Baroness – Purple: Metallene Farbenpracht aus Georgia

Erstes Album nach dem Unfall

Baroness – Purple kommt drei Jahre nach Yellow & Green (drei Jahre vorher erschien Blue und zwei Jahre davor Red). Nach einem schweren Unfall der Band nahe Bath (England), bei dem Sänger John Baizley, Schlagzeuger Allen Blickle und Bassist Matt Maggioni schwer verletzt wurden, verließen Bickle und Maggioni die Band 2013. Ihre Nachfolge traten Sebastian Thomson und Nick Jost an.

Die Musik von Baroness gilt als Progressive Metal und Baroness geben sich große Mühe, ihre Musik staubfrei zu halten. Die Impulse, die durch die neuen Mitglieder in die Band gebracht wurden, sind hilfreich und fallen zumindest mir hier und da recht deutlich – und vor allem positiv – auf. Purple wirkt rund. Das Album ist schön strukturiert und die Songs sind im positiven Sinne geschmeidig, beinahe samtig.

Baroness – Purple

Baroness – Purple macht einen Schritt weg vom Elektronischen des Yellow & Green, schlägt eine etwas tiefere Tonart an. Die Musik der Band wird dadurch aber wider Erwarten nicht “retro” sondern gewinnt einen Freiraum, den die Band gut zu nutzen weiß, um sich insgesamt weiter zu entwickeln. Manche Songs fangen eher harmlos an, beinahe schlicht, nehmen dann aber rasant an Fahrt auf, während die Band das Thema entwickelt und sich austobt. Bestes Beispiel dafür ist der Song Chlorine & Wine, dessen Komposition mich schon beeindruckt.

Die Musik der Amerikaner ist klar, beine durchdringend, aber nicht beißend oder schrill. Das Album wirkt, als sei die Band musikalisch von irgendetwas getrieben, was sich zum Beispiel bei Songs wie “Kerosine” oder “Desperation Burns” für mich abzeichnet. Dieses “getriebene” verleiht dem Album einen positiven, einen interessanten Charakter. Einige Songs vom Album Purple gehören zu den besten, die die Band bis jetzt veröffentlicht hat. Songs, die vielleicht eher Rock als Metal sind. Oder vielleicht auch anders herum, die Entscheidung fällt mir da schwer.

Eine Sache der Präzision

Baroness – Purple besticht auch durch seine Präzision. Das Album ist mehr “auf den Punkt” und vielleicht nicht so weitschweifig wie Yellow & Green an manchen Stellen auf mich wirkte. Diese Präzision des Albums geht einher mit einer unbestreitbaren Eleganz, die sich nicht nur im Spiel der Musiker darstellt, sondern auch im Zusammenspiel der Songs. Der Wechsel zum Beispiel vom Opener “Morningstar” zu “Shock Me” ist schon bemerkenswert. Auch die teils psychedelischen Anleihen, die überall auf dem Album immer wieder durchscheinen, sind sehr passend.

Die Texte befassen sich mit dem Kampf, den die Band nach dem Unfall hinter sich gebracht hat, wenn auch wahrscheinlich “Chlorine & Wine” deutlichster Ausdruck dieses Verarbeitens ist. Hier singt, um nicht zu sagen brüllt, die ganze Band:

“Please don’t lay me down
Under the rocks where I found
My place in the ground
A home for the fathers and sons.”
(Baroness – Chlorine & Wine)

Alles in Allem ist Baroness – Purple nicht nur ein unerwartetes neues Album einer Band, die vielleicht ganz knapp am Untergang vorbeigeschrammt ist, sondern auch ein bemerkenswert gutes und anspruchsvolles Album, das auf mehr als einer Ebene Geschichten erzählt, die sich aber vielleicht erst dann so richtig erschließen, wenn die Zeit und die Ereignisse zwischen Yellow & Green und Purple vergegenwärtigt werden. So gesehen ist Baroness – Purple ein beeindruckendes Comeback Album, um nicht zu sagen ein “Survival” Album.

Baroness – Purple erscheint am 18.12.2015 bei Vertigo Berlin / Universal Music

Webseite der Band: http://yourbaroness.com/

Tourdaten 2016:

15.03. Leipzig-Conne Island
16.03. München- Backstage Werk
20.03.Berlin – SO36
21.03. Köln- Stellwerck
26.03. Hamburg- Grünspan
01.04.2016 Hannover-Faust
02.04. Wiesbaden- Schlachthof

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