Barst – The Western Lands

Enjoy this trip

Mir wurde Barst – The Western Lands als „Album“ angekündigt. Als ich es dann hatte, war ich verwirrt: Ganze zwei (in Worten: zwei) Songs befinden sich darauf. „Gut“, dachte ich mir, „da hat sich wohl jemand vertan und mir die Single geschickt.“ Als mir mein Player dann aber was von fast 44 Minuten Laufzeit erzählte, war ich verwirrt. „Zwanzig Minuten pro Song? Gut, kannste ja mal…“

Ich weiß nicht, was ich eigentlich erwartet habe, aber als ich vor der Anlage mit meinem Kaffee saß und den Play-Button drückte, erwartete ich wenigstens irgendwas. Sekundenlange Stille. Ich rechnete mit dem Schlimmsten und tat, was jeder in einer solchen Situation tut: Lauter drehen. Ah! Irgendwie… da ist glaub ich was. Sehr viel lauter drehen. Da! Musik! „Ah! Ok, ist etwas leisaaaAAArgh!… HOLY SHIT!“

Woge um Woge schichtete sich eine Welt aus Sound um mich herum, über mir, unter mir und vor allem in mir auf. Gitarren, die Dinge tun, die sie eigentlich nicht tun sollten. Ein Schlagzeug, das einen Rhythmus vorgibt, der sich in sich selbst versenkt. Darüber andere Instrumente, Effekte, Klänge. Ein unwiderstehlicher Sog riss mich mit sich. Unvermittelt ließ mich Barst frei, ließ mich in einer zarten Wolke aus angedeuteten, zerbrechlichen, kaum greifbaren Klangflächen schwebend, mit einem gewaltigen Fragezeichen über dem Kopf über das gerade erlebte nachdenken.

Die Endlosigkeit in Dir

Es hörte nicht auf. Wieder kamen, wie seichte Wellen an einem Strand, Melodien. Diffus, vielschichtig, schwebend, leicht. Ohne zu drängen war ich plötzlich wieder mittendrin. Es nahm Fahrt auf, bekam Richtung und trieb unaufhaltsam auf etwas Unbestimmtes zu, wurde zunehmend komplex und dann schaltete die Musik meinen Verstand einfach aus und tat Dinge. Ein ekstatischer Ritt, der ohne Umwege direkt mit der Phantasie kommuniziert, Bilder aus Deinem Unterbewusstsein herausholt und damit irgendetwas anstellt, was Musik so normalerweise eigentlich nicht macht. Zumindest mit mir nicht. Jedenfalls nicht, wenn ich nüchtern bin.

„Beeindruckend“ wäre eine Untertreibung, „Faszinierend“ klingt so klischeehaft. Barst – The Western Lands ist – man verzeihe mir die Wortwahl – Erlebnismusik. Es ist kaum zu erklären, was in dieser knappen dreiviertel Stunde musikalisch alles passiert, geschweige denn wie. Es zu begründen und zu analysieren ist nahezu ausgeschlossen. Was für Musik das ist? Keine Ahnung.

Irgendwie hat es was mit Progressive Rock zu tun, nur eben genau so, wie „normaler“ Progressive Rock nicht ist. The Western Lands ist elektronisch, aber das Elektronische ist nicht Selbstzweck, sondern in der Musik verwoben. Das Album ist instrumental und doch sind da auch Vocals, nur eben nicht so, wie man es erwartet. Verschwommen, kaum greifbar und doch völlig klar. Es hat was von entspanntem Ambient und von exzessivem Rock, aber auch von Metal, Shoegaze, Drone und noch vielem anderen mehr.

Was es für Dich ist, entscheidest nur Du

The Western Land ist alles gleichzeitig, vollkommen chaotisch und doch klar strukturiert und sauber gegliedert. Es ergibt alles einen Sinn – in Dir, wenn Du es hörst, wenn Du Dich dem Album hingibst. Mal eben kurz reinhören kannst Du vergessen. Egal welchen Teil Du Dir anhörst, er sagt Dir nichts darüber, wie die Musik zu dem wurde, was Du gerade hörst und er hat nichts mit dem zu tun, in welche Richtung sich die Musik gleich dreht.

Barst – The Western Lands ist ein Album, das nur dann funktioniert, wenn Du Dich wirklich auf Musik einlassen kannst. Wenn Du loslassen kannst und Dich ganz in Musik fallen lässt, wenn Du Musik brauchst, die Dich auf eine Reise schickt, deren Verlauf und Ende immer wieder anders sind, dann ist dieses Album Dein Album. Höre es. Erlebe es. Zelebriere es. Gib Dich ihm hin und ja, höre es laut. Richtig laut! Wenn Du es mit geschlossenen Augen im Zwerchfell spürst, dann wirst Du lächeln und verstehen.

Barst – The Western Lands erscheint am 25.11.2016 bei Consouling Sounds

Offizielle Webseite von Barst

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