Adrian Younge – Something About April II

Kennt doch jeder

Mir wurde ausgiebig mit Adrian Younge – Something About April II unter der Nase herumgewedelt. Mir wurde gesagt „der ist klasse“ – das höre ich über jeden zweiten Künstler. Mindestens. Bei „Den kennst Du“ wurde ich skeptisch, das mit Überzeugung nachgeschobene „Garantiert!“ machte es nicht besser, im Gegenteil, denn der Name sagte mir einfach gar nichts. Allerdings kann ich ja nun auch nicht alles und jeden kennen.

Something About April II

Adrian Younge werde seit der Veröffentlichung von „Something About April“ Amerikas schwarzes Genie genannt. „Okay,“ dachte ich mir, „sowas wie ‚der Superstar aus Timbuktu kommt endlich mit seinem Mega-Erfolg nach Deutschland‘. Das kann ja was werden…“ Album aufgelegt, reingeschnuppert, Augenbrauen hochgezogen. Okay, DAS war jetzt etwas unerwartet. Was entgegen meiner Befürchtung aus den Boxen perlte, war einfach nur richtig gute, interessante Musik.

Something About April II hat Soul, R&B, Beat. Das Album ist eine Zeitreise zurück zur schwarzen Musik der 70er. Viel erinnert mich an Musik, die in alten Fernsehserien wie „Shaft“ zu hören ist. Doch die Musik ist auch modern. Immer wieder ziehen sich moderne, elektronische Passagen durch die Songs, die mal an Breakbeat, mal an Chillout erinnern. So entsteht eine Atmosphäre, die wie ein Blick zurück ist, eine Rückbesinnung vielleicht.

Unterstützung

Adrian Younge hat sich für Something About April II die israelische Sängerin Karolina (Habanot Nechama), Laetitia Sadier von Stereolab und die Sänger Bilal und Loren Oden von Venice Dawn dazu geholt. All diese Künstler sind hochkarätig und deren Performance beeindruckend, einerseits wegen der gezeigten Präzision, aber andererseits auch wegen der spürbaren Ungezwungenheit. Die Musik wirkt, als wäre sie schon immer so gewesen. Sie klingt organisch und authentisch, beinahe so, als wäre sie „damals“ aufgenommen worden, nur eben ihrer Zeit weit voraus.

Adrian Younge – Something About April II ist kein einfaches Soul oder R&B oder Black Album. Es ist anspruchsvoll und fordernd, spricht einen speziellen Geschmack an. Die Musik ist trotz der unüberhörbaren Rückbesinnung modern. Mal steht die Musik, der Sound, für sich selbst, mal unterstützt er die beeindruckenden Sängerinnen und Sänger und stets fühlen sich die Werke so an, als wären sie geanu so richtig.

Wirklich erfreulich an Something About April II ist jedoch, dass die Musik keine verklärte Retrospektive auf die „gute alte Zeit“ durch eine bedingungslos rosa Brille ist. Ebenso wenig taugt dieses Album als „Musik für die Hipster“. Sie ist für beides im Detail zu kreativ, zu neu, zu anspruchsvoll. Adrian Younges Musik setzt aus einer unerwarteten Richtung, aus einem eigentlich zur Genüge abgefrühstückten Richtung heraus, ein Zeichen, dass es durchaus möglich ist, frische Impulse für ein Genre zu setzen, wenn man sich denn nur traut.

Adrian Younge – Something About April II erscheint am 22.01.2016 bei Linear Labs

Webseite: http://linearlabsmusic.com/artist/adrian-younge/

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