Angela Puxi – Träumen mit Profis

Wenn man mir mit Jazz droht, bin ich intuitiv immer ein wenig auf Abwehrhaltung getrimmt. Ich verbinde mit Jazz viele nervige, anstrengende und überhaupt nicht entspannte Momente. Inzwischen habe ich zwar Musik von Künstlern wie Miles Davis, John Coltrane, Oscar Peterson und anderen mehr kennengelernt, aber die Wurzeln meines verschreckten Empfindens reichen tief. Das erklärt, warum ich eine ganze Weile gebraucht habe, bis ich mich unvoreingenommen mit Angela Puxi – Badapapapaa auseinandersetzen konnte.

Ich habe mich dann doch gewagt – und ich bereue nichts! Badapapapaa ist ein modernes Jazzalbum, entspannt, weich, sogar ein wenig elektronisch. Das zentrale Instrument ist das Saxophon, um das alle Kompositionen herum arrangiert werden. Nicht alle Songs sind Instrumentals, einige haben auch Gesang. Beim ersten reinhören wirkt das Album schon wie ein Lounge-Album, aber es fällt sofort auf, dass im Gegensatz zu den „üblichen Verdächtigen“ auf Badapapapaa irgendwas anders ist.

Angela Puxi und ihre Band spielen die Instrumente nicht aus der Konserve, aus dem Rechner, sondern „richtig“. Dadurch bekommt der Jazz einen nicht zu leugnenden Wow-Faktor, eine Tiefe und Präsenz, die ich von Alben mit Lounge-Musik in dieser Art noch nicht kannte. Es fällt auf, dass Angela Puxi mit dem Saxophon mehr als nur eine innige Beziehung verbindet (sie hat das Instrument studiert). Zusammen mit Volker Dorsch, Ulf Sticker, Gorjan Vujic, Thorsten Praest und Lars Kuklinski formen sie die Band „Angela Puxi“.

Sicher wird es intellektuelle Puristen geben, die sich über diese Form des Jazz stundenlang auslassen und mir erklären können warum und wieso das jetzt nicht der wahre Jakob ist. Ich vermute, dass alleine der Einsatz elektronisch unterstützter Beatgestaltung bei manchem schon eine Menge Abwehrreaktionen auslöst. Aber mich hat die Band erreicht. Badapapapaa ist ein modernes, qualitativ hochwertiges und doch zurückhaltendes Jazzalbum, das selbst mir den angstfreien Zugang zu modernem Jazz ermöglicht. Angela Puxi und ihre Jungs haben es geschafft, dass ich mir ein Jazz-Album, das einige durchaus schwierige Passagen in sich trägt, nicht nur angehört habe, sondern es mir gerne angehört habe: Ich habe es genossen und empfehle es deshalb gerne weiter.

Alben wie Angela Puxi – Badapapapaa haben es schwer wahrgenommen zu werden, denn die einen werden es sofort in die Kiste mit Lounge-Musik stecken und die anderen werden es als trivialen Pop-Jazz abtun. Das hat dieses Album nicht verdient. Die Musiker sind hochklassig und die Umsetzung der Songs ist einfach nur schön. Klar, wer eine oldschool aufgestellte Jazzkapelle erwartet, der wird enttäuscht, aber wer nach einer angenehmen, nicht nervenden, gute Laune machenden, modernen Spielweise des Jazz sucht, der sollte in Angela Puxi – Badapapapaa mal reinhören.

Angela Puxi – Badapapapaa ist erschienen am 27.03.2015 bei 4MPOWebseite der Band: http://www.angela-puxi.com/

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