Asura – Radio Universe: Filmmusik, die bezaubert

Ich muss etwas gestehen: Ich habe es vergessen. Ja, wirklich. Ich habe vergessen, dass es Filmmusik gibt. Ein ganzes Genre habe ich aus den Augen verloren. Als Jugendlicher faszinierten mich diese Kompositionen und ermöglichten es mir, einen eigenen Film im Kopf ablaufen zu lassen. Das waren wundervolle Momente. Als Soundtracks immer mehr in Compilations, belanglose Zusammenstellungen verwandelt wurden, als „Soundtracks“ mit Nummern daran erschienen, belanglos kitschige Sammlungen, die mit dem Film, dessen Namen sie trugen, oft gar nichts mehr gemein hatten, von dem Augenblick an wandte ich mich ab.

Das war ca. 1990. Fast Forward, 2014. Mir wird eher beiläufig das Album Asura – Radio Universe angeboten. „Das ist bestimmt nichts für Dich, aber hör‘ doch mal rein, wenn Du Zeit hast“. Das lese und höre ich bestimmt 20, 30 Mal am Tag. Irgendwie hatte ich an diesem Abend Zeit. Viel Zeit. Und irgendetwas machte mich neugierig: „Radio Universe… Erinnert mich der Name an VNV-Nation? Mal reinhören…“ Der Opener, Overture, ist ein Flashback. Ich bin auf einen Schlag wieder der Teenager, der stundenlang im Plattenladen herumlungert, Alben von Vangelis, ELO, Tangerine Dream, Jean Michel Jarre, Yello und vielen, vielen anderen wie ein Schwamm in sich aufsaugt.

Asura – Radio Universe ist ein Soundtrack für den Film im Kopf. Die fast ausschließlich instrumentale elektronische Musik von Asura malt ganz von selbst Bilder auf die imaginäre Leinwand im Kopf. Bilder, Szenen einer Reise, Eindrücke, Gefühle. Besonders Gefühle, Emotionen, verbindet die Musik zu einem wundervollen Wachtraum, dem ich mich nicht entziehen kann – und schon gar nicht will. Die Klangsphären, die nahezu unendlich weiten Synthieflächen, die Asura baut, die mal langsam, beinahe gemächlich gleitenden, mal rasant wechselnden Eindrücke, sind traumhaft schön. Es ist Musik, die ich am ehesten mit einem Weltraum-Epos oder vielleicht einer Unterwasserwelt verbinde. Es ist schwebende Musik, die mich trägt, die mich mitnimmt.

Das Album Radio Universe ist weit weg von dem, was tagein, tagaus im Radio gespielt wird. Es ist ungewöhnliche Musik, die auf keinen Fall in Form eines hektischen „mal eben einen Song hören“ funktioniert. Schon die Länge der einzelnen Tracks macht das deutlich, die mit zwei Ausnahmen auf diesem Album alle deutlich über sieben Minuten lang sind. Die Musik hat etwas Langsames, Majestätisches, gleichzeitig Zerbrechliches. Die Musik regt meine Fantasie an und mit jedem Hören entdecke ich Neues, anderes. Es ist Filmmusik zu einem Film, der noch gedreht werden muss, der beim hören aber ganz von selbst vor deinem inneren Auge entsteht.

Das positive Gefühl, dass mir dieses Album gibt, diese fast schon „Retro“ anmutende Unschuld, ja sogar Naivität, die Bereitschaft, Klänge einfach mal für sich stehen zu lassen und sich zu trauen, Musik ein Gefühl sein zu lassen, ist heute selten. Das Album Asura – Radio Universe ist sicherlich nicht für jeden gleichermaßen geeignet, denn es spricht eine ganz eigene, eigenwillige und doch auch einfache Sprache. Aber gerade deshalb ist es für mich ein wertvolles Geschenk, das mich daran erinnert, woher meine Liebe zur Musik eigentlich kommt und um was es mir dabei ursprünglich ging.

Asura – Radio Universe erscheint am 28.10.2014 bei Ultimae Records

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