Artic Sunrise – When Traces End

Essentielle Integration von damals und heute

Retro ist schwer angesagt in der Musikwelt. Hier klingt es nach alten Verstärkern, da nach alten Synthies, dort nach Aufnahmetechniken aus den 60ern. Mal als Hommage an ander Bands, teils längst vergangen und vergessen, mal aber auch als Versuch etwas einzufangen, was in der Musik verloren gegangen scheint. Authentizität, Echtheit, der Faktor Mensch, kurz: Herz und Seele. Steve Baltes und Torsten Verlinden von Artic Sunrise haben sich in ihren anderen Musikerkarieren ausgiebig mit moderner Musik beschäftigt. Baltes im Bereich Techno/Trance, Verlinden in Rock und Pop.

Als Arctic Sunrise erkunden die beiden die weite Welt der Synthie-Musik. Mit When Traces End setzen sie sich intensiv mit ihren Erfahrungen auseinander. Warm und satt klingen die Sythies. Es erinnert mal an den Sound von Unversed in Love (De\Vision), mal an OMD, und doch ist When Traces End stets etwas Eigenes. Die Musik ist unbestreitbar modern und doch strahlt sie eine Ruhe und Selbstsicherheit aus, die lange Erfahrung und nicht minder viel Talent voraussetzt.

When Traces End

Ein Album, das mich beeindruckt, weil es so unspektakulär zu sein scheint, weil Artic Sunrise nicht auf die omnipräsente Loudness-Keule setzen, weil sie die Musik unkapriziös für sich selbst stehen lassen. Die atmosphärische Dichte des Albums ist fragil, zurückhaltend, beinahe entschuldigend. Die Songs hauen Dir nicht mit Anlauf den Hammer auf den Kopf, sondern wirken über die Zeit in einer Atmosphäre, die sowohl Raum als auch Zeit braucht. When Traces End ist ein in sich geschlossenes und doch sehr offenes Album, das gleichermaßen den Blick nach innen und nach außen wendet.

When Traces End ist eine wundervoll detailverliebte Produktion, die sich am ehesten als „Contemporary-Retro Sound“ beschreiben lässt. Die Songs behandeln unterschiedlichste Facetten des menschlichen Daseins, zwischen Einsamkeit, Liebe, Hilflosigkeit, hinab in die Abgründe eines Psychopathen. Dabei gefällt mir besonders, dass die Songs die Grenze zwischen Pop und Gothic erkunden, ähnlich, wie es in den 80ern viele Bands taten, ohne sich endgültig festzulegen.

Long Story short: When Traces End von Artic Sunrise ist ein schönes Album, das an ganz vielen Stellen anknüpft, ohne abzukupfern oder zu imitieren. Es klingt nach „damals“ ist aber unverkennbar von heute und deshalb modern und zeitgemäß. Die dezente, sanfte Zurückhaltung der Musik schafft eine bezaubernde Wirkung, die durch die Texte teils extrem kontrakariert wird. Die daraus resultierende Wirkung ist bockstark und macht das Album zu einem bemerkenswerten Juwel.

Arctic Sunrise – When Traces End erscheint am 28.10.2016 bei Echozone

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arctic sunrise – the making of „silent tears“

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