Totales Handyverbot bei Alicia Keys Konzert

Handyverbot auf Konzerten

Die wartenden Fans vor dem ausverkauften Highline Ballroom in New York staunten nicht schlecht: „Dies ist ein Phone-free Event“, verkündete die Security. Gemeint war damit nicht, das Handy in den Flight-Modus zu schalten. Gemeint war „keine Handys während des Konzerts“. Ein totales Handyverbot. Das Handy kommt ein eine gummierte Tasche, die von der Security verschlossen und dem Gast zurückgegeben wird. Wer sein Handy benutzen will, muss die Tasche von der Security aufschließen lassen. Der Mechanismus erinnert an Sicherungseinrichtungen, wie sie Kaufhäuser benutzen.

Alicia Keys ist nicht die erste Künstlerin, die zu dieser Maßnahme greift, aber sie ist wahrscheinlich die prominenteste. Andere vor ihr waren Dave Chapelle, die Lumineers und Louis C. K. Die Künstler wollen die Oberhand über Aufzeichnungen ihrer Livekonzerte zurückgewinnen, ohne dabei den Weg zu gehen, den bisher manche Künstler wählen, die Handybenutzer bloßzustellen und sie von der Bühne aus direkt anzusprechen.

Abschließbare Tasche zukünftig überall?

Bislang waren diese Taschen eher besonderen Events vorbehalten, zum Beispiel der Chris Rock Warmup Show vor der Oscarverleihung oder dem Reunion-Gig von Guns N‘ Roses im April. Immer mehr Künstler greifen auf diese Maßnahme zurück, um zu verhindern, dass jeder Ton, jeder Akkord in meistens mieser Tonqualität dokumentiert und im Netz verbreitet wird. Der Sänger der Lumineers sagte dazu, dass er bereits alles Mögliche ausprobiert hat. „Wenn Du die Zuhörer anschreist und sie wie Kinder behandelst, dann werden sie sich auch wie Kinder benehmen. Aber eigentlich willst Du, dass sich die Besucher verantwortungsbewusst verhalten, nur wie erreicht man das?“

Die verschließbare Tasche hat zwei Aufgaben. Der Künstler kann neues Material ausprobieren, ohne Gefahr zu laufen, dass das sofort überall hin geleaked wird. Der Zuschauer bekommt durch das Handyverbot auf dem Konzert die Gelegenheit zu begreifen, dass es ein Leben ohne Handy gibt. Ein Konzert kann viel mehr Spass machen, wenn man nicht die ganze Zeit über damit beschäftigt ist, Texte zu schreiben, Fotos zu machen oder Videos zu filmen – sagen die Hersteller und Künstler.

Interessenkonflikt

Natürlich geht es ums Geld. Anhand von Fotos und Videos ist es für Fans viel leichter zu entscheiden, ob sie das Konzert interessieren wird. Gleichzeitig wird dadurch der Markt für den Absatz von Konzert-DVDs kleiner und auch die Presse bedient sich immer wieder gerne bei den Fotos und Aufnahmen des Publikums und umgeht so, die Selektionsmöglichkeiten der Manager und Künstler, was für deren Ruf auch nicht unbedingt ideal ist – siehe zum Beispiel Axl Rose.

Das Publikum argumentiert hingegen, dass ihre Handys ihr „externes Gedächtnis“ sind, multimediale Notizblöcke. Naheliegend deshalb die Denkweise: „Wenn Du nicht willst, dass Deine Musik gehört wird, dann führ sie nicht auf!“ Ein schwer zu lösender Konflikt mit heftig konkurrierenden Interessen. Da der Musikmarkt sowieso schon einer der schwierigsten ist, möchten die Macher und Verantwortlichen so viel Kontrolle wie möglich ausüben und bestimmen, wie Künstler und Musik dargestellt werden. Auch wir hier bei Polyprisma haben bereits Künstler erlebt, die uns in jedes Detail reinreden wollen, was wir wie zu schreiben oder abzulichten haben.

Entsprechend klingt auch die Ansicht des Tourmanagers von Alicia Keys: „Wir wollen nicht, dass beim ersten Mal, wo Du einen der neuen Songs hörst, der klingt wie aus einer Blechdose. Wir haben eine 10 Meter breite Bühne und Du siehst die durch das winzige Display Deines Handys. Wir wollen, dass die Leute zu uns kommen und für einen Augenblick ihr Handy einfach vergessen.“ Klingt verständlich, aber ist es ehrlich?

Am Ende ist es wohl die Frage, was Kunst und Musik wert sind. Wenn ein Album geleaked wird, zerstört das auch die Magie um dieses Album. Das gilt auch für Konzerte und Shows. Andererseits reagieren auch viele genervt, wenn im Konzert neben ihnen jemand ständig mit dem Handy hantiert oder sich das Handy über den Kopf hält und filmt. Aber es stellt sich eben auch die Frage, wem ein Eindruck gehört, wie diese Erinnerung festgehalten werden darf und wer das bestimmen darf. Ob ein Handyverbot der richtige Weg ist? Schwierige Frage.

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(Bildmaterial: OpenIcons / Pixabay CC0, José Goulão / Wikimedia CC2.0)

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