Abay – Everything Is Amazing & Nobody Is Happy

Solo-Duett mit Band

Aydo Abay war 14 Jahre lang Sänger bei Blackmail, bis Ende 2008. Danach experimentierte er mit verschiedenen Projekten (zum Beispiel KEN, Crash:Conspiracy), landete aber irgendwie nie wieder so richtig. Sein aktuelles Projekt „Abay“ soll das ändern. „Abay“ ist allerdings nicht etwas das Solo-Projekt von Abay, sondern ein Duo. Aydo Abay hat sich mit Jonas Pfetzing, dem Gitarristen und Songwriter von Juli (das sind die mit „Perfekte Welle“, wir erinnern uns?) zusammengetan und drumherum weitere Musiker versammelt.

Everything Is Amazing & Nobody Is Happy

Dem Album ist die Professionalität des Songwritings und die vielen Jahre Erfahrung vom ersten Moment an anzumerken. Das sitzt und alles passt zusammen. Das Album ist das Resultat von über 80 gemeinsam mit insgesamt 25 Musikern aufgenommenen Songs. Das Album ist sozusagen ein „Best Of“ einer musikalischen Findungsphase. Abay Kombinieren den klassischen Rock-Ansatz (Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug) mit Klavier und Keyboard und mischen eine deutliche Pop-Färbung unter.

Damals – Heute

Immer wieder werden Erinnerungen an alte Blackmail-Zeiten wach und auch eine angenehme Nähe zu Placebo ist herauszuhören. Das Resultat ist nicht ganz so Indie-Lastig, wie gehofft, aber auch nicht so sehr auf der Pop-Seite, wie befürchtet. Mir hätte ein wenig mehr Griff, etwas weniger Politur, besser gefallen. Gerade im namensgebenden Song „Everything Is Amazing & Nobody Is Happy“ zeigt das Duo, dass sie das Zeug dazu haben. Da spürt man den düsteren Keller, hört die Kante und fühlt die teils genialen Ideen, die überall im Songwriting stecken.

Der Kontrast innerhalb des Albums lässt mich vermuten, dass die Abay und Pfetzing grundverschiedene Ideen und Herangehensweisen haben. Grundsätzlich passen die beiden sehr gut zusammen, nur haben sie den Dreh noch nicht so ganz raus, wo sie hinwollen. Deshalb ist das Album gut, denn es hat einige echt starke Songs, die klasse funktionieren und eine glaubhafte und greifbare Stimmung transportieren. Das Album klingt mal melancholisch, mal rebellisch und es entsteht immer wieder ein Gefühl des Suchens und Umhertastens im Nebel. Die Songs, in denen die Band „aufmacht“, sind wirklich echt richtig total gut. Die, in denen sie sich im Pop-Geschwafel verliert, kommen bei mir nicht an.

Das lässt mich alles in allem etwas ratlos zurück. Einerseits ist Abay – Everything Is Amazing & Nobody Is Happy richtig gut. „Different Beds“ zum Beispiel finde ich total klasse. Aber das Album hat eben auch Songs, die mich nicht so ansprechen, wie zum Beispiel „A Boat“. Es ist ein eher nachdenkliches Album mit starken, rebellischen Ansätzen, das insgesamt hervorragend gemacht ist, aber wegen seiner oft nachdenklichen, etwas gebremsten Melancholie eine eben solche Stimmung voraussetzt, um so richtig zu zünden, und die habe ich gerade nicht. Der Qualität der Musik tut das aber keinen Abbruch, denn die ist gut.

Abay – Everything Is Amazing & Nobody Is Happy erscheint am 12.08.2016 bei Unter Schafen Records / Alive

Offizielle Webseite von Abay

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