Warum sterben Club-Konzerte?

Eine etwas andere Sichtweise auf eine sehr berechtigte Frage

Bei den Kollegen vom Silence Magazin erschien eine Kolumne mit dem Titel „Das Aussterben von Konzerten“. Der Autor, Hannes, greift die Frage auf, warum Konzerte im kleinen Club so häufig an Gästemangel krankt. Ein wichtiges Thema, das jeden Musikfan, jeden Musiker, jeden Konzertveranstalter und auch Uns angeht. Auch wir beschäftigen uns mit Musik – wer hätte es gedacht?

Warum werden unbekannte Bands nicht unterstützt?

Das Thema ist viel zu wichtig, um es zu ignorieren. Deshalb war es richtig und wichtig, dass jemand den Mut hatte, mit dem Finger auf einige Missstände zu zeigen. Dazu gehören nach Hannes Meinung insbesondere zunehmend leere Clubs und kleine Konzerte ohne Besucher.

Hannes schreibt über Konzerte:

(…) Um mich herum lungern 10 Nasen an der Bar auf Hockern, oder stehen draußen und verzehren ihr mitgebrachtes Bier. In knapp 30 Minuten spielen 2 Bands aus Brasilien (…) sowie eine lokale Band. Es wurde ausgiebig Werbung (…) gemacht. Und doch werden es nicht mehr als 20 Leute sein, von denen die Hälfte erst beim Headliner aufkreuzt, um den Eintritt zu bezahlen. (…)
 
(…) Ein großer Halbkreis bildet sich vor der Bühne (…) der sich bis zum Ende des Konzertes nicht schließen wird. (…) Immerhin sind ein paar Seelen vom Sofa aufgestanden (…) Für einen lachhaften Preis von gerade einmal 5 Euro.

Mit anderen Worten: Hannes meint, dass es an den Bands und der Preisgestaltung nicht liegen kann. Das Problem sind die Gäste und keinesfalls Bands oder Veranstalter. Die Gäste saufen vorher draußen und bleiben während des Konzerts distanziert oder aus Bequemlichkeit gleich ganz zu Hause. Letztendlich sind es die Gäste, die Bands und Veranstaltern das Leben unnötig schwer machen. Eigentlich bräuchten sie doch nur hinzugehen und die Band zu feiern und alles wäre gut.

In vielen Punkten stimmen wir Hannes zu. In einigen Punkten haben wir jedoch eine andere Meinung. Wir sind uns völlig darüber im Klaren, dass auch wir weder alles zu diesem Thema sagen können, noch alles wissen. Auch wir werden Fragen offen lassen. Manches werden wir charmant ausblenden oder ignorieren. Täten wir das nicht, wäre dieser Text noch viel länger, als er es jetzt schon ist. Vielleicht befassen wir uns an anderer Stelle noch mit denen.

Konzerte sterben aus – Fakt oder Fiktion?

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Symbolbild Statistik PolyprismaMit etwas Abstand gelesen geht bei Hannes es im Kern um die Frage, warum Konzerte kleiner und unbekannter Bands immer häufiger scheitern. Als Folge davon werden immer weniger solcher Konzerte veranstaltet, so seine These.

Stimmt das überhaupt? Sterben die kleinen Clubkonzerte aus? Es ist überraschend schwer an belastbare Zahlen heranzukommen. Es kann sein, dass es irgendwo eine nur Insidern zugängliche aktuelle Statistik gibt, die Zahlen und Entwicklungen bei Konzerten detailliert gegenüberstellt.

Die einzige Statistik, die wir dazu gefunden haben, befasst sich mit der Entwicklung der Besucherzahlen bei Konzerten insgesamt und beruht auf „regelmäßigen Umfragen“. Besser als nichts, aber toll geht auch anders.

Basierend auf dieser Statistik, die den Zeitraum von 2012 bis 2016 abdeckt, können wir zumindest eins sagen: Es gehen nicht weniger Leute auf Konzerte. Wie groß die Konzerte sind, was das für Konzerte sind, wo sie veranstaltet werden und so weiter, bleibt allerdings offen.

Aus unseren eigenen Beobachtungen folgern wir, dass es heute mehr Konzerte als „früher“ gibt. Das gilt auch und gerade für kleinere Konzerte und deckt sich mit dem generellen Trend der Branche. Konzerte gelten zurzeit als Haupteinnahmequelle für Bands. Deshalb versuchen Bands so viele Konzerte wie möglich zu machen. Allerdings beobachten wir auch, dass die Anzahl der gescheiterten Konzerte ebenfalls steigt.

Wir haben mit diesem Thema schon seit Jahren unmittelbar zu tun. Wir kennen wir eine ganze Menge Ursachen aus erster Hand, die zum Scheitern gerade kleinerer Konzerte führen. Genau damit beschäftigt sich ja auch Hannes. Wir wollen nicht auf jedes Detail eingehen. Vielleicht widmen wir uns in zukünftigen Artikeln noch anderen Detailfragen. Im Augenblick geht es uns speziell um die Fragen, die Hannes aufwirft.

