Social Media für Dummies, oder: Wie Ten Walls seine Karriere per Facebook beendete

Am 8. Juni endete die Karriere von Marijus Adomaitis aka Ten Walls. Nicht etwa zufällig, sondern weil er nicht verstanden hatte, wie Social Media funktioniert und mit seiner Meinung und Einstellung gegenüber Homosexuellen auch noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen war. Die Frequenz, mit der im Laufe des Tages bei ihm negative Mitteilungen eingetroffen sind, dürfte selbst für Hartgesottene etwas schwer zu verkraften sein. Doch der Reihe nach.

2014 gelang es dem Musiker und Produzent aus Litauen eine Single auf Platz 6 der UK Charts zu platzieren („Walking with Elephants“) was eine beachtliche Leistung ist. Dieses Jahr war er für einige weltweit renomierte und namhafte Festivals fest gebucht und angekündigt (zum Beispiel HARD Summer, PITCH Festival, Sonar, Urban Art Form, Creamfields und einige andere). Am 03.06.2015 postete er auf Facebook seine …nunja… „Ansichten“ über Homosexuelle. Er bezeichnete sie als „Völkchen aus einer anderen Brut“ und verglich sie mit Pädophilen (Details bei Gaystarnews.com)

Später entfernte er seine Postings zwar, aber was einmal in der Welt ist, ist nunmal heute überall in der Welt und gerade als international bekannter Musiker sollte man das wissen. Nun dauert es auch bei solchen Eskapaden immer etwas, bis sich das so richtig herumspricht, aber der Startschuss war gefallen. Am 8. Juni hatte sich der Vorfall weit genug herumgesprochen, dass er Leuten bekannt wurde, die Einfluss haben.

Als erster postete Fort Romeau auf Facebook:

I was due to support Ten Walls at Koko, London in November, in light of recent comments made by him on Facebook I have decided to cancel.

Dazu postete er eine Karte, die die aktuelle Situation von Homosexuellen in Sachen Gleichberechtigung in Europa darstellt:

Gleichberechtigung Karte

Kurz darauf folgten Monika Kruse, Magda, The Black Madonna und weitere Künstler, die sich klar gegen Ten Walls und seine Ansichten positionierten.

Monika Kruse, auf Twitter:

Just deleting every track of ten walls ! I will not support any music of an homophobic musician!
— Monika Kruse (@MonikaKruse) 8. Juni 2015

Optimo, auf Twitter:

My one Ten Walls record now looks like this – pic.twitter.com/XPSdiKCAH5
— Optimo (Espacio) (@JDTwitch) 7. Juni 2015

Einige Zeit später wurde es dann für den Musiker mit den schwierigen Einstellungen zum Thema Homosexualität und seinen bestenfalls problematischen Ideen zur „Lösung“ der Probleme richtig ernst. Das PITCH Festival, Creamfields, Sonar und Dockville strichen ihn aus dem Line-Up:

Due to homophobic comments #TenWalls will not be playing at #MSDOCKVILLE2015. We strive towards a beautiful und colourful festival. — MS DOCKVILLE (@DOCKVILLE) 8. Juni 2015

Bald darauf wurde es wirklich bitter für ihn. Eine Pressesprecherin von Coda Music teilte mit:

Coda Music Agency condemns all forms of discrimination based on race, religion or sexual orientation. We are proud to be an equal opportunity employer and to represent a hugely diverse roster of artists. We no longer represent Ten Walls.

Seine Bookingagentur ließ ihn fallen. Für einen Musiker kommt das ungefähr einem Weltuntergang gleich.

Gegen 15 Uhr meldete sich Ten Walls / Marijus Adomaitis noch einmal selbst auf Facebook (der Artikel wurde inzwischen gelöscht, Link war: https://www.facebook.com/TenWalls/posts/583286488476836) zu Wort und strich alle noch verbliebenen Gigs aus seinem Tourkalender:

Last week I wrote a Facebook post that was wrong and completely out of character and the result was a badly written post that was unacceptable. It was never my intention to offend anyone. I’m really saddened by everything that has happened and I would like to apologise to everyone I’ve let down, especially to my friends in the gay community, and my fans.

I now need to take a break and have cancelled my upcoming shows.

Grundsätzlich bin ich gegen Hetzjagden auf Grundlage von Gerüchten. Wer aber in aller Öffentlichkeit selber solch einen – Entschuldigung – menschenverachtenden Bullshit verzapft, hat von mir wenig Mitleid zu erwarten. Ob und wie Ten Walls / Marijus Adomaitis sich rehabilitieren kann, weiß ich im Moment auch nicht und für die nahe Zukunft tut er gut daran, die Bühnen dieser Welt zu meiden. Nach einer angemessenen Frist zum Nachdenken über das Geschehene und glaubhaftem Überarbeiten der eigenen Einstellungen könnte man ihm vielleicht eine Chance geben, denn trotz allem macht er ja gute Musik und Fehler macht jeder mal – auch schwerwiegende. Wichtig ist, was man daraus lernt und wie man Wiedergutmachung leistet.

(Mit Material von Thumb, Gaystarnews, Twitter, Facebook und Stagedoor)

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