Produzent der Beatles George Martin im Alter von 90 Jahren gestorben

George Martin und die Beatles

George Martin, der einen Großteil der Klassiker der Beatles produziert hat und als der fünfte Beatle galt, ist gestern im Alter von 90 Jahren gestorben.

Ringo Starr gab die Nachricht seines Todes auf Twitter bekannt. „God bless George Martin“ schrieb er Dienstagnacht. „Gott segne George Martin“, schrieb er auf Twitter. In einem anderen Posting auf Twitter schrieb er „Thank you for all your love and kindness“.

Im Laufe der Jahre hat immer wieder irgendjemand behauptet, der fünfte Beatle zu sein, doch der einzige Mensch, der diesen Titel – wenn überhaupt – zu Recht für sich beanspruchen konnte, war George Martin. Der Produzent war nicht nur der erste, der den zu ihrem ersten Plattenvertrag verhalf. Er arbeitete ausgiebig mit ihnen zusammen und produzierte in den folgenden Jahren die meisten Aufnahmen der Beatles, angefangen bei „Love Me Do“ bis hin zum Album „Abbey Road“.

George Martin made us what we are in the Studio. He helped us develope a language to talk to other musicians“
(John Lennon, 1971)

Ein Leben für die Musik

George Martin wurde 1926 in London geboren. In jungen Jahren lernte er Klavier. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er in der Abteilung für klassische Musik bei der BBC, wechselte dann aber zu EMI. Er produzierte viele Platten britischer Comedians, wie zum Beispiel Peter Sellers, Dudley Moore und Bernard Cribbins und trug damit viel zur Bekanntheit des viel gerühmten Britischen Humors bei.

Den Beatles begegnete George Martin Anfang 1962. Die Band hatte zu diesem Zeitpunkt zwar schon eine treue Anhängerschaft, die der Band überall hin folgte, konnte aber trotzdem keinen Plattenvertrag abschließen. Der Manager der Beatles, Brian Epstein, trat an George Martin heran und überzeugte ihn davon, sich ein Demo der Band anzuhören.

In seinen Memoiren schrieb Martin 1979, dass diese Demo alles andere als gut war. Für ihn war es nur zu verständlich, warum die Band überall abgelehnt wurde. Er erkannte jedoch, dass in der Musik eine Besonderheit steckte. Die Musik war auf ihre eigene Art ungehobelt und rau, wie er es bis dahin noch nicht gehört hatte. Hinzu kam, dass nicht immer nur ein Bandmitglied sang.

George Martin - 1969 EMI Recording Studios Abbey Road Credit Dr. Ronald Kunze CC3.01962 holte George Martin die Beatles für Probeaufnahmen in die Abbey Road Studios. Die Band hatte zu diesem Zeitpunkt bereits „Love Me Do“ und „P.S. I Love You“ geschrieben. Obwohl die Band und Martin einige Startschwierigkeiten zu überwinden hatten, respektierten sie sich gegenseitig. Letztendlich war es George Martin, der den Beatles erklärte, dass ihr damaliger Schlagzeuger Pete Best nicht gut genug für die Band war, woraufhin die Beatles Best aus der Band warfen.

George Martin produzierte nicht nur Alben und Singles der Beatles, auf manchen spielte er sogar aktiv mit. Auf der Single „In My Life“ spielt der zum Beispiel das Klavier. Später verriet er, dass er damals eigentlich gar nicht gut genug am Klavier war, um so schnell spielen zu können. Darum nahm er eines Nachts die Klavierspur mit halber Geschwindigkeit auf und spielte eine Oktave tiefer und mischte sie dann mit doppelter Geschwindigkeit abgespielt ab.

Er war es auch, der die Band auf die Idee brachte, Tonbänder rückwärts abzuspielen und in ihren Aufnahmen zu verwenden („Tomorrow Never Knows“). Gerade Martins Alter und kultureller Abstand zur Musik der Beatles entpuppte sich als gewaltiger Vorteil für die Beatles. Als sich John Lennon nicht für eine der beiden ursprünglich aufgenommenen Versionen von „Strawberry Fields Forever“ entscheiden konnte, überließ er es George Martin, aus der rockigen Version und der opulenten Orchesterversion eine gemeinsame Fassung zu machen.

Beatles und George Martin im Studio 1966Zu George Martins bemerkenswertesten Talenten gehörte es, auch komplexe Aufnahmen wie „Sgt. Pepper Lonely Hearts Club Band“ mit einem einzigen Vierspurrekorder zu produzieren. Am Ende der Let It Be Sessions entschied die Band, dass es Zeit für Veränderungen wurde und stattdessen die Produktion an Phil Spector übergab. Trotzdem beauftragten die Beatles ihn mit der Produktion von „Abbey Road“.

Nachdem sich die Beatles 1970 aufgelöst hatten, arbeitete George Martin mit den ehemaligen Mitgliedern der Beatles bei ihren Soloprojekten zusammen. Er produzierte unter anderem Paul McCartneys „Live And Let Die“ (1973) und Anfang der 1980er die Alben „Tug of War“, „Pipes of Peace“ und „Give My Regards to Broad Street“. Für Ringo Starr produzierte er 1970 dessen Album „Sentimental Journey“. Martin wirkte auch bei der Produktion des Soundtracks für den Film „Sgt. Pepper Lonely Heart’s Club Band“ (1978), der „Anthology Collection“ (1995) mit.

Obwohl seine Zusammenarbeit mit den Beatles zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört, produzierte er nicht nur Alben für diese Band. Er produzierte außerdem Alben für Gerry and the Pacemakers, Kenny Rogers, Cheap Trick, Jeff Beck und Celine Dion. Er produzierte auch 1997 Elton Johns Neufassung von „Candle in the Wind“ anlässlich des Todes von Prinzessin Diana, die eine der bestverkauften Singles überhaupt wurde.

George Martins offizielle Webseite

Strawberry Fields Forever – Restored HD Video

(Bilder: Dr. Ronald Kunze und Adamsharp, beide CC3.0)

KEINE KOMMENTARE