Vorglühen und Abstand halten

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Im Wirtshausgarten Jan Steen WikimediaDas Thema „Vortrinken“ ist so alt wie das Weggehen selbst. Dazu ist bereits alles gesagt, nur noch nicht von jedem. Darum gehen wir darauf nicht weiter ein. Auch wir erleben das immer wieder. Wir haben allerdings für beide Seiten Verständnis. Der Veranstalter muss wirtschaftlich rechnen, der Gast sieht nicht unbedingt ein für sein „normales Bier“ im Club drei Euro und mehr bezahlen zu müssen, das im Laden vielleicht nur 80 Cent kostet.

Wir sehen auch oft, dass Gäste nicht bis nach vorne an die Bühne gehen. Aber kann man ihnen das wirklich vorwerfen? Wenn die Gäste beim Konzert Hemmungen haben nach vorne an die Bühne zu gehen, dann hat das vielleicht auch mit dem Aufbau zu tun. Vielleicht wollen die Besucher gar nicht so nah ran. Oder vielleicht wollen sie eine Art „Schutzwall“, um ihre Schüchternheit besser verbergen zu können. Vielleicht wissen sie auch einfach nicht, wie nah sie ran dürfen oder sollen.

Unserer Meinung nach ist es falsch dem Gast vorzuwerfen, dass er oder sie nicht auf Tuchfühlung mit der Band gehen will. Für jeden Gast gilt doch: „Wo ich als Gast stehe und Spaß haben möchte, ist meine Sache. Ich bin da, das muss erstmal reichen!“ Oder lässt Du Dir vorschreiben, wann Du wo in der Disse zu tanzen hast? Siehste? Und beim Konzert soll das plötzlich anders sein?

Runter vom Sofa, rein ins Konzert

Dorje ft. Long Road To Ruin Cadillac Oldenburg 19.05.2017 - Polyprisma 34Hannes meint, dass Gäste aus Bequemlichkeit oder Desinteresse zu Hause bleiben. Das greift zu kurz. Es suchen doch alle ständig nach der geilen neuen Mucke, die so richtig zupackt, die alle Knöpfe drückt und genau Dein Ding ist. Da spielt es doch keine Rolle, ob diese Musik von einem Top10 Act oder einer völlig unbekannten Schülerband gespielt wird. Desinteresse an der Musik sehen wir wirklich nicht. Unwissenheit und Fehlinformation begegnen uns dagegen beinahe ständig.

Wir von Polyprisma sind oft auf Konzerten und kennen etliche Veranstalter und Musiker seit langen Jahren persönlich. Auch wir erleben, dass eigentlich vielversprechende Konzerte scheitern, weil die Gäste wegbleiben. Für uns ist das kein brandneues Phänomen.

Seit vielen Jahren beobachten wir immer wieder, dass eigentlich „bombensichere Konzepte“ und „grundsolide, etablierte Veranstaltungen“ beim Gast durchfallen. Bei einigen dieser Flops sind die Ursachen für uns offensichtlich, bei anderen ist es nicht ganz so trivial. Das liegt auch an den völlig unterschiedlichen Interessen, die Veranstalter, Bands und Gäste haben.

Ein totes Pferd reiten

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Pferd Sattel PolyprismaEin funktionierendes Konzept zu verfolgen ist plausibel und richtig. Aber gerade bei Musik droht das Problem des „Auslutschens“. Irgendwann hat man vielleicht einfach genügend Deathmetalbands in „seinem“ Laden erlebt und will auch mal was Anderes hören. Musik ist letztendlich eine Mode und jede Mode nutzt sich irgendwann ab.

Dazu gehört auch die unangenehme Erkenntnis, dass auch Musik dem Zeitgeist folgt. Wenn eine Mode vorbei ist, ziehen entsprechende Veranstaltungen einfach nicht mehr so wie früher. Manche Veranstaltungen haben ihre Zeit einfach hinter sich. Nur die Veranstalter und eine stetig kleiner werdende Gruppe hartgesottener Fans weigern sich vielleicht noch das einzusehen. Das kann man schwer denjenigen Gästen vorwerfen, deren Geschmack sich aus welchen Gründen auch immer ändert.

Aus Sicht des Veranstalters problematisch sind auch Konzerte für eine winzige oder noch schlimmer diffuse Zielgruppe. Es mag ja sein, dass zum Beispiel in Hamburg, München oder Berlin ein Konzert einer Underground-New-Postpunk-Electronic-Core Band mit Goa-Reggae-Ska-Prägung genügend Interessenten anziehen kann. Aber in kleineren Städten sieht das schon ganz anders aus.

Sicher ist es für Fans einer Musikrichtung schwer nachvollziehbar, warum nicht jeder ihre Musik mag. Auch wir stellen uns regelmäßig die Frage, warum diese oder jene Musik nicht ankommt. Wenn sich Veranstalter auf das Risiko einlassen, eine weitgehend unbekannte Band eines obskuren Genres auftreten zu lassen, dann ist das mutig. Die Entscheidung als solche sollte auch entsprechend gewürdigt werden.

Aber auch hier sind Schuldzuweisungen fehl am Platze, wenn ein solches Konzert dann floppt. Bleibt ein solches Konzert zahlenmäßig weit hinter den Erwartungen zurück, darf kein Veranstalter kommentarlos darüber hinweg gehen, sondern muss daraus lernen.

