Metallica Manager: YouTube ist der Teufel

Wir werden alle sterben!

Napster war vor etlichen Jahren Auslöser und erklärtes Feindbild von Metallica. Speziell Lars Ulrich trat immer wieder aggressiv gegen Filesharing auf. Metallica sah schon damals im Filesharing das Ende der Musikindustrie. Ob berechtigt oder nicht, es folgten Klagen, Abmahnungen und Gerichtsverfahren und schließlich etliche Gesetzesänderungen im Urheberrecht. Als Folge davon sind zwar Tauschbörsen wie Napster inzwischen weitgehend von der Bildfläche verschwunden, doch so richtig geändert hat sich allerdings nicht viel.

Wer heute seine Musik kostenlos haben will, bekommt sie in der Regel auch kostenlos, im Gegensatz zu Zeiten von Napster & Co. heute allerdings meistens völlig legal – und genau das ist ein zunehmendes Problem für die gesamte Musikindustrie: Die Menge verfügbarer Musik steigt kontinuierlich, doch die damit erzielten Einnahmen fallen ebenso kontinuierlich. Diese Diskrepanz nennt man „Value Gap“, in etwa übersetzbar als „Wertschöpfungslücke“.

Der Manager von Metallca, Peter Mensch, ist auch Manager von Bands wie Volbeat, Muse, Silversun Pickups und den Red Hot Chili Peppers. Bands die er mit seiner Künstleragentur Q Prime vertritt, sind nicht die gerade die kleinsten. Der BBC gegenüber, von der der 63jährige interviewt wurde, macht er sich und seinem Unmut über die Situation mit wenig diplomatischen Worten Luft.

Obwohl inzwischen eigentlich alle – abgesehen vielleicht von der Gema – das Thema YouTube als erledigt ansehen, zumindest was die Beteiligung an den Werbeeinnahmen angeht, sagt Peter Mensch:

„YouTube, they’re the devil! We don’t get paid at all!“ „If someone doesn’t do something about YouTube, we’re screwed,“ he said. „It’s over. Someone turn off the lights.“
(Peter Mensch, in BBC Radio 4)

YouTube ist der Teufel

YouTube ist der Teufel und wir werden überhaupt nicht bezahlt, so Peter Mensch. Seiner Meinung nach ist das Geschäftsmodell des Tochterunternehmens von Google, in dem Werbung um die Videos herum platziert wird, nicht tragfähig. Wenn nicht bald jemand irgendetwas gegen YouTube unternimmt, sind Künstler und Musikindustrie – so Peter Mensch – am Arsch.

Spinnt der?

5 Euro Note Geld Money YouTube ist der TeufelDie naheliegende Frage ist, ob Herr Mensch vielleicht ein klein wenig übertreibt oder vielleicht sogar völlig an der Realität vorbei redet, denn immerhin unterhalten vieler der von ihm betreuten Bands eigene Kanäle auf YouTube, was dann doch ein paar Fragen aufwirft. Allerdings liefert neulich veröffentlichte Jahresbericht der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI), dem Weltverband der Musikindustrie, Zahlen, auf die sich Peter Mensch mit seiner Aussage YouTube ist der Teufel wahrscheinlich bezog.

Aus dem Bericht geht hervor, dass ungefähr 900 Millionen Kunden auf Seiten wie YouTube, Daily Motion, Soundcloud und so weiter rund 630 Millionen US$ Einnahmen produziert haben. Das klingt erst mal sehr viel. Aber im Gegensatz dazu haben die weltweit rund 68 Millionen Abonnenten von Musikstreams rund 2 Milliarden US$ Umsatz generiert. Ein geringfügiger Unterschied, möchte man meinen. Das Problem für Musiker und Industrie ist, dass angesichts der Masse kostenloser Angebote die Nutzer einfach nicht einsehen, Geld für Musik auszugeben. Darunter leiden auch Anbieter wie Spotify oder Apple.

Dem hält Google entgegen, dass YouTube an die Musikindustrie 3 Milliarden US$ ausgezahlt hat, verschweigt allerdings den Zeitraum, auf den sich diese Zahl bezieht. Einer der Direktoren von YouTube, Robert Kyncl, warf die Frage auf, ob Künstler überhaupt Summen zu sehen bekommen, die an die Industrie gezahlt werden. Natürlich macht nicht jeder dicke Kohle mit YouTube. Aber Robert Kynci verwies auf Beispiele wie Lindsay Sterling, die im vergangenen Jahr alleine mit YouTube über 6 Millionen US$ verdient hat.

Ja… und?

Youtube Video Nicht Verfügbar YouTube ist der TeufelEin Hintergrund für die plötzlich intensiver werdende Schlacht dürfte sein, dass die zwischen YouTube und den drei großen Labels Sony, Warner und Universal in diesem Jahr erneut verhandelt werden sollen. Außerdem möchte die Musikindustrie gerne das sogenannte „Safe Harbour“ Abkommen kippen, das besagt, dass Firmen wie YouTube nicht dafür haftbar gemacht werden können, wenn ihre User Musik illegal hochladen, insbesondere ganze Alben.

Es wundert mich nicht, dass ausgerechnet wieder der Name Metallica im Zusammenhang mit Geld als erstes in Erscheinung tritt. Ob allerdings wirklich YouTube und ähnliche Firmen „die Bösen“ sind (wir erinnern uns? Metallica sagt: YouTube ist der Teufel), ist eine unbeantwortete Frage, denn wie der Gitarrist Ed O’Brien von Radiohead feststellte: „Die Streaminganbieter sagen, dass sie uns 2 Milliarden Dollar gezahlt haben, aber es ist sehr schwer nachzuvollziehen, was mit diesem Geld passiert. Wo ist es? Sind es die Plattenfirmen? Das Problem ist, dass alles in diesem schwarzen Loch verschwindet.“

Webseite der IFPI

Webseite der BBC

Webseite der Künstleragentur Q Prime

Offizielle Webseite von Metallica

The Buggles – Video Killed The Radio Star HD (Live 2004)

 
(Fotos: Kreepin Deth / Wikipedia CC3.0, Didie Weermaels CC1.0, YouTube)

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