And One – STOP: Gestalt gewordene Selbstironie

And One sind ein Eckpfeiler des deutschen EBM und Synthie-Pop. “Wer diese Band bisher nicht mochte, wird sie spätestens jetzt hassen” “And One liefern ein Werk ab, welches an dreister Selbstkopie kaum zu überbieten ist” kündigte die Band um Gründungsmitglied Steve Naghavi ihr neues Album “S.T.O.P.” selbstironisch an. Diese warnende Zusammenfassung im Hinterkopf war ich darauf gespannt, wie And One die Veränderungen der letzten Zeit musikalisch verkraftet haben: Die langjährigen Mitglieder Chris Ruiz und Gio van Oli verließen die Band, dafür kehrten Rick Schah und Joke Jay zurück, die schon von Anfang der 1990er bis 2001 mit von der Partie waren. Zusätzlich kam Nico Wieditz neu hinzu. Außerdem wechselte die Band zum Label SPV. Es hat sich also einiges getan.

Steves Ankündigung, die Band werde sich selbst kopieren, trifft den Nagel auf den Kopf. Die Band schöpft aus alten Quellen und erschafft daraus neue Stücke. Wer And One kennt, braucht nur an sein Lieblingsalbum der Band zu denken und wird auf “S.T.O.P.” sofort Instrumente, Gefühle und Stimmungen wiederfinden. Der Song “Aigua” ist untypisch für And One. Steve lässt das Lied komplett von einer Frau singen und ich frage mich, was Steve dazu bewogen hat und vor allem: Wer ist diese mysteriöse Vivi? Die Songs “S.T.O.P. the Sun”, “The 4”, “Everybody Dies Tonight” und auch das zusammen mit Douglas McCarthy von Nitzer Ebb eingesungene “The End Of Your Life” gefallen mir besonders. Die Limited Edition von “S.T.O.P.” wird zusammen mit der EP “Treibwerk” ausgeliefert. Hier ist noch mal McCarthy (“Get It!”) zu hören und auch Eskil Simonsson von Covenant (“Low”) gibt ein Gastspiel. Auf der EP liefert die Band härtere Kost ab, die sich deutlich von “S.T.O.P.” abhebt, was mir in dieser Kombination sehr gefällt.

Bei “S.T.O.P.”, besonders zusammen mit der EP “Treibwerk”, ist alles da, was And One ausmacht: Synthie Pop, kernige Songs und auch das Dunkle, das Mysteriöse von “früher”. Der typische And One Sound von “damals”, den die Band für mich ein Stück weit verloren hatte, lebt wieder auf. Insgesamt gefällt mir “S.T.O.P.”. Es ist zwar kein Konzeptalbum, lässt sich aber sowohl sehr angenehm “in eins” durchhören, wie auch in einzelnen Stücken, je nach Stimmung und Geschmack. Das Album macht mir Spaß und ich bin gespannt darauf, welche musikalischen Wege die Band in Zukunft gehen wird.

S.T.O.P. ist am 25.05.2012 bei SPV erschienen.

Webseite der Band:

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