Ja, es geht ums Geld

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? 5 Euro Note Geld MoneyDas finanzielle Risiko des Veranstalters ist real und kein Gerede. Ein oder zwei Konzerte ohne Besucher kann ein Club vielleicht noch verkraften. Aber drei? Vier? Fünf? Da geht es an die Substanz und damit auch an die Existenz. Spätestens dann muss der Veranstalter die Reißleine ziehen und das Genre fallen lassen und auf „sichere Nummern“ zurückgreifen – mit allen Konsequenzen für die Gäste und Newcomer.

Bei der notwendigen Ursachenforschung nach einem gescheiterten Konzert geht es darum herauszufinden, woran es lag. Für den Veranstalter geht es um wirtschaftliche Notwendigkeiten und nicht um Freundschaftsdienste. Deshalb ist es für Veranstalter auch ein sicherer Weg in den Ruin, nur um der Nostalgie willen oder aus Gefälligkeit an einer Musikrichtung festzuhalten. Das wiederum unterschätzen Gäste häufig und nehmen solche Programmänderungen persönlich.

Auch wenn es noch so schmerzt: Eine aus wirtschaftlicher Notwendigkeit getroffene Entscheidung darf kein Gast persönlich nehmen. Es geht nicht um speziell Dich. Es geht um das Große und Ganze. Gerade da ist bei allem Idealismus und Einsatz für die Sache letztendlich das Geld der alles entscheidende Faktor.

Das gilt aber auch für Veranstalter. Wer an einem Konzept festhält, das nur noch von einer Hand voll alter Bekannter besucht wird, um es sich mit genau diesen Bekannten nicht zu verscherzen, hat den falschen Beruf. Stellt sich heraus, dass eine bestimmte Musik einfach nicht genügend Fans mobilisiert, ist dann derjenige schuld, der sich nicht für diese Musik interessiert? Wohl eher nicht.

Terminplanung am Gast vorbei

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Kalender Credit Eric RothermelViele Konzertflops hätten sich leicht mit einem Blick in den Kalender verhindern lassen. Ein Blick in die Zeitung hätte wahrscheinlich ausgereicht um zu sehen, dass an diesem Tag nahezu jeder einen ähnlichen Event laufen hat und sich die Veranstalter gegenseitig die Gäste wegnehmen.

Wir können nicht mehr zählen, wie oft wir uns schon gefragt haben, ob sich bei Veranstaltern Erfindungen wie zum Beispiel unser Veranstaltungskalender noch nicht herumgesprochen haben. Es ist verblüffend, wie viele kleine Konzerte wegen mangelnder Weitsicht gerade bei der Termingestaltung scheitern.

Eigentlich müssten doch gerade kleinere Clubs in diesem Punkt extrem sensibel sein. Wir finden es schon merkwürdig, wie häufig wir an einem Konzertabend die verblüffte Reaktion eines Veranstalters erleben, wenn wir dem erzählen, was denn zeitgleich noch alles in derselben Stadt passiert, während er oder sie davon offensichtlich nichts weiß.

Auch Gäste haben eigene Termine. An diesem Wochenende hat die Schwester Geburtstag, an jenem Abend ist Firmenfeier, etc. Wer will es dem Gast zum Vorwurf machen, wenn in solchen Situationen das Konzert den Kürzeren zieht? Terminprobleme lassen sich nie ganz verhindern. Veranstalter können aber ohne großen Aufwand eine Menge tun, um die größten Probleme dieser Art zu vermeiden.

Wenn zwei das Gleiche tun…

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Mikrofon Credit Elliot SlomanWenn in ein und derselben Stadt am selben Abend zwei nahezu identische Veranstaltungen stattfinden, können sich die Gäste nur falsch entscheiden. Der planerische Fehler liegt nicht beim Gast, sondern beim Veranstalter.

Auch uns ist klar, dass die wirtschaftliche Gesamtsituation nicht immer zu herzlicher Liebe zwischen den Veranstaltern führt. Niemand erwartet, dass Veranstalter in aller Freundschaft untereinander absprechen, wer wann welchen Event fährt.

Es ist auch klar, warum jeder Veranstalter zuerst an sich und seine eigene Location denkt. Darum ist es nicht die Schuld der Gäste, wenn die Veranstalter genau das tun und sich gleichzeitig über leere Hallen wundern.

Der Alltag ist übersättig mit Musik

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Schallplatten Credit Clem OnojeghuoEs ist kein Geheimnis, dass der Musikmarkt übersättigt ist. Welche Dimension diese Übersättigung inzwischen hat, ist allerdings vielen gar nicht klar. Der Bundesverband der Musikindustrie (BVMI) nennt für das Jahr 2016 beispielsweise alleine im Genre Pop 16.327 neu veröffentlichte Alben. Sechzehntausend Alben. Nur Pop. In nur einem Jahr.

Obwohl der BVMI in seinem Jahrbuch 2016 für die anderen Genres keine Zahlen nennt, werden alle Genres zusammen im Jahr 2016 vermutlich auf über 30.000 veröffentlichte Alben kommen. Auch das lässt sich aus dem Jahrbuch des BVMI schließen. Das sind rein rechnerisch mehr als achtzig Alben pro Tag. Jeden Tag wird mehr Musik veröffentlicht, als man überhaupt hören kann.

