Steven Wilson – 4 1/2: Monumental EP

Ein Musiker mit 48-Stunden-Tagen

Wie jetzt? Nach “Hand.Cannot.Erase.” (2015) und “The Raven That Refused To Sing” (2013), etlichen Remaster-Arbeiten bei Gentle Giant, King Crimson und wie sie alle heißen, bringt Steven Wilson noch eine EP heraus? Wieviele Stunden hat sein Tag? 48? Das Album, eigentlich mehr eine EP, heißt “4 1/2”, weil sie ein Übergangsalbum, eine Zwischenlösung ist zwischen “Hand.Cannot.Erase” und seinem nächsten Album.

4 1/2

Sechs Tracks fasst Steven Wilson auf dieser Scheibe zusammen. Gefühlt eine Mischung aus Sessions der beiden erstgenannten Alben und ein Remake von Porcupine Tree. Wer bei “4 1/2” einen halbgaren Aufguss vermutet, liegt daneben. Weit daneben. Ja, 4 1/2 ist schon ein wenig Recycling, oder “Resteverwertung”, wie Böse Zungen sagen möchten. Aber was Steven Wilson hier präsentiert ist ganz weit vorne in der Progressive Liga. Was Steven Wilson hier vielleicht “mal eben so” zusammen getackert hat, lässt viele – um nicht zu sagen: die meisten – anderen Bands dieses Genres ganz schön blass dastehen.

Die sechs Tracks harmonieren kolossal. Jeder Song eine Momentaufnahme, die für sich stehen kann, aber zusammen mit den anderen eine Geschichte bildet, die jeder für sich emotional mit Leben füllen kann. Die Bilder vor dem geistigen Auge entstehen wie von selbst, fast automatisch. Der sanft-melancholische Unterton des Albums ist das Fundament, auf dem die Musik aufbaut, ihre Themen entwickelt, die wiederum das Kopfkino anwerfen.

Zwar ist der Opener “My Book Of Regrets” von “4 1/2” manchen schon aus dem Liveprogramm bekannt und “Don’t Hate Me” ist eine neue Interpretation des Porcupine-Tree-Songs von “Hand.Cannot.Erase”. Aber diese Versionen sind klasse und flankieren eine EP, die mehr ist, als manch anderer Release in Albumformat.

Steven Wilson – 4 1/2 ist erschienen am 22.01.2016 bei Kscope / Edel

Webseite von Steven Wilson: http://stevenwilsonhq.com/

KEINE KOMMENTARE