Artefuckt – Manifest … eine aggressive Erklärung

Artefuckt? Mal schauen…

„Deutschrock“ steht im Begleitschreiben, und „Punkrock“. „Ganz neu,“ steht da. „Ist deren Debüt-Album!“ Vor meinem inneren Auge entsteht sofort ein Bild. Ein Bild von einem Rudel schlaksiger junger Kerle, die in durchlöcherten Jeans und zerfetzten, schwarzen T-Shirts mit mehr Begeisterung als Können in die Seiten hauen, in irgendeinem Jugendtreff in der Provinz. Sollte Sandra, die mir das Manifest von Artefuckt mehrfach nahe gelegt hat, dieses Mal falsch gelegen haben? Sonst hat sie ein sicheres Händchen für Musik, die mir zusagt… Und ganz im Sinne von In dubio pro reo lege ich Artefuckt – Manifest in die Anlage und höre mal rein.

Manifest bedeutet Erklärung

Okay, meine erste Erkenntnis: Andre, Sven, Kevin und Roland von Artefuckt haben die frühen Zwanziger verlassen. Eine Weile schon. Und wir reden hier auch nicht von Punkrock. Und nicht von Deutschrock. Also, teilweise schon – aber Punkrock gut durchmischt mit einem ganzen Schub Deutschrock. Oder vielleicht auch anders herum. Und das in wechselnden Zusammensetzungen – manchmal eher wie die Ärzte in den 80ern, dann wieder eher wie die Größen des Deutschrocks heutzutage, so Richtung Krawallbrüder.

Artefuckt - Manifest. Quelle: http://artefuckt.de
Quelle: Artefuckt.de

Die Jungs um Frontmann und Sänger Andre Donay schaffen diesen musikalischen Spagat mit erstaunlicher Bravour und packen das Verspielte, die Begeisterung aus dem Punkrock in ein Bett von Deutschrock, betten die Wut und den Zorn des Deutschrocks auf das manchmal doch etwas durchgesessene Sofa des Punks. Das Ganze ist um so bemerkenswerter, weil der erste Song für das Album – so die Geschichte – bereits vor zehn Jahren entstand und dann aufgrund von Pech bis jetzt warten musste, bevor er aus unseren Anlagen schallen darf.

… und was erklärt das Manifest?

Zwischen dem langsamen, balladenhaften Wir Sind Ewig und der brachialen, rockigen Breitseite von Geteilte Freude, Geteiltes Leid mit der knallharten Drumline zeigen uns Artefuckt auf ihrem Debüt-Album Manifest die Spanne, in der sie sich bewegen. Bewegen wollen. Auch bei den Lyrics zeigt das Quartett aus Rheinberg uns, dass sie sich nicht in ein enges Korsett zwängen lassen. Im König Der Welt ist eine Bergsteiger-Erfahrung umgesetzt – das allein ist schon mal ein außergewöhnlicher Ansatz für einen Song. Unglückliche Liebe, betrogene Freundschaft – das Spektrum, das die Band abdeckt, ist groß. Und ist großartig umgesetzt.

Oder für die, die nicht so viel lesen wollen: Nein, Sandra hat sich nicht geirrt. Klasse Album.

Artefuckt – Manifest ist am 7.07.2017 bei Rookies & Kings / Soulfood erschienen.

Webseite Artefuckt (Facebook)

ARTEFUCKT – GEH DEINEN WEG (Lyrics Video)

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