ASP – Fassaden (Verfallen: Teil 2)

Warten auf die Fortsetzung

Seit im Oktober ’15 der erste Teil – Astoria – des CD-Duos „Verfallen“ herauskamgab es natürlich nur eins: Warten auf die Fortsetzung, die ja schon im Abspann des Albums angekündigt wurde. Das Projekt „Verfallen“ basiert auf einer Kurzgeschichte von Kai Meyer, ist aber keine Vertonung der Geschichte, sondern bildet sozusagen den Prolog der Geschichte – das, was zu der Erzählung „Das Fleisch der Vielen“ hinführt. Damit schafft ASP eine neue, eine erweiterte Geschichte, die zu Meyers Werk hinführt, statt die Kurzgeschichte „nur“ musikalisch nachzuerzählen. Im ersten Teil lernten wir Paul kennen, der von Berlin nach Leipzig reist – und da das Hotel Astoria findet. Und schnell wird schon im ersten Teil die Handlung düster, geheimnisvoll.

ASP – Fassaden ist ein Konzeptalbum

Und genau da greift ASP – Fassaden (Verfallen: Teil 2) die Story knapp ein halbes Jahr später wieder auf. Und erzählt vom Protagonisten Paul, der im Astoria lebt und an dem die Geschichte sozusagen vorbeizieht, ohne dass er das Hotel wirklich verlassen würde. Und die Musik erzählt uns vom 3. Reich, die Klänge führen uns durch die DDR-Zeit und die Wende – aber immer nur als Hintergrundrauschen vor der Geschichte im Astoria und dem düsteren Geheimnis des Hotels.

ASP 14Man kann über Konzept-Alben denken, was man möchte – einige lieben sie, andere betrachten Konzeptalben eher so als „Dinge, die Künstler mal so machen“ und die man einmal hört, und dann in den Schrank stellt. Und tatsächlich kann man ASP – Fassaden durchaus „nur“ als Geschichte betrachten, einmal hören und dann wegstellen. Klar. Dann macht man zwar ’n großen Fehler – aber für einige mag das schon reichen. Tatsächlich habe ich mir das Album drei- oder viermal angehört, und jedes mal neue Aspekte, neue Ecken und neue Rundungen gefunden, die weit über das einfache Geschichten erzählen hinausgingen – sei es Instrumentation, seien es einfließende Musikstile aus Rock, NDH, die ASPs Goth-Rock erweitern, oder auch die Variationen in Asps Stimme, die von fast Doom-Metal ähnlichen Growlen bis zu ungeahnten Höhen reicht. Und doch erzählt die CD in vierzehn Tracks immer wieder die Geschichte, die auf „Das Fleisch der Vielen“ hinsteuert.

Musikstile, Fremdmusiker

Wenn man sich die Schaffensgeschichte der Frankfurter Band ASP anschaut, bemerkt man immer wieder, dass die Band sich Fremdmusiker dazu holen, die ihre „gewohnten“ Klänge deutlich erweitern. Genau das passiert auch auf ASP – Fassaden (Verfallen: Teil 2). Und sogar in noch größeren Ausmaß als bekannt, so wurde zum Beispiel in „Das Kollektiv“ ein Dudelsack eingebaut – mit überraschendem Klang. Das von Thomas Zöller gespielte Instrument integriert sich nahtlos in die Musik, ohne dass ASP jetzt auf einmal wie mittelalterliche Marktmusik klingt. Auch Ally Storchs Geigenklänge runden die Musik bemerkenswert ab, integrieren sich sowohl in die Musik als auch in die Storygestaltung und bereichern die Musik von ASP um ganz eigene Klänge. Auch bemerkenswert ist der Gastauftritt von Vincent Sorg am Klavier – nicht, weil Klavierklänge so ungewohnt sind, sondern weil Vincent eigentlich Musikproduzent für ASP ist. In „Ich bringe dir nichts mehr“ zeigt er aber auch, dass er auch anders mit Musik verwachsen ist.

Auch stilistisch klingen immer wieder fremde Stile mit ein – manchmal subtil, manchmal sehr deutlich wie die Marschklänge in „Unwesentreiben“, die einen düsteren Bezug zur Zeit des Nationalsozialismus im Hörer herstellen. Insgesamt schafft ASP – Fassaden ein breites Spektrum an Geschwindigkeiten und Ausrichtung, die es aber dennoch schaffen, als Einheit zu wirken.

ASP - Astoria: Verfallen Folge 1Song Album

Und auch wenn ich bislang vor allem das Konzept des Albums gewürdigt habe – die einzelnen Tracks sind für sich genommen, aus dem Kontext gerissen und einzeln gespielt, genauso hörenswert. Es ist kein Evergreen-Partysong wie „Ich will brennen“ dabei sein – aber nicht nur die Qualität der Aufnahme überzeugt, auch die Stücke als einzelne Tracks sind durchaus zu genießen. Und das nicht nur das – schon vorab in einer Single ausgekoppelte – „Kollektiv“, sondern auch zum Beispiel „OdeM“, das an eher traditionellere ASP-Stücke erinnert und dessen bewegte Klänge quasi ein Guter-Laune-Garant ist und einfach mitreisst.

Egal, ob man ASP – Fassaden (Verfallen: Teil 2) also als Konzeptalbum und Fortsetzung der Geschichte um das Hotel Astoria und Paul ansieht, oder als ein Album voller grandioser Musik – es lohnt auf jeden Fall. Und jetzt… nach dem Duett der beiden „Verfallen“-Scheiben…

… warten wir wieder. Auf die Fortsetzung der „Fremder“-Reihe.

ASP – Fassaden (Verfallen: Teil 2) erscheint am 1.04.2016 bei Trisol / Soulfood)

Webseite der Band: www.aspswelten.de (Facebook)

ASP VERFALLEN TOUR 2

Support: Spielbann
31. März 2016, Saarbrücken, Garage
1. April 2016, Stuttgart, Im Wizemann
2. April 2016, Potsdam, Lindenpark
3. April 2016, Hannover, Pavillon
6. April 2016, Hamburg, Markthalle
7. April 2016, Wiesbaden, Schlachthof
8. April 2016, Bochum, Ruhrcongress
9. April 2016, Leipzig, Haus Auensee

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