7Fields Debütalbum „7Fields“ – überraschend unLiquide

Bittersweet Harmonies

Hinter 7Fields steckt Wolfgang Schrödl. Mit der Pop-Band Liquido aus Sinsheim / Baden-Würtemberg war er bis zu deren Auflösung Ende Januar 2009 sehr erfolgreich. Die Single Narcotic vom Album Liquido (1998) dürfte einigen noch im Ohr sein. Für die Melodie dieses Ohrwurms war Wolfgang Schrödl verantwortlich. Er entwickelte sie auf einem Roland D70. Mit 7Fields geht Schrödel jetzt eigene Wege, ohne seine Kollegen von Liquido und mit neuen, anderen musikalischen Ideen.

Es ist endlich die Musik, die ich im Prinzip schon immer machen wollte. Jetzt hatte ich den Mut und die Ruhe dazu. Kein Schielen auf Radiotauglichkeit oder Breitenwirksamkeit, sondern ganz einfach das, was aus mir herauskommt.
(Wolfgang Schrödl)

Obwohl die Vorgeschichte mit Liquido anderes vermuten lässt, ist 7Fields ganz anders als das, was Wolfgang Schrödl früher mit Liquido gemacht hat. Der Name wird abgeleitet aus der Gemarkung „Sieben Morgen“. Ein Morgen ist eine alte Art, Flächen und speziell Felder zu vermessen. Die Vermutung liegt nahe, dass der Name Bezug nimmt auf musikalische Weite und die Gefühle, die entstehen, wenn man inmitten weiter Felder und Wiesen steht und die Gedanken treiben lässt.

7Fields

Dieses Bild, das Stehen inmitten von schier unendlichen Feldern und Wiesen, den Tag genießen, die Gedanken treiben lassen, ist ein gutes erstes Bild, um sich die Musik von 7Fields vorzustellen. Räumlichkeit spielt eine große Rolle in den Kompositionen. Es sind weniger Klangflächen, die das Gefühl von Weite erzeugen. Vielmehr entsteht dieser Eindruck durch das Arrangement. Auch wenn es hier immer wieder elektronisch klingt, betont Wolfgang Schrödl, dass die Musik mit echten Instrumenten eingespielt wurde.

Die Vielzahl der Instrumente lässt vermuten, dass sich hinter 7Fields eine ganze Band verbirgt. Aber tatsächlich spielt Wolfgang Schrödl praktisch alle Instrumente im Alleingang. Es entsteht ein mal fragiles, mal kantiges Klangbild, dass eine nach der Ferne suchende Melancholie in sich trägt. Insgesamt erweckt das Album 7Fields den Eindruck ein Album für Menschen auf der Suche zu sein. Oder vielleicht auch für die, die gerade aufbrechen wollen.

Der elektronische Charakter der Musik ist dezent und weit weg von dem, was ich dem ehemaligen Kopf von Liquido zugetraut hätte. Die Kompositionen zeigen einen Hang zur Detailverliebtheit und zum Reduktion auf das Wesentliche. Die Erfahrungen aus der Zeit mit Liquido zeigen sich immer wieder. Es gelingt der Musik von 7Fields bemerkenswert gut, dezent zu bleiben. Trotzdem ist die Musik keinesfalls einschläfernd oder repetitiv. Vielmehr zeigen sich hinter jeder Ecke interessante Ideen und Konzepte, die dem Album eine neue Richtung geben.

Trau Dich.

Wer sich auf das Album einlässt, findet sich in einem hypnotischen Sog wieder, in dem man sich durchaus verlieren kann. Entgegen meiner Befürchtung ist das Album durchweg maskulin und weder Hipster noch Dandy. Ja, urbane Elemente werden verwendet, aber insgesamt ist das Album authentisch und steht solide für sich selbst, ohne dabei abzustreiten, dass es Künstler gibt, deren Einflüsse sich hier wiederfinden. 7Fields von 7Fields ist über alles ein ruhiges, aber nicht zu ruhiges Indie-Album. Es passt hervorragend zu den eher stillen Passagen des Tages, ist dabei aber sehr abwechslungsreich und passt sich wie ein Chamäleon der Grundstimmung an, ohne sie vorzugeben. Gerade das gelingt nicht vielen Musikern und das finde ich wirklich bemerkenswert.

7Fields von 7Fields ist erschienen am 17.03.2017 bei Rent A Record Company / Motomusic / H’ART

Offizielle Webseite des Musikers
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7fields – But Your Love (Official Musicvideo)

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