am 09.05. um 10:37h)

Offizielle Internetpräsenz der Stadt Mannheim
Webseite von Oberbürgermeister Peter Kurz
Die Band Die Söhne Mannheims im Netz
Webseite von Sänger Xavier Naidoo

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