Streaming: Apple gegen den Rest.

Nicht jeder mag Apple und schon gar nicht jeder mag die Attitüde, mit der Apple auftritt. Mich als Anwender kotzt dieses “WIR sind Apple, WIR wissen besser, was Du wann wie tun willst” maßlos an. Hipster wollen das nicht verstehen, aber Hipster benutzen den Scheiß auch nicht zum Arbeiten, sondern nur zum angeben. Und jetzt kommt Apple mit einem eigenen Streaming-Dienst um die Ecke. Der ist natürlich das Geilste seit geschnitten Brot – für Apple und seine Fanboys, versteht sich. Gerade Künstler und Labels sehen das ein ganz klein wenig anders.

Jüngstes Beispiel ist Anton Newcombe, Frontmann von Brian Jonestown Massacre. Den kotzt Apple wohl gerade auch ziemlich an. Anton behauptet, Apple habe gedroht, sämtliche Musik seiner Band aus dem iTunes-Store zu verbannen, wenn er nicht zustimmt, jedem Kunden des jetzt bald kommenden endgeilen Streaming-Dienstes seine Musik drei Monate Lang für lau zur Verfügung zu stellen. Für diese Zeit wird die Band keinerlei Einnahmen für das Abspielen ihrer Musik erhalten.

Anton Newcombe, dessen schillernde Persönlichkeit bereits 2004 in der Dokumentation DIG! ausführlich beleuchtet wurde, nennt die Verhandlungstaktiken von Apple “satanisch”. Auf Twitter schrieb er:

(Apple) has a new deal they offered me: they said we want to stream your music free for 3 months..I said what if I say no, and they said ‘we’ll take your music off itunes.’ hard ball? fuck these satanic corporations.

(Anton Newcombe via Twitter am 17.06.2015, hier und hier)

They shouldn’t threaten people to work for free. It’s not ok for these fucking idiots to decide art has no value.

(Anton Newcombe via Twitter am 17.06.2015)

Diese Meinung teilt eine zunehmend größer werdende Schar von Labels und Musikern, die es nicht einsehen, ihre Musik drei Monate lang an einen Streaming-Dienst verschenken zu müssen, ohne dafür irgendeine Gegenleistung zu erhalten. Die australische Handelsvereinigung unabhängiger Musikfirmen, AIR, äußerte sich die Tage besorgt über Apples Ansinnen und teilte seinen Mitgliedern mit, dass AIR dem von Apple angebotenen Deal nicht zustimmen würde. Das US-Amerikanische Pendant dazu, A2IM, alarmierte seine Mitglieder vergangene Woche und warnte davor, dass die Einnahmen durch Verkäufe über iTunes durch Streaming über Apple Music aufgezehrt werden können. Mitglieder sollten sich deshalb gut überlegen, ob sie Apples Vertrag zustimmen.

Justin Vernen, Frontmann von Bon Iver, zeigte sich unbeeindruckt von Apples Angebot, während er gleichzeitig Spotify in höchsten Tönen lobte. Der Vorsitzende der Beggars Group, Martin Mills, nannte den Deal besonders für den Indie-Sektor “raw”.

Apple bestreitet, dass Künstler und Label in Verträge ihres Streaming-Dienstes gezwungen werden. Eddy Cue (Apple Senior Vizepräsident Internet Software und Services) zur Sunday Times:

We’re not telling customers that want to buy that they’re doing the wrong thing, just like we’re not telling artists that want to make their music available for sale that it’s a bad thing.

“Wir sagen den Kunden, die kaufen wollen, nicht, dass sie etwas Falsches tun, genauso wie wir den Künstlern, die ihre Werke zugänglich machen wollen nicht sagen, dass das schlecht ist.” Das kann man auslegen, wie man will, aber es sagt gar nichts über die konkret vorgetragenen Vorwürfe aus. Der Erfahrung nach: Wenn Konzernführende so argumentieren, dann stimmt die Story meistens. Ob man das gut findet, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Meiner ganz privaten Meinung nach braucht diese Welt einen weiteren Streaming-Dienst, noch dazu aus dem Hause speziell dieser Firma, ungefähr genauso dringend, wie noch mehr Banken oder mehr Atomkraftwerke, aber das ist eine andere Geschichte.

Mit Material von Billboard, Sunday Times und Twitter. Bild: Pixabay.com (CC0)

KEINE KOMMENTARE