Von einer „Übersättigung“ zu sprechen, ist angesichts solcher Zahlen schon fast euphemistisch. Wir alle werden rund um die Uhr mit Musik bombardiert – leider meistens auch noch mit demselben Zeug. Entweder ist es der letzte Hit, den wir freiwillig nie hören wollten, schon gar nicht so oft. Oder es ist derselbe Quatsch, den wir auch schon vor fünf oder zehn Jahren gehört haben.

Wir kennen einige Musikfans, die deshalb inzwischen ganz bewusst ausschalten und zeitweise gar keine Musik mehr hören wollen. Das ist für uns völlig verständlich und nachvollziehbar. Aus demselben Grund sind diese Menschen auch extrem wählerisch geworden, was Konzerte angeht.

Es geht um meinen Geschmack – Bin ich deshalb Schuld?

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Weintrauben Credit Maja PetricWas einen Gast dazu motiviert, auf ein Konzert zu gehen, ist letztendlich eine Frage des individuellen Geschmacks. Gerade bei Musik. Warum soll ich auf ein Konzert einer Band gehen, deren Genre ich nicht mag? Warum soll ich zum Beispiel auf das Konzert einer Rap-Formation gehen, wenn ich Rap auf den Tod nicht leiden kann?

Wenn ich vorher schon weiß, dass ich darauf keinen Bock habe, warum soll ich dann meine Freizeit und mein Geld zum Fenster rauswerfen? Am Ende entscheide ich darüber was ich mag und was nicht. Dabei hat Objektivität wenig zu melden.

Auch deshalb haben so wenige Lust auf Risiko zu setzen und Konzerte zu besuchen, deren Ankündigung ihnen nichts – oder schlimmer noch – das Falsche sagt. Für uns ist deshalb nicht der Gast „schuld“. In diesem Punkt widersprechen wir Hannes. Der Gast ist für seine Entscheidung alleine verantwortlich und nur dafür. Es sind seine Zeit und sein Geld. Beides ist kostbar.

Wenn mein Angebot als Band oder Veranstalter beim Gast nicht verfängt, dann ist das nicht dessen „Schuld“, sondern dessen Entscheidung. Das mag nach Haarspalterei klingen, aber es geht um den Blickwinkel. Der Gast ist nicht der Feind des Veranstalters, sondern sein Kunde. Darum muss nicht etwa der Gast liefern, sondern Band und Veranstalter müssen liefern. Gast kann das Angebot annehmen, er muss es aber nicht.

Information und Kommunikation – Leider oft nicht so geil

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Kommunikation credit Les AndersonSelbst wenn eine Band noch so geile Musik macht, handwerklich top of the top ist, was bringt es, wenn der Gast davon nichts weiß? Selbst in unserer Position als Musikmagazin und Radio haben wir teilweise erhebliche Probleme, überhaupt von neuer Musik zu erfahren. Und wir machen das Vollzeit.

Von uns als „Profis“ zu erwarten, dass wir Labels und Veröffentlichungen hinterherlaufen, ist noch ansatzweise nachvollziehbar. Aber dasselbe von zahlenden Gästen zu erwarten, ist falsch. Wieviel Zeit und Mühe soll der Gast denn bitte aufwenden, um „seinen“ Event zu entdecken?

Sich auf ein einziges Medium zu konzentrieren, um seine Events und Konzerte anzukündigen, kann heute nicht mehr funktionieren. Zwar hat Facebook unfassbar viele Nutzer, aber wer bekommt wirklich alles zu sehen, was dort gepostet wird? Benutzt meine Zielgruppe Facebook überhaupt? Weiß ich eigentlich, wer meine Zielgruppe ist?

Es mag vielleicht blöd klingen, aber Zeitungen und Radios sollten auch heute nicht unterschätzt werden. Dasselbe gilt für Online-Magazine wie zum Beispiel Polyprisma. Die US-Army hat dazu einen einfachen und zutreffenden Merksatz geprägt: Die Kräfte verteilen und das Feuer konzentrieren. Nicht anders herum.

Werbung ist Information und Kommunikation

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Quo Vadis Bar Schild credit Joshua K. JacksonEin altes Sprichwort der Branche lautet: „Wer nicht wirbt, stirbt.“ Das hat sich wieder und wieder bestätigt. Ohne Werbung funktioniert das Ganze nicht. Auch hier müssen Bands und Veranstalter umdenken.

Wenn ich als Band oder Veranstalter ein paar potenzielle Gäste nicht erreiche, okay. Das ist dann halt so. Aber wenn mir immer wieder die Gäste wegbleiben, dann liegt es vielleicht doch an anderen Dingen.

Früher stachen Musik und gerade Konzerte als etwas Besonderes aus der Masse heraus. „Heute Konzert“ war genug Ankündigung und die Leute kamen. Heute ist das anders. Das bedeutet aber auch, dass sich die Werbung für Konzerte dem Verhalten und den Erwartungen der Gäste anpassen muss.

Es reicht eben nicht aus, eine Ankündigung auf Facebook nur mit dem Namen der Band zu posten und dann zu erwarten, dass jeder Bescheid weiß und die Hütte von alleine voll wird. Dasselbe gilt aber auch für Flyer, Poster und so weiter.

Manche Veranstalter haben auch die für uns schwer nachvollziehbare Neigung, ihre Ankündigungen gut zu verstecken. „Wieso? Das Plakat hing doch bei uns?“ Uns fällt dazu spontan in Anlehnung an Douglas Adams – Per Anhalter Durch Die Galaxis ein:

„Die Ankündigung des Konzerts hing aus. Im Keller. Ohne Licht. Am Ende einer kaputten Treppe. Hinter einer verschlossenen Tür mit der Aufschrift ‚Vorsicht, bissiger Leopard!'“

Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Figures of Light First Concert Poster Credit Wheeler Winston DixonDer Alltag ist vollgestopft mit Werbung. Die meiste Werbung geht deshalb einfach unter und wird nicht wahrgenommen. Lieblos dahingestümperte Werbung geht deshalb erst recht unter. Es reicht nicht aus, ein gutes Produkt zu haben. Es muss auch entsprechend bekannt gemacht werden. Gerade kleinere Clubs (oder Locations, Venues) und junge, unerfahrene Bands haben hier häufig Defizite, weil sie das Thema Werbung völlig unterschätzen.

Wir sehen immer wieder Ankündigungen für Konzerte, die in den 1980er Jahren vielleicht noch funktioniert haben. Heute sind emotionslose Textwüsten als Konzertankündigung einfach nicht mehr zeitgemäß. Viel zu selten verfassen Profis solche Pressetexte, oft aus vorgeschobenen finanziellen Überlegungen. Entsprechend oft fehlen fundamental wichtige Informationen wie zum Beispiel Door Open, Konzertbeginn, Eintrittspreise, Dauer, wo gibt es Karten, gibt es eine Abendkasse.

Wenn Werbung handwerklich schlecht gemacht ist, egal ob von der Band oder vom Veranstalter, wird eine tolle Band scheiße angekündigt und das Konzert ein Flop. Was ist da wohl teurer? Manchen Bands ist das vielleicht nicht bewusst. Einigen Veranstaltern ist das vielleicht egal.

Tatsache ist aber, dass Werbung heute kein Thema mehr ist, dass man „mal eben nebenbei“ bewältigen kann. Wer ein schlechtes Werbekonzept hat, braucht sich am Ende über mangelnde Aufmerksamkeit und ausbleibende Kunden nicht zu wundern.

Angebot, Nachfrage und Qualität

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Stage Door credit Seabass CreativesEin Grundsatz der Wirtschaft ist, dass jedes Angebot seine eigene Nachfrage erzeugt (Jean-Baptiste Say). Allerdings erzeugt nicht jedes Angebot eine Nachfrage, die wirtschaftlich tragfähig ist. Klar, Nachwuchsbands müssen Raum und Gelegenheit bekommen sich und ihre Musik vorzustellen. Aber wer permanent nur völlig unbekannte Nachwuchsbands mit zweifelhaftem Reifegrad auf die Bühne holt, sollte sich vielleicht nicht darüber wundern, wenn irgendwann keine Gäste mehr kommen.

Machen wir uns nichts vor: Längst nicht jede Nachwuchsband ist schon gut genug, um einen Abend zu reißen. Drei „noch nicht gut genug“-Bands an einem Abend sind selbst für uns schwer zu verdauen und wir sind echt offen und hartgesotten. Dazu kommt, dass häufig gerade Nachwuchsbands eine extrem anstrengende Attitüde an den Tag legen, die dem Gast den Abend auch nicht gerade verschönert.

Malen wir das Bild mal zu Ende. Die kleine Location kündigt in ihrem typisch unzulänglichen, aber eben gewohnten und deshalb auch irgendwie charmanten Stil einen Konzertabend an. Das angekündigte Konzert kann vom Text her alles sein, denn natürlich sind alle Bands total toll und deren Musik das Geilste seit geschnitten Brot. Zahlender Gast geht hin und erlebt besagte drei „aufstrebende Newcomer“, die eigentlich noch ein paar Jahre auf die Weide gehören.

Ganz ehrlich? Als zahlender Gast wäre ich nach so einem Abend wahrscheinlich etwas angepisst. Ich würde mir schwer überlegen, da so schnell nochmal „auf Risiko“ hinzugehen. Oft wird unterschätzt, dass beim Gast eben nicht nur hängen bleibt, dass diese und jene Band nicht so der Bringer war. Der Gast merkt sich eben auch: „Das Konzert in Club XY war nix.“ Spätestens nach dem dritten Erlebnis dieser Art wird daraus pauschal „Konzerte in Club XY taugen nicht“.

Das wäre ja noch halbwegs erträglich, wenn das auf einen Gast beschränkt bliebe. Die Crux ist jedoch, dass Menschen miteinander reden und ihre Erlebnisse weitergeben. Wenn mir eine gute Bekannte erzählt, wie sie eine Veranstaltung irgendwo fand, hat das eben doch eine ganz andere Wirkung. Im Positiven wie im Negativen.

Warum kommt meine Lieblingsband eigentlich nie in meine Stadt?

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Musiker credit Karim BoubkerWir haben oft Kontakt zu Musikern und Tourmanagern, Labels und generell zu Menschen, die dafür sorgen, dass irgendwo Musik passiert. Immer wieder erleben wir, dass eine Band um „unsere“ Stadt einen Bogen macht. Wir haben viel Zeit und Mühe aufgewendet, um herauszufinden, woran das liegt.

Es gibt eine Hand voll Bands, die einfach eine Abneigung gegen diese Stadt haben. Warum auch immer, aber das ist dann eben so. Konzert scheiße gelaufen, Stress mit dem Veranstalter, irgendwas. Die Liste der Gründe ist vielfältig.

Aber von den Musikern, Managern, Labels etc., die hier nicht auftreten und keine Abneigung gegen die Stadt haben, kam und kommt immer wieder ein und dieselbe Antwort:

„Wir werden nicht angefragt.“

Daraufhin haben wir Veranstalter vor Ort gefragt: „Warum bucht ihr nicht mal Band XYZ?“ Die Antwort ist fast immer eine von zwei Optionen. Entweder:

„Sowas funktioniert hier nicht.“

Oder:

„Die haben sich bei uns nicht gemeldet.“

„Funktioniert hier nicht“ bedeutet nichts anderes als: „Ich glaube, die Gäste wollen das nicht hören“. Glauben ist nicht Wissen. Wir fragen wegen der von uns vorgeschlagenen Bands in unserem erweiterten Dunstkreis herum. Die Gäste reagieren fast immer gleich, unabhängig vom Genre und unserem Geschmack: „Och, wenn die hier mal hin kämen, das wäre schon geil, da würde ich auch hingehen.“

Wenn dann besagte aber eben nicht gebuchte Band in der Nachbarstadt das Konzert des Jahres abliefert, von dem selbst der Hund der Nachbarin des Postboten des Getränkelieferanten der Tante vom Gaderobenmenschen noch erzählt, heißt es fast immer von den Verantwortlichen: „Die kommen hier ja sowieso nicht hin“ oder aber: „Die haben sich ja nicht bei uns gemeldet.“ Beide Reaktionen erleben wir regelmäßig.

Wir haben den Verdacht, dass Kommunikation mit Gästen und Bands sehr häufig unterschätzt und gleichzeitig das Bauchgefühl ebenso häufig überschätzt wird. Bleibt der Laden leer, weil keine bekannten Acts kommen, sollte man als Veranstalter vielleicht mal aufhören, auf den eigenen Händen zu sitzen. Auch richtig bekannte Bands wollen häufig gerne mal wieder in kleinen Läden spielen, wie wir gerade von solchen Bands immer wieder im persönlichen Gespräch gesagt bekommen.

Das liebe Geld… (mal wieder)

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Geld Money credit Jeremy PaigeWir verstehen, dass Veranstalter unter starkem wirtschaftlichen Druck stehen. Nicht immer ist derjenige, der Bands für eine Location bucht, so frei in seiner Entscheidungsfindung, wie er oder sie gerne wäre. Ist uns alles klar. Aber erst eine Band nicht zu buchen, „weil das ja nicht funktioniert“ und dann zu sagen „die kommen eh nicht zu uns“ ist eine irgendwie seltsame Argumentation.

Ein gewisses Risiko muss jeder Veranstalter eingehen. Das bedeutet aber auch, dass Veranstalter sich nicht zu sehr auf eine Schiene festlegen dürfen, denn: Musik ist eine Mode. Siehe Oben. Abwechslung ist notwendig, sonst wird es für den Gast langweilig und führt auch zu falschen Annahmen: „Ah, Laden XY macht Konzert. Bestimmt wieder Techno…“ Wenn sich dann die Mode dreht und Techno nicht mehr angesagt ist, kann das dem Laden das wirtschaftliche Genick brechen.

Wir haben auch den Verdacht, dass Veranstalter häufig in die Falle ihres eigenen Geschmacks tappen: „Mag ich nicht – buche ich nicht.“ Ja, das haben wir genau so schon wörtlich von Veranstaltern gehört. Ja, pauschal auf ganze Genres bezogen. Nicht nur in dieser Stadt. Es sind dann aber seltsamerweise auch oft genau diejenigen Veranstalter, die sich über ausbleibende Gäste beschweren und den Gästen die Schuld geben.

… und die Preise

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs? Kasse Cash Register credit Andrew BranchDie Preisgestaltung ist für alle ein Problem. Musiker müssen oder sollten zumindest ihr Spritgeld wieder sehen. Die Location und der Veranstalter müssen Pacht und Personal bezahlen. Gäste dagegen nehmen nur ungern einen Kredit für ein Konzert auf. Es muss also ein Mittelweg gefunden werden, der alle Interessen berücksichtigt.

Der Preis weckt aber auch Erwartungen: Wenn wir grade mal fünf Euro für drei Bands auf den Tisch legen, dann kann das keine Ausgaben decken. Da wird Musik verramscht. Was können wir da schon für Bands erwarten? Arch Enemy, Kanye West oder Bruce Springsteen sicher nicht. Lohnt es sich wirklich, dafür zum Club zu fahren?

Legen wir dagegen ’n Fuffi auf den Tisch, dann erwarten wir großes Kino – beziehungsweise Musik. Das sollte dann auch kommen, denn viele Menschen können sich solche Ausgaben nicht mehrfach monatlich leisten, ohne woanders Abstriche zu machen. Wessen Laune wäre nicht etwas belastet, wenn für 50 Euro doch nur die Aushilfsband der Mittelstufe auftritt, dafür aber ohne Tontechniker und Beleuchter?

Es muss nicht immer die modernste Ausstattung sein. Es muss nicht immer die allerneueste Anlage sein. Auch muss es nicht immer der absolute Top Act sein. Aber Sauberkeit, Freundlichkeit und Professionalität machen sehr viel aus, gerade beim Gast. Siffiges Klo? Faules Personal? Motzende Kassierer? Glaub ja nicht, dass wir wieder kommen.

Sprachlos.

Warum sterben Konzerte in kleinen Clubs?SprachlosUns, die wir Musik aus einer ganz anderen Perspektive sehen und erleben und deshalb mit Musik auch völlig anders umgehen, macht das schon etwas sprachlos. Der Veranstalter zeigt auf den Gast und die Band. Der Gast zeigt auf die Band und den Veranstalter. Die Band wiederum zeigt auf den Veranstalter und den Gast.

Wir fragen uns immer wieder, ob es vielleicht schon mal jemandem in den Sinn gekommen ist, sich erstmal an die eigene Nase zu fassen und dann miteinander statt übereinander zu reden?

Wahrscheinlich sind wir dafür aber zu oldschool.

Foto Credits:
Lee Adlaf, Wikimedia, Frank Braade, Eric Rothermel, Elliot Sloman, Clem Onojeghuo, Maja Petric, Wheeler Winston Dixon, Seabass Creatives, Karim Boubker, Joshua K. Jackson, Andrew Branch, Jeremy Paige

2 KOMMENTARE

  1. Hallo liebes Polyprisma- Team. Zuerst bedanke ich mich für das aufgreifen meines Artikels und freue mich das ihr daraus eine weitere Sichtweise gestrickt habt :) Nun zum eigentlichen: Der Artikel ist an manchen Stellen bewusst übertrieben geschrieben. Dennoch zeigt der Alltag mit seinem Überangebot (was ich erwähnte), sehr wohl, wie Konzerte immer weniger in den Städten stattfinden können. Egal om Rock/Metal oder auch Pop (alles Genre’s die wir zum Beispiel in unserem Club verwenden und definitiv mir zu 80% egal sind. Aber funktionieren), die Menschen sind zu verwöhnt. Da hilft es traurigerweise nicht mal wenn „bekanntere“ Bands spielen. Anderes Thema:Veranstaltungskalender? Ha! Schöne Vorstellung. Bei uns gibt es ihn, aber die wenigsten nutzen ihn, da das Verhalten einiger Clubs an Firmendenken grenzt. Da reden wir nicht mal von der Discothek sondern vom großen Partyschuppen bis hin zum besetzten Haus. Und irgendwann beißt man in den sauren Apfel und macht eine Veranstaltung an einem Tag, wo andere auch veranstalten (wobei ich zum beispiel sehr darauf bedacht bin, nicht die gleiche soße zu kochen wie andere ;-) ). Thema Besucher: Natürlich müssen sie nicht zwangsweise vor dem Musiker stehen, allerdings wirkt es bei wenigen Gästen eher beschämend , wenn sie fast an der Eingangstür lungern. Warum kommt da Niemand auf die Idee zu sagen: „Mensch ich zeige ein wenig Courage und stelle mich nach vorne?“. Alles Kann nix muss ;-) Thema „Trend/Ausgelutschtes Thema“: Auch hier probieren wir uns aus. Sei es meine Wenigkeit im Club, oder andere Veranstalter. Wie oben erwähnt: egal ob Pop Rock, Black Metal, oder auch Hardcore. Für meine Begriffe gibt es eine Menge an Leuten, die ein buntes Programm auf die Beine stellen und eben die Monotonie vermeiden wollen. Jedoch bezieht sich der Artikel auf „Metal“, da ich für ein (na…Überraschung) Metalmagazin schreibe. Eine Art der Musik die durchaus trendige Merkmale aufweist, jedoch neben Schlager die wohl treuesten Fans aufweisen kann. In poppigen Gefilden sieht es da schon ganz anders aus. Wenn ein Stil erfolgreich ist, nutzt man inh sicherlich aus, aber manchmal ist es auch ein Statement zu sagen: „Nee heute wieder Metal!“. Klar, da wundert man sich eher eniger, wenn dann kaum Leute aufkreuzen :D Stichwort „Verplant“: Ich meine dazu auch etwas geschrieben zu haben. Etwas in der Drehe von „Nicht weil es mich stört, dass meine Mitmenschen andere Termine haben, oder kein Geld für solche Veranstaltungen. Sondern weil sie übersättigt sind vom Überangebot.“. Wo nehmt ihr als die Aussage her, dass ich dem Gast es anlaste das er/sie/es keine Zeit/kein Geld hat? Der eigene Geschmack zählt am Ende, das ist korrekt. Und ein Veranstalter muss das am Ende akzeptieren, keine Frage. Trotzdem kann man sich darüber aufregen und/oder mit anderen diskutieren und an einer Lösung arbeiten. Meine Aussage dazu sollte eines verdeutlichen: Geh doch mal aus deinem Safe Space raus. Trau dich mal was neues. Überrasch dich mal. Anscheinend sind viele Menschen zu so etwas nicht mehr fähig. Faulheit und Routine in meinen Augen. Zeit ist kostbar, natürlich. Aber dann gehe ich lieber auf ein Konzert, als auf dem Sofa neue Löcher zu furzen und nix zu tun. Auch auf die Gefahr hin, das mal ein paar Bands nicht „das neue Rad“ erfinden. Auch wenn danach die berechtigte Meinung „Ab in den Proberaum“ herrschen kann. Nun, jetzt habe ich doch wieder viel zu viel geschrieben. Musste aber anscheinend raus :) Vielleicht sieht man sich ja mal auf einem Konzert, dann kann man das perönlich bequatschen. Old School pur….. Jedenfalls: Danke für eine neue Sichtweise und DANKE für das teilen des Artikels :) Weiter so!

    • >> Dennoch zeigt der Alltag mit seinem Überangebot (was ich erwähnte), sehr wohl, wie Konzerte immer weniger in den Städten stattfinden können. (…) die Menschen sind zu verwöhnt.

      Verzeih, aber das ergibt keinen Sinn. Dntweder gibt es ein zu großes Angebot, was bedeutet, das zu viele Konzerte stattfinden, wodurch die Menschen „verwöhnt“ sind. Oder es gibt zu wenige Konzerte, was dann aber kein Überangebot sein kann. Meinst Du eventuell etwas ganz anderes als Du schreibst?

      >> Veranstaltungskalender? Ha! Schöne Vorstellung. Bei uns gibt es ihn, aber die wenigsten nutzen ihn, da das Verhalten einiger Clubs an Firmendenken grenzt.

      Ganz unser Reden. Das Brett vorm Kopf der Veranstalter und das an Borniertheit grenzende verharren in der eigenen Badewanne kennen wir nur zur Genüge aus viel zu vielen Städten. Allerdings kennen wir auch das Gejammer, wenn es dann heißt „Wie? Heute? Der auch? Das wusste ich nicht!“ – und genau das prangern wir an.

      >> Thema Besucher: Natürlich müssen sie nicht zwangsweise vor dem Musiker stehen, allerdings wirkt es bei wenigen Gästen eher beschämend , wenn sie fast an der Eingangstür lungern. Warum kommt da Niemand auf die Idee zu sagen: „Mensch ich zeige ein wenig Courage und stelle mich nach vorne?“

      Weil sie nicht wollen? Weil sie sich nicht trauen? Der Gast will die Band im Rampenlicht sehen, aber nicht selber im Rampenlich stehen. Wenn ich nicht gerade Konzertfotos mache, stehe ich auch nicht vorne an der Bühne rum, egal wie voll oder leer es ist, weil ich mich da vorne unwohl fühle – je leerer es ist, desto unwohler fühle ich mich dort. Mit der Band als solcher hat das nichts zu tun.

      >> Thema „Trend/Ausgelutschtes Thema“: (…) Jedoch bezieht sich der Artikel auf „Metal“(…) Eine Art der Musik die durchaus trendige Merkmale aufweist (…) Wenn ein Stil erfolgreich ist, nutzt man inh sicherlich aus, aber manchmal ist es auch ein Statement zu sagen: „Nee heute wieder Metal!“. Klar, da wundert man sich eher eniger, wenn dann kaum Leute aufkreuzen

      Wir erleben mehr Flopps im Bereich Metal als in anderen Genres. Wir hören auch von vielen, dass die einfach keinen Bock mehr auf das ewig Gleiche Geballer / Gedresche / Gekreische haben und gerade deshalb Metal-Gigs fern bleiben. Unsere Erfahrung ist: Je härter oder extremer das Genre, desto weniger Gäste. Wenn Du jetzt sagst, dass es Dich nicht wundert, wenn da die Leute wegbleiben, dann ergibt Deine Kritik noch viel weniger Sinn.

      >> Wo nehmt ihr als die Aussage her, dass ich dem Gast es anlaste das er/sie/es keine Zeit/kein Geld hat?

      Wo schreiben wir, dass Du das behauptest?

      >> Der eigene Geschmack zählt am Ende, das ist korrekt. Und ein Veranstalter muss das am Ende akzeptieren, keine Frage. Trotzdem kann man sich darüber aufregen und/oder mit anderen diskutieren und an einer Lösung arbeiten.

      Wir finden es schwierig, den Lösungsansatz darin zu suchen, dem Gast die Alleinschuld zu geben.

      >> Meine Aussage dazu sollte eines verdeutlichen: Geh doch mal aus deinem Safe Space raus. Trau dich mal was neues. Überrasch dich mal. Anscheinend sind viele Menschen zu so etwas nicht mehr fähig. Faulheit und Routine in meinen Augen. Zeit ist kostbar, natürlich. Aber dann gehe ich lieber auf ein Konzert, als auf dem Sofa neue Löcher zu furzen und nix zu tun.

      Das ist eine durchaus valide und gültige Sichtweise. Andere haben aber andere Sichtweisen und für die stehen Konzerte eben nicht so weit oben in der Liste der Prioritäten. Gründe dafür sind eben auch das Überangebot an Musik generell, aber auch Fehler seitens der Veranstalter, sei es Werbung oder Fehlplanung oder eben andere Dinge – wie wir im Text geschrieben haben.

      >> Jedenfalls: Danke für eine neue Sichtweise und DANKE für das teilen des Artikels :) Weiter so!
      Die Freude könnte ganz auf unserer Seite sein, wenn Du / Ihr ebenfalls…

      Egal wie: Danke für Deine Antwort.

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