1476 – Wildwood / The Nightside

…denn brennen muss Salem!

Wenn man als Band aus Salem, Massachusetts, stammt, dann sind die Themen beinahe vorprogrammiert, mit denen man sich musikalisch beschäftigt. Das Erbe des Namens „Salem“ ist einfach zu dominant. Erinnert sein an Stephen Kings „Brennen muss Salem“ und an Lovecrafts „Der Hexer von Salem“. Die Band 1476 (Robb Kavjian und Neil DeRosa) lassen sich gerne darauf ein und bedienen die Erwartungen, vielleicht aber nicht ganz so, wie vielleicht von vielen erwartet wird. 1476 verbindet Metal, Progressive, Indie, Neofolk und auch Klassik auf Wildwood zu einem ganz eigenen Klangbild, das einerseits auf den Punkt genau das Zwielicht, den Hang zur Dunkelheit abbildet, andererseits aber auch sehr anders, sehr eigenwillig klingt.

Wildwood / The Nightside

1476 veröffentlichen das neue Album „Wildwood“ zusammen mit einer Neuauflage der EP „The Nightside“, die bereits 2012 veröffentlicht wurde. Die EP ist deutlich dunkler und der Titel „Nightside“ treffend. „Wildwood“ hingegen orientiert sich zwar auch in Richtung der Dunkelheit, bewegt sich aber gefühlt eher im Zwielicht, der Dämmerung, kurz vor dem Hereinbrechen der Nacht. Die Musik ist bemerkenswert intensiv und komplex. Sie passt gut zum eingangs erwähnten „Salem-Erbe“ und hat ein stimmiges Flair, das zum Szenario passt. Die Musik ist melodisch, aber gleichzeitig auch roh und zuweilen sogar schroff.

Grenzgänger

1476 band photoInsgesamt entsteht ein Gefühl des Herantastens, des Entlangwanderns an einer Grenze, die – einmal überschritten – ein Umkehren unmöglich macht. Man fühlt sich als Beobachter, der mit mal mehr, mal weniger Abstand das Geschehen betrachtet. Das funktioniert hervorragend und macht eine schöne Stimmung. Sie passt außerordentlich gut, besonders wenn man gerade Romane von H. P. Lovecraft / E. A. Poe / C. A. Smith liest und macht deren Welten greifbar(er). Die Stimmung ist getragen, drängt sich nicht auf und ist doch auch energetisch und vermittelt ein Gefühl des Unausweichlichen. Der emotionale Sog der Songs ist bemerkenswert und sehr authentisch.

Mainstreamtauglich ist Wildwood eher nicht. Es ist sehr gut gemachte, aber eben auch sehr spezielle und ungewöhnliche Musik. Am ehesten ist die Musik vielleicht noch vergleichbar mit Type O Negative und Sisters Of Mercy treffen Ashbury Heights und interpretieren A Pale Horse Named Death. Das Resultat ist musikalisch ungewöhnlich und qualitativ bemerkenswert gut. Wer Gothic mag, sollte diesem Album unbedingt einige Aufmerksamkeit schenken.

Wildwood / The Nightside erscheint am 22.07.2016 bei Prophecy Productions / Soulfood

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1476 – Good Morning, Blackbird

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