Ex Kraftwerk Mitglied Karl Bartos kündigt „Communication“ an

„Communication“ heißt das erste, wirkliche Soloalbum des ex-Kraftwerkers Karl Bartos, das 2003 erschien – 13 Jahre nach seinem Ausstieg bei den Düsseldorfer Elektronikern Kraftwerk. Das Thema des Konzeptalbums: Kommunikation in Zeiten elektronischer Medien. Komplett remastert und mit „Camera Obscura“ als Bonustrack wird es jetzt wiederveröffentlicht.

Im Jahr 2016 hat dieses Thema an Dringlichkeit und Wahrhaftigkeit nichts eingebüßt. Ganz im Gegenteil. Heute ist die Medienwelt, die das Album beschreibt, Realität geworden. „Communication“ ist ein Klassiker mit hoher Brisanz für die aktuelle Gegenwart. Dies allein würde den Re-Release von „Communication“ mehr als rechtfertigen. Aber es gibt auch einen viel profaneren Grund.

„Communication handelt davon, wie Bilder unsere Sicht auf die Welt bestimmen und wie sich durch elektronische Medien die Inhalte unserer Kultur verändern.“
(Karl Bartos, 2003)

„Communication“ ist keine bloße Wiederveröffentlichung. Es ist der Reload eines Pop-Klassikers, der heute thematisch aktueller ist denn je und musikalisch nichts an Kraft und ungebremster Freude am Musikmachen vermissen lässt. Die Reaktionen des Publikums seiner Konzerte sind dementsprechend enthusiastisch. „Communication“ ist auch keine bloße Wiederveröffentlichung, weil das Album einmal mehr zeigt, dass Bartos seine eigene Musiksprache gefunden hat – unabhängig von Zeitgeist oder musikalischen Moden. Ein zeitloses Statement auf allen Ebenen. Obwohl zehn Jahre früher erschienen, kann „Communication“ nahtlos an Karl Bartos letztes Album „Off The Record“ (2013) anschließen.

„Es ist nicht die Aufgabe von Musik, modisch zu sein. Ihr Sinn ist die Kommunikation zwischen den Menschen.“
(Karl Bartos, 2016)

Das verlorene Album

Karl Bartos Credit Patrick BeerhorstIronie des Schicksals oder dummer Zufall? Fakt ist, dass die ehemaligen Kraftwerk-Kollegen einen Monat vor der Veröffentlichung von „Communication“ ihr eigenes, erstes Album nach über zehn Jahren Pause und Bartos Ausstieg veröffentlichten. Klar, dass sich die geballte Medienaufmerksamkeit auf „Tour de France Soundtracks“ richtete. Da half es auch nicht, das Bartos einer der co-Autoren des Kraftwerk-Klassikers „Tour de France“ ist – neben „Das Model“, „Die Roboter“, „Nummern“ oder „Taschenrechner“, um nur einige der Titel zu nennen, die während der Zeit des classic-line-up von 1975 bis 1990 entstanden. Bis heute gilt „der zweite von links“ als der Melody-Maker der signifikanten Alben „Die Mensch-Maschine“ (1978) und „Computerwelt“ (1981).

Personalwechsel und Einsparungen innerhalb der Plattenfirma Sony erschwerten die Promotion der Bartos-Veröffentlichung zusätzlich. Durch die Synchronität der beiden Album-Veröffentlichungen sowie des beginnenden Zusammenbruchs der Musikindustrie konnte das neue Bartos-Album nicht die Dynamik entwickeln, die es verdient hätte. Und so zeugt es von großer Selbstironie, dass „Communication“ intern oft als „The lost Album“ bezeichnet wird.

Untätig war Bartos bis dahin jedoch auch nicht. Unter dem Projektnamen Electric Music veröffentlichte er die beiden Alben „Esperanto“ (1993) und „Electric Music“ (1998), 1995/1996 komponierte er zusammen mit Bernard Sumner (New Order) und Johnny Marr (ex-The Smith) das zweite Electronic-Album „Raise the Pressure“. Zwischendurch schrieb er Songs für und mit Andy McCluskey (OMD) und arbeitete international als Produzent.

„Communication“ produzierte Bartos zwischen August 2002 und Januar 2003 gemeinsam mit dem Toningenieur Mathias Black in seinem Hamburger Studio. Konzipiert hatte er es jedoch bereits um die Jahrtausendwende als Reaktion auf den allumfassenden Einfluss digitaler Medien auf die Gesellschaft, auf das Kulturbewusstsein und die Kommunikation, Basis allen menschlichen Miteinanders.

Communication reloaded

Karl Bartos Credit Jann KleeBereits im Jahr 2000 erschien mit dem programmatischen „15 Minutes Of Fame“ die Single als Ausblick auf das kommende 2003er Album – erstmals unter seinem eigenen Namen. Inspiriert von Andy Warhols Statement „In the future, everyone will be worldfamous for 15 Minutes“ kommentiert Bartos hier die zunehmende Celebrity-Kultur – ausgelöst durch Casting-Shows, Container-Formate, Kochsendungen etc. Berühmt kann jeder werden oder wieder sein: mit Singen, Tanzen, Kochen, Abnehmen oder im Dschungel-Überleben. Da ist es am Ende kein Unterschied, ob die Paparazzi einen C-Promi oder Princess Diana wegen eines Fotos jagen.

„Communication“ setzt diesen Ansatz weiter fort, erweitert ihn um viele Aspekte der neuen Medienrealität. „I’m The Message“ ist der CI-Song für Bartos audiovisuelle Live Show mit eigenen Filmen, die er seitdem international präsentiert. Und er kann auch als Credo seiner Arbeit verstanden werden: in Bild und Ton.

Für das Album konzipierte der ex-Kraftwerker Bartos eine piktografische Bildsprache, die die Hamburger Agentur für Kommunikation Weissraum weiterentwickelte und in allen Formaten gestaltete. Piktogramme waren für Bartos das geeignete Mittel der grafischen Umsetzung, da sie mit einfachen Symbolen Information vermitteln. Auch die Regie für das piktografische Animationsvideo zu „I’m The Message“ übernahmen Weissraum. Ihre Arbeit wurde anschließend mit zahlreichen internationalen Design- und Kommunikations-Preisen ausgezeichnet.

Wie schon bei „15 Minutes Of Fame“ widmet sich Bartos in Interview der Celebrity-Kultur. Ein Dada-Text. Kein Plan, nur Zufall und Willkür. Wie beim Zappen durch die Fernsehkanäle.

„Cyberspace“ und „Electronic Apeman“ thematisieren in fast schon romantischer Tonsprache den Umgang mit den elektronischen Medien, während The Camera, Another Reality und Ultraviolet den Einfluss und die Auswirkungen von Foto und Film in den Massenmedien kommentieren. Rein autobiografisch wird Bartos in „Life“, dass die erste Single der Wiedereröffentlichung sein wird.

Die Single „Life“ ist ab sofort im Handel erhältlich.

Karl Bartos – Communication erscheint am 25.03.2016 bei Trocadero

Webseite von Karl Bartos: http://www.karlbartos.com/

(Bild: Patrick Beerhorst, Jann Klee